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28.06.08

Malcolm X

Malcolm X zählt zu den herausragenden Figuren der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Der Dokumentarfilm erzählt den Werdegang des charismatischen schwarzen Predigers anhand der Aussagen von Wegbegleitern und Angehörigen, vom Geburtsjahr 1925 bis zu seiner Ermordung am 21. Februar 1965. Der Film bringt auch die Grundsätze und Visionen zum Ausdruck, denen sich Malcolm X zu Themen wie Diskriminierung, Rassenidentität und Unterdrückung von Minderheiten verpflichtet sah.

In einer Zeit, da die Anführer der Bürgerrechtsbewegung Harmonie und Integration predigten, machte der von Malcolm X vertretene Kurs der Selbstverteidigung und des schwarzen Nationalismus den Weißen Angst. Gleichzeitig inspirierte er die Afroamerikaner, verunsicherte sie aber auch.
Dem Vorwurf, Hass und Gewalt zu schüren, begegnete Malcolm X mit bitterer Ironie. Wie könnten solche Anschuldigungen ernst genommen werden, kämen sie doch von den Nachfahren derjenigen, die seine Vorfahren auf Sklavenschiffen angekettet nach Amerika verschleppt und straffrei gelyncht hätten. Angesichts dieser Verbrechen betrachtete er es als legitim, dass die Afroamerikaner ihre Rechte mit allen nötigen Mitteln - einschließlich Gewalt - einforderten.
Doch Malcolm X vertrat eine defensive Form der Gewaltausübung. Und es scheint trotz seiner brutalen Rhetorik unwahrscheinlich, dass er am Ende seines Lebens weiterhin im bewaffneten Kampf die Lösung für die Probleme der Afroamerikaner sah und in den Weißen die "Teufel mit blauen Augen". Seine Pilgerfahrt nach Mekka und seine Afrikareise veränderten seine Auffassung vom Islam. Er akzeptierte nun die Möglichkeit von Bündnissen mit Weißen und suchte nach Anknüpfungspunkten zur Bürgerrechtsbewegung. Er sprach sich für Ziele wie das Wahlrecht aus, die er zuvor als sinnlos erachtet hatte, und bezog Stellung gegen bedingungslose Gewalt und für das Recht. Obwohl sich Malcolm X weiter zum Grundsatz der Anwendung aller erforderlichen Mittel bekannte, gelangte er mit großer Wahrscheinlichkeit zu dem Schluss, dass Gewalt nicht zu diesen erforderlichen Mitteln zählte.
Sicherlich ist das Europa von heute nicht vergleichbar mit dem Amerika der 60er Jahre, doch die mitunter widersprüchlichen Positionen, die Malcolm X zu Diskriminierung, Rassenidentität, Mitteln im Kampf gegen Unterdrückung und zur Rolle der Religion in diesem Kampf vertrat, finden noch heute großen Widerhall.

ZUSATZINFORMATION
Der Dokumentarfilm lässt zahlreiche Zeitgenossen und Wegbegleiter von Malcolm X zu Wort kommen. Unter anderem äußern sich Alex Haley, Koautor von "Malcolm X, die Autobiografie" und Autor der erfolgreich verfilmten Familiensaga "Roots", Mitglieder der Bewegung "Nation of Islam", darunter Wallace D. Muhammad, Sohn und Nachfolger von deren Anführer Elijah Muhammad, Malcolm X's Witwe Betty Shabazz und seine älteste Tochter. Einen weiteren Schwerpunkt des Dokumentarfilms bilden Archivaufnahmen von öffentlichen Auftritten und Fernsehsendungen, in denen das Charisma und die außergewöhnliche Überzeugungskraft von Malcolm X auf eindrucksvolle Weise deutlich werden.


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23.06.08

Sidney Poitier, ein Outsider in Hollywood

Die Dokumentation zeigt das Porträt des Schauspielers Sidney Poitier, des ersten farbigen Filmstars in Hollywood. Filmemacherin Catherine Arnaud beschreibt das Leben des Ausnahmeschauspielers vor dem Hintergrund der Bürgerrechtsbewegung in den USA, die in den 60er Jahren gegen die Rassendiskriminierung in der amerikanischen Gesellschaft kämpfte.

Der heute 81-jährige Schauspieler Sidney Poitier ist der erste farbige Hollywoodstar. Die Dokumentation schildert die Geschichte dieses Mannes, der einer ganzen Generation Hoffnung gab und der durch seine Leinwandpräsenz in den drei Jahrzehnten seiner Karriere (1950 - 1980) dazu beitrug, das Bild des Schwarzen im amerikanischen Film ins Positive zu kehren. Filmemacherin Catherine Arnaud beschreibt ein außergewöhnliches Einzelschicksal vor dem Hintergrund des Gleichberechtigungsstrebens der afroamerikanischen Gemeinschaft, die sich mit aller Macht Gehör zu verschaffen suchte. Ihr Film ist zugleich eine Hommage an den Einzelkämpfer Sidney Poitier in Hollywood und an die Anführer der kollektiven Bürgerrechtsbewegung in den USA, von Martin Luther King über Malcolm X bis hin zu den Black Panthers.



(Frankreich, 2008, 70mn)
ARTE F
Regie: Catherine Arnaud

14.06.08

Er wollte kein Sklave sein

Der US-amerikanische Boxer Jack Johnson war der erste schwarze Weltmeister in der Königsklasse "Schwergewicht". Sein Aufstieg zu Beginn des 20. Jahrhunderts spaltete das weiße Amerika. Er führte zu hitzigen Debatten über die vermeintliche Überlegenheit der so genannten weißen Rasse und zu gewalttätigen Krawallen. Obwohl Jack Johnson immer ein Einzelgänger war, der sich nie aktiv am Kampf gegen Rassismus beteiligte, wurde er sein Leben lang zum Kristallisationsobjekt rassistischer Spannungen. Die abenteuerliche Biografie des Ausnahmeathleten Jack Johnson bietet einen Einblick in das weniger bekannte Amerika.

Jack Johnson wurde 1878 in Texas geboren und begann schon sehr früh mit dem Boxen. Zu dieser Zeit war der Boxsport in den USA neu und in einigen Staaten sogar verboten. Dennoch wurde Boxen rasch populär. Das Publikum strömte zu den Kämpfen, und in den Hallen ging es heiß her. Johnson, der Sohn ehemaliger Sklaven, machte eine steile Karriere als Boxer. Doch weil er schwarz war, war es ihm verboten, den amtierenden Weltmeister im Schwergewicht herauszufordern. Der Weltmeistertitel blieb Weißen vorbehalten, doch Johnson ließ nicht locker.
Seine Hartnäckigkeit wurde schließlich belohnt. Es kam zum Kampf um den Weltmeistertitel im Schwergewicht, und Johnson gewann. Das weiße Amerika schrie nach Revanche und hoffte auf ein "großes weißes Boxtalent" wie auf die Ankunft des Messias. Die Situation spitzte sich zu. Es kam zu Rassenkrawallen, die landesweit Tote forderten, besonders unter der schwarzen Bevölkerung. Johnson, der Weltmeister im Schwergewicht, geriet in eine paradoxe Situation: Einerseits jubelten ihm die Massen zu, die Medien hofierten ihn, und seine sportlichen Leistungen wurden uneingeschränkt anerkannt, andererseits bezeichnete man ihn als Monster, in dem das konservative Amerika eine Bedrohung sah. Dabei machte sich Johnson nie zum Sprachrohr seiner schwarzen Brüder und Schwestern. Er hielt sich zeitlebens von der Politik fern.
Sein turbulentes Privatleben hingegen bot reichlich Stoff für die Klatschpresse. Als er wegen seiner provokativ zur Schau gestellten Beziehungen zu weißen Frauen angeklagt wurde, floh Johnson für einige Jahre nach Europa. 1915 verlor er seinen Weltmeistertitel in Kuba an Jess Willard. Nach dieser Niederlage kehrte er in die USA zurück, stellte sich den Behörden, verbüßte seine Haftstrafe und meldete sich gegen Ende des Ersten Weltkrieges freiwillig zur Armee.

ZUSATZINFORMATION
Der Dokumentarfilm offenbart in zahlreichen Archivdokumenten aus Wochenschauen, Fotografien und Presseartikeln die weniger bekannten Seiten Amerikas zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Experten kommentieren die gesellschaftspolitische und sportliche Bedeutung des Boxerlebens von Jack Johnson.


16.04.08

Das abenteuerliche Leben des Jack London

Der Schriftsteller Jack London (1876-1916), berühmt unter anderem durch seine Romane "Der Seewolf", "Ruf der Wildnis" und "Lockruf des Goldes" bezog den Stoff für seine Werke vor allem aus seinem eigenen abenteuerlichen Leben. Die Dokumentation folgt den Spuren des Abenteurers Jack London und beschreibt die Lebensumstände zu einer Zeit, als sich die USA in einer schweren wirtschaftlichen und sozialen Krise befanden.

Jack London, am 12. Januar 1876 in San Francisco geboren, war nicht nur Schriftsteller. Er versuchte sich als Goldsucher in Alaska, Austernräuber in der Oakland Bay, Schiffsjunge auf einem Robbenschoner, Eisenbahner quer durch die USA, Arbeiter in einer Jutefabrik und einer Wäscherei, Journalist und Viehzüchter. Und dabei war er immer auf der Jagd nach Leben, Ruhm und Inspiration. Sein Leben, das nur 40 Jahre währte, glich einem wilden Galopp. Und es lieferte ihm den Stoff für sein umfangreiches literarisches Werk.
Zwischen 1900 und 1916 verfasste Jack London mehr als 50 Bücher - darunter "Frisco Kid" (1902), "Ruf der Wildnis" (1903), "Der Seewolf" (1904) und "Lockruf des Goldes" (1910) -, Hunderte Kurzgeschichten und zahllose Zeitungsartikel.
Die Dokumentation ist das Porträt eines Mannes, der auf der Suche nach seiner Identität die verschiedenen Facetten des amerikanischen Traums selbst gelebt hat. Sie berichtet gleichzeitig von einer Epoche, in der Amerika eine schwere Krise durchlebte, von einer Zeit der lebendigen, von sozialer Ungleichheit geprägten Großstädte und von der Notwendigkeit, sein Überleben selbst zu sichern.




13.03.08

Ken Burns - “The War“ Preview

„Es gibt keine guten Kriege. Aber manche Kriege sind notwendig. Sie könnten wohl auch als gerechte Kriege bezeichnet werden. Dass dieser Krieg notwendig war, habe ich nie in Frage gestellt und tue es auch heute nicht. Er musste einfach geführt werden“, so Sam Hynes aus Minnesota.

Ken Burns ist einer der großen Regisseure des epischen Genres, und zwar im Brechtschen Sinne. Blitzartig wechselt er von der Einzahl zur Mehrzahl, vom Besonderen zum Allgemeinen, vom Einzelnen zum Kollektiv, vom Brief zum Archivbild oder zum Artikel eines Kriegskorrespondenten oder Provinzreporters, von der Front ins Hinterland.
Von vier Städten und einigen Duzend von Einzelschicksalen ausgehend, gibt Burns Einblicke in einen Krieg, den wir in- und auswendig zu kennen glaubten. „The war“ überrascht und wühlt auf, genau wie schon „The Civil War“. Sprachlos und erschüttert bleibt man zurück und weiß, dass „The war“ fortan Teil unseres Lebens sein wird. Für immer.

04.03.08

Sitting Bulls letzte Schlacht

Dramatische Dokumentation über das «Massaker» am Little Big Horn: Ein tragisches Ereignis, das bis heute für Propagandazwecke missbraucht wird.
Das legendenumwobene «Massaker» am Little Big Horn gilt als berühmteste Schlacht der amerikanischen Geschichte. 1876 töteten die Krieger Sitting Bulls 260 Soldaten der 7. Kavallerie unter General George A. Custer. Für die Bleichgesichter war es der Beginn einer unendlichen Märtyrer-Saga, die alleine von Hollywood über 50mal verklärt wurde. Für die Rothäute aber markiert ihr triumphaler Sieg gleichzeitig das endgültige Ende ihrer Nomadenkultur. Kaum ein Amerikaner weiss, dass in Custers Regiment 107 deutsche Rekruten dienten, von denen 31 ihr Leben für die neue Heimat opferten. Warum ist das verhältnismässig unbedeutende Scharmützel so berühmt? Wie konnte es im 100. Geburtsjahr der Vereinigten Staaten zu so einer demütigenden Niederlage kommen?

Erzählt werden Hintergründe und Ablauf des gnadenlosen Kampfes von dem Deutschen Karl Windolph, der dem preussischen Militärdienst entfliehen wollte und in der Neuen Welt plötzlich gegen «schreckliche Wilde» kämpfen musste. Der Sioux Wooden Leg, dessen Urgrossvater an der Schlacht teilnahm, beschreibt das dramatische Ereignis aus Sicht der Ureinwohner Amerikas. Archäologen untersuchen systematisch das Schlachtfeld und berichtigen so manche Legende, indem sie die Kampfhandlungen anhand zahlreicher Funde exakt rekonstruieren.