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10.06.09

Sonderbriefmarke "2.000 Jahre Varusschlacht" präsentiert

Zum 2.000-jährigen Jubiläum der Varusschlacht ist seit Donnerstag eine Sonderbriefmarke erhältlich. Die Briefmarke "2.000 Jahre Varusschlacht" wird im Rahmen der Sonderausstellung "Imperium" in Haltern am See präsentiert.



Auf der 55-Cent-Marke sind drei Köpfe zu sehen: Das Bildnis des römischen Kaisers Augustus, die Maske eines römischen Reiters und der Kopf des Hermannsdenkmals. Bei der Varusschlacht wurden drei römische Legionen mit 20.000 Mann vom germanischen Heer unter Fürst Hermann geschlagen.

Quelle: wdr.de

17.04.09

Die Legionen des Varus sind da

15.000 Mini-Römer ziehen ins LWL-Römermuseum ein

Im LWL-Römermuseum in Haltern am See ziehen zur Zeit die letzten von über 15.000 Mini-Römern ein. Die knapp sieben Zentimeter hohen Spielzeugfiguren zeigen wäh-rend der Ausstellung "Imperium" (16.5.-11.10.) die drei Legionen des Varus auf ihrem Marsch ins Verderben. Das Heer der kleinen römischen Soldaten ist erstmals komplett im Rahmen einer Ausstellung zu sehen.


"Mit den Spielzeuglegionären wollen wir die gewaltige Armee, die Varus vor 2000 Jahren unwissentlich in den Untergang geführt hat, einmal anders darstellen", sagte Museumsleiter Dr. Rudolf Aßkamp. Der Zug, der sich damals über mehrere Kilometer erstreckte, wird nun auf einer Länge von etwa 220 Metern im LWL-Römermuseum repräsentiert. Die Mini-Soldaten sind Figuren der Flash-Filmproduktionsfirma Armin Maiwald, die mit den Legionären im Jahr 2005 die Varusschlacht in der "Sendung mit der Maus" inszenierte.

"Ihre Marschordnung halten die kleinen Legionäre bei uns aber nicht immer alle ein", verriet Renate Wiechers, Museumspädagogin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Denn acht Legionäre setzen sich hin und wieder ab. Schüler der Klassen drei bis fünf gehen dann während der Führung "Legionäre verschwunden" auf die Suche nach den Ausreißern. Dabei lernen sie den Ausstellungsteil im Römermuseum des Landschaftsverbandes genau kennen. Das museumspädagogische Angebot ist Teil eines umfangreichen Führungsprogramms zur Ausstellung "Imperium". Neben den Angeboten für Schüler von der dritten bis zur 13. Klasse gibt es auch thematische Führungen für Erwachsene, in denen zum Beispiel Augustus' Enkelin Julia oder der römische Legionär Fenestela aus ihrer Zeit berichten. Bisher sind bereits mehr als 700 Führungen gebucht.

Die Ausstellung "Imperium" ist Teil des Ausstellungsprojektes "Imperium Konflikt Mythos. 2000 Jahre Varusschlacht". Im LWL-Römermuseum und in der Halterner Seestadthalle wird vom 16. Mai an der Aufstieg Roms zur Weltmacht gezeigt. Außerdem beleuchtet die Ausstellung die politischen Leistungen des Augustus und die Blüte der Kunst und Kultur während des "Goldenen Zeitalters". Der Verlierer der Schlacht, Publius Quinctilius Varus, rückt dabei in ein anderes Licht, sein Lebensweg und die Schauplätze seines Wirkens werden nachgezeichnet.

Quelle: archaeologie-online.de

09.03.09

Der Kampf um den deutschen Urmythos Varusschlacht

Im Jahr 2009 jährt sich Varusschlacht, der Sieg des Cheruskers Arminius über die Legionen des Römers Varus, zum 2000. Mal. Über die Jahrhunderte beschäftigt die Varusschlacht die Deutschen als eine Art Urmythos. Und zeigt, dass in Teilen unseres Landes der einstige römische Besatzer bis heute fortwirkt. Das eigens errichtete Hermannsdenkmal wurde auch als Symbol der deutschen Einheit in Hinblick auf die deutsch-französische Erbfeindschaft gebaut (Einweihung 1875). Die Varusschlacht, die nun ihr großes Jubiläum feiert und, obwohl antikes Ereignis, von den Deutschen längst als Teil ihrer Geschichte adoptiert und durch den Umgang mit ihr auch geworden ist, wirft ihre Bücher voraus. „Metropolis“ geht dem Mythos Hermannsschlacht nach und stellt einige neu erscheinende Bücher zum Thema vor.

03.01.09

Varusschlacht: Marsch ins Verderben (5v5)

Durch 15 Durchlässe im Wall stürmen seine Krieger hinunter in die Senke. Aber selbst nach drei Tagen fast pausenlosen Kämpfens sind die Legionäre noch mutig und diszipliniert. Endlich zeigt sich der Gegner, weicht nicht mehr aus, sondern bietet die Möglichkeit zum Gegenschlag. Tief gestaffelt, Schild an Schild, treiben die Römer die Germanen zurück zu deren Verschanzung. Sie attackieren den Wall, überrennen ihn, Teile der improvisierten Konstruktion brechen unter dem Gewicht der kämpfenden Männer zusammen.

Die römischen Soldaten sind geschwächt

Doch die Rebellen tatsächlich zu schlagen, dazu reicht die Kraft der Römer nicht mehr aus. Sobald sich die Legionäre zurückziehen, greifen die Germanen erneut an. Varus, umzingelt von den cheruskischen Angreifern, bereits verwundet und gewiss, seine Legionen ins Verderben geführt zu haben, wählt, getreu der römischen Tradition, den Freitod. Er kniet nieder und stürzt sich in sein Schwert. Die Truppenführer folgen seinem Beispiel. Nach dem Selbstmord des Varus zerbricht die militärische Ordnung vollends. Viele Legionäre stürzen sich wie ihr Kommandeur in ihre Schwerter, andere werfen die Waffen weg und lassen sich niederhauen oder gefangen nehmen. Die letzten, erbittertsten Kämpfe entbrennen um die Feldzeichen. Ein Adler nach dem anderen sinkt zu Boden, jubelnd erbeutet von den Germanen.

Die Germanen plündern die Besiegten

Überall auf dem Schlachtfeld werden die Leichen gefleddert. Die Sieger reißen die Waffen von den Gürteln, ziehen den Toten die Rüstungen aus, die Helme vom Kopf. Sehr begehrt sind die silbernen oder vergoldeten Gesichtsmasken der römischen Reiter, die Äxte der Pioniere, die Lote und Senkbleie zum Vermessen, die Knochenheber, Scheren der Ärzte. Pferdegeschirre werden aufgehoben, Sättel und Zaumzeug, selbst die Radnaben von zerbrochenen Wagen abmontiert. Zerwühlt wird das Gepäck, durchsucht nach Münzen und Schmuck. Zu den plündernden Kriegern gesellen sich die Bewohner der umliegenden Dörfer. Jeder Handwerker sucht Metall. Schon eine einzige römische Sandale enthält Dutzende eiserner Nägel. Aus Eisen sind auch die Schildbuckel und Gürtelbeschläge, die Scharniere der Panzer und die Halsglocken der Maultiere.

Auf Arminius' Befehl tragen Boten das Haupt des Varus zu Marbod. Ihn, den König der Markomannen, sein großes Vorbild, will der Cheruskerfürst für ein Bündnis gewinnen. Doch der Herrscher denkt nicht daran, das Imperium zu provozieren. Pietätvoll sendet er den Kopf weiter nach Rom. Am Ort des Sieges zelebrieren die Germanen ihren Dank an die Götter. Auf rasch errichteten Altären opfern sie die gefangenen römischen Offiziere. Gut möglich, dass sie ihnen - wie einst bei den Kimbern und Teutonen üblich - die Kehlen durchschneiden und das Blut in Behältern auffangen. Je nachdem, welcher Gottheit ihr Opfer gilt, wählen sie für die anderen Gefangenen unterschiedliche Todesarten: den Galgen für all jene, die man den Himmlischen weiht, Martergruben für die den Erdgottheiten Bestimmten. Die Schädel der Toten befestigen die Krieger an den Bäumen - so beschreibt es Tacitus.

"Varus, gib mir meine Legionen wieder!"

Im fernen Rom kann Kaiser Augustus das Geschehene nicht fassen. "Varus, gib mir meine Legionen wieder!", ruft er gemäß seinem Biografen Sueton aus, als er die Nachricht von der Niederlage erhält. Die Schlacht wird als eine der größten militärischen Katastrophen in der Geschichte des Imperiums in die Werke römischer Literaten und Historiker eingehen.

Das Land zwischen Weser und Rhein geht dem Imperium nach der Schlacht fast vollständig verloren. Alle Kastelle und Stützpunkte werden von den Germanen zerstört. Die Sorge der Römer, Arminius könnte über den Rhein vordringen, die nur schwach besetzten Legionslager erobern und den Aufstand bis nach Gallien tragen, erfüllt sich indes nicht. Erst unter Germanicus, dem Neffen des Tiberius, beginnen im Jahr 15 n. Chr. groß angelegte Offensiven, bei denen römische Truppen bis ins Zentrum des Widerstands vordringen: ins Land der Cherusker an der Weser.

Rom zieht sich endgültig zurück

Doch die Verluste der Römer sind so hoch, dass Tiberius - seit 14 n. Chr. Kaiser in Rom - seinem Statthalter befiehlt, alle Operationen in Germanien abzubrechen und sich endgültig hinter die Rheinlinie zurückzuziehen.

Und doch: Nur fünf Jahre nach dem Abzug der Römer trifft ein, was Tiberius bereits lange zuvor prophezeit hat: Wenn man die Germanen sich selbst überlasse, erledige sich das Problem von selbst. Ohne den gemeinsamen Feind versinkt das Land in den alten Zustand dauernder Fehden, innerhalb der Stämme ebenso wie zwischen ihnen. Trotz seiner Erfolge verweigern die Cherusker Arminius die Königswürde. In der Adelsgesellschaft der Gleichen will man keinen, der an Einfluss und Macht die anderen überragt. Und da sie seinen Ehrgeiz fürchten, töten ihn im Jahr 21 n. Chr. die eigenen Verwandten. Hinterrücks.

Quelle: Geo.de / Text von Ralf-Peter Märtin

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www.kalkriese-varusschlacht.de
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01.01.09

Varusschlacht: Marsch ins Verderben (4v5)

Am schwersten trifft es die Legionäre in den Wäldern, wo sie "auf engem Raum zusammengepresst, damit Reiter und Fußvolk gemeinsam dem Feind entgegenstürmen könnten, vielfach aufeinander oder gegen die Bäume stießen". Doch nicht der Wald ist fatal für die Römer - sondern die Kampfkunst des Cheruskerfürsten.

Arminus kennt die Strategie seiner Feinde

Als Begleiter und Beobachter römischer Feldzüge hat Arminius gelernt, die Legionen niemals frontal anzugreifen, eine offene Feldschlacht zu vermeiden. Seine Taktik besteht darin, die Römer durch einen Geschosshagel zu Vorstößen zu reizen, sie dann ins Leere laufen zu lassen und schließlich in ihrer ungeschützten Flanke anzugreifen. Sich zu formieren, Schild an Schild zu schließen, kostet Kraft. Den Angriff immer wieder gegen einen Gegner vorzutragen, der einfach wegläuft, sich entzieht - das erschöpft und macht mutlos. Beständig mit Geschossen eingedeckt zu werden, ohne den Feind fassen zu können, zerrt an den Nerven. Alles zusammen zerrüttet die Kampfmoral.

Inzwischen haben die benachbarten Stämme der Cherusker - Brukterer, Marser und Chatten - durch Boten des Arminius von der Not des römischen Heeres erfahren. Die Aussicht auf Beute lässt immer mehr Krieger herbeieilen, die sich Arminius anschließen. Ein Sieg über drei Legionen würde ungeahnte Reichtümer einbringen: Pferde, Maultiere, unzählige Sklaven, dazu Luxuswaren wie Stoffe, Schmuck, Wein, Glasgefäße, Tafelgeschirr. Vor allem aber haben es die germanischen Krieger auf Waffen abgesehen. Zehntausend römische Schwerter, dazu Rüstungen und Helme. Sie selbst kämpfen - anders als die von den Römern ausgerüsteten Hilfstruppen des Arminius - meist mit der frame, einem oft mit einer eisernen Spitze versehenen Holzspeer.

Im Nahkampf hätten die Cherusker keine Chance

Nur Adelige und deren Gefolgsmänner besitzen ein Schwert. Im Nahkampf haben aber auch sie kaum eine Chance gegen die römischen Soldaten, da weder Panzer noch Helme ihre Körper schützen. Dafür sind sie flinker als ihre Feinde: Die Legionäre tragen zehn Kilogramm Eisen am Leib. Immer wieder attackieren die Truppen des Arminius die Legionäre - unterstützt von den leicht bewaffneten germanischen Verbündeten. Am Abend wird die Kraft der Römer gerade noch ausreichen, um ein notdürftiges Lager aufzuschlagen. Mehr als 20 Kilometer weiter nach Westen sind sie nicht gekommen.

Am dritten Tag peitscht starker Regen. Wind frischt auf, wird im Verlauf des Tages zum Sturm. Verbissen kämpfen sich die römischen Verbände weiter voran. Endlich scheint sich vor den Römern die Landschaft zu öffnen. Aber was von ferne wie eine weite Ebene wirkt, ist ein Moor - unpassierbar für die Soldaten. Zwischen dem Sumpf und den Ausläufern des Wiehengebirges verläuft der Weg in einer lang gezogenen Senke. Kaum einen Kilometer breit ist sie und so feucht, dass zum Marschieren nur ein rund 200 Meter breiter, trockener Streifen direkt am Rande des bewaldeten Berges bleibt; an seiner schmalsten Stelle engt er sich gar auf gerade mal 100 Meter ein. Ein Umgehen oder Ausweichen ist unmöglich. Als die römischen Truppen in den Engpass einschwenken, spielt es schon keine Rolle mehr, was ihre Späher melden, es gibt kein Zurück.

Eine unausweichliche Falle

Am Waldrand, an der engsten Stelle zwischen Berg und Niederung, haben die Kundschafter einen von Germanen besetzten Wall parallel zum Weg entdeckt: ein Erdwerk aus Sand und Grassoden mit vorspringenden Bastionen, etwa 400 Meter lang, zwei Meter hoch und teilweise mit einer Brustwehr versehen. Der Cheruskerfürst, der weiß, dass die Römer nur hier passieren können, hat an dieser Stelle einen Hinterhalt geplant. Binnen weniger Tage haben seine Soldaten den Wall errichtet. Und jetzt erst, nachdem in den Gefechten der vorangegangenen zwei Tage bereits zahllose Römer gefallen und die noch lebenden Legionäre vom ewigen Kämpfen erschöpft sind, stellt sich Arminius den Legionen zur Schlacht.

Quelle: Geo.de / Text von Ralf-Peter Märtin

31.12.08

Varusschlacht: Marsch ins Verderben (3v5)

Arminius muss nicht weit reiten, um die Cherusker zu sammeln - sie warten bereits auf seinen Einsatzbefehl. In den Wäldern verborgene Späher beobachten das Varusheer und berichten ihm über dessen Vormarsch. Der Cherusker kennt sowohl die Route als auch die feindlichen Truppen. Wo immer er den Zug der Zehntausend angreifen lässt, wird er taktisch überlegen sein. Dann gibt er das Signal zum Angriff.

Der Angriff trifft die Römer unvorbereitet

Die Reiter, die wahrscheinlich schon am ersten Marschtag den Legionären entgegengaloppieren, erschrecken die Römer zunächst nicht. An den Helmen und Waffen erkennen sie ihre germanischen Hilfstruppen: Die von Arminius versprochene Hilfe trifft ein. Doch weshalb formieren sich die Männer plötzlich und heben die gut zwei Meter langen Lanzen? Aus kurzer Entfernung fliegen die tödlichen Geschosse gegen die völlig überraschten Römer. Legionäre brechen zusammen, Zugtiere werden getroffen, Wagen stürzen um, Sklaven und Trossknechte suchen vermutlich Deckung hinter Bäumen.

Die Legionäre trifft der Angriff vollkommen unvorbereitet - ihre Schilde liegen wahrscheinlich auf den Trosswagen und können so rasch nicht herbeigeschafft werden. Nur die Helme, die jeder vor die Brust geschnallt trägt, sind rasch aufgesetzt und schützen den Kopf.

Die Zenturionen werden rasch die Abwehr organisiert haben. Gruppe für Gruppe formiert sich, bildet Gefechtslinien an den Flanken des Trosses, legt die Verwundeten auf die Wagen und schützt sich mit den endlich herangeschafften Schilden. Diese rechteckigen Panzer - 1,30 Meter hoch, sechs Kilo schwer, aus mehreren verleimten Holzschichten, Leder und einem Metallbuckel hergestellt - bilden eine Mauer der Abwehr, die erst einmal hält. Irgendwann an diesem Tag ziehen sich die Germanen zurück: vermutlich, weil sie den Nahkampf gegen die Römer scheuen. Bald darauf gelingt es den römischen Truppen, ein Lager aufzuschlagen, ungefähr 20 Kilometer westlich der Weser. Es sei für drei Legionen angelegt gewesen, berichtet Tacitus, mithin können die Verluste an diesem Tag nicht allzu groß gewesen sein.

Abends bauen die Soldaten ein Lager

Das Marschlager für die Nacht wird strikt nach Vorschrift errichtet: ein drei Meter tiefer Graben, dessen Aushub den Wall bildet, darauf werden die auf den Maultieren mitgeführten zwei Meter hohen Palisaden gesteckt. Den raschen und präzisen Bau üben die Legionäre im Frieden. Errichtet man ein Lager im Krieg, sichern mehrere Einheiten das Terrain, damit die anderen in Ruhe arbeiten können. Arminius kennt den Ablauf - und spart sich einen Angriff, der doch nichts ausrichten würde.

Kampfbereit verlässt Varus am nächsten Morgen das Lager. Die Legionen nehmen die im Krieg vorgeschriebene Marschordnung ein: Reiter zur Aufklärung an der Spitze, dahinter die beste Legion, um den Weg freizukämpfen, in der Mitte und rechts und links von Soldaten flankiert der Tross, dahinter die übrigen Truppen. Eine Formation, in der sich die Legionen seit Jahrzehnten durch Germanien bewegen. Und doch erleiden die Römer am jetzt beginnenden zweiten Kampftag "blutige Verluste" - so zumindest heißt es bei Cassius Dio, jenem römischen Geschichtsschreiber, der am ausführlichsten über die Katastrophe in Germanien berichtet (allerdings erst 200 Jahre später).

Quelle: Geo.de / Text von Ralf-Peter Märtin

29.12.08

Varusschlacht: Marsch ins Verderben (2v5)

Varus kann nicht glauben, was ihm Segestes, ein Parteigänger Roms, erzählt. Eine Verschwörung gegen ihn, gegen Rom? Arminius - ein Verräter? Der 25-jährige Cherusker hat sich wie kein anderer Germane auf Feldzügen des Imperiums ausgezeichnet. Er hat nicht nur wie Segestes das römische Bürgerrecht, sondern ist von Kaiser Augustus sogar zum Ritter erklärt worden; dem zweithöchsten gesellschaftlichen Stand des 50-Millionen-Reiches gehören gerade einmal 20 000 Menschen an. Varus vermutet eine Intrige. Er weist Segestes zurück - ein tödlicher Fehler.

Doch Varus' Zweifel sind verständlich: Schließlich ist Arminius der Befehlshaber der cheruskischen Hilfstruppen, schon als 23-Jähriger ist er mit dem Offiziersrang ausgezeichnet worden. Wohl kein Germane ist in dieser Zeit im römischen Heer höher aufgestiegen. Ausgerechnet Arminius, durch seine Vergangenheit und Karriere dazu prädestiniert, sich den Parteigängern Roms anzuschließen, der größte Gewinner der Umbrüche in Germanien, der Mann, den Augustus vor allen anderen Fürsten ausgezeichnet hat, sollte sich auf die Seite der Gegner Roms geschlagen haben?

Warum wird Arminius zum Verräter?

Über Arminius' Motive können wir nur spekulieren. Will er ein eigenes Reich, wie Marbod? Fühlt er sich von Varus im Kampf gegen rivalisierende Cheruskerfürsten im Stich gelassen? Fakt ist: Zwischen dem Jahr 8 n. Chr. und dem Hersbst des Jahres 9 n. Chr. kündigt Arminius Rom innerlich die Gefolgschaft auf.

Dabei aber geht er raffinierter vor als alle, die sich vor ihm gegen die Römer aufgelehnt haben. Statt offen den Aufstand auszurufen und damit den Legionen Gelegenheit zu geben, sich vorzubereiten, plant der Cherusker kühl den Verrat und weiht nur jene ein, auf die er sich verlassen kann und die sich dem Heer des Varus unverdächtig nähern können: die germanischen Hilfstruppen. Nichts dringt über seine Pläne nach außen. Und deshalb schenkt Varus der Warnung des Segestes keinen Glauben.

Der römische Heereszug, der am Morgen darauf in Richung Rhein aufbricht, ist mehr als zehn Kilometer lang. Hinter jeder Legion rumpeln ihre Gepäckwagen und treiben Knechte die Maultiere voran. Beim Tross laufen auch die Händler und Sklaven mit. Einige Einheiten der Hilfstruppen, die ebenfalls am Rhein ihre Lager haben, marschieren an der Spitze, darunter eine Abteilung Bogenschützen, die über die Feuchtigkeit in Germanien klagt, da die ihre aus mehreren Schichten Holz verleimten Bogen unbrauchbar mache.

Nach freundlichem Abschied ist Arminius aufgebrochen, um angeblich so bald wie möglich mit seinen zurückgerufenen cheruskischen Hilfstruppen zu Varus zu stoßen. Da sich der Statthalter im Gebiet befreundeter Stämme glaubt, lässt er seine Legionen ohne Flankensicherung marschieren.

Aufbruch ins Verderben

Wie ihm Arminius am Abschiedsabend geraten hat, schlägt Varus jene Route ein, die ihn von der Weser am Rand des Wiehengebirges entlang nach Westen führt. Ein Karrenweg mit mehreren parallel laufenden Spuren, je nach Gelände mal breiter, mal schmaler. Der Weg verläuft ohne größere Steigungen - eben deshalb wird er seit Urzeiten als leicht zu begehende Trasse genutzt. Heide, Äcker, Weiden wechseln ab mit waldigen Abschnitten. Meist sind es Eichen oder Buchen, unter deren dichten Kronen kaum Unterholz wächst. In den Bachtälern dagegen, in denen bei Bedarf von den römischen Pionieren Bohlen verlegt werden, um den Marsch des Heeres nicht stocken zu lassen, ist die Vegetation aus Erlen, Birken und Weiden abseits der Strecke fast undurchdringlich.

Quelle: Geo.de / Text von Ralf-Peter Märtin

27.12.08

Varusschlacht: Marsch ins Verderben (1v5)

Um die Zeitenwende dringen die Soldaten Roms in die Germanengebiete östlich des Rheins vor. Doch im Jahr 9 n. Chr. stellt Arminius, der Anführer der cheruskischen Hilfstruppen, den römischen Legionen eine tödliche Falle

Der Tross ist gefährlich schwer beladen, aber Varus hat sich ja auch nicht auf einen Feldzug gemacht, sondern auf eine Inspektionsreise durch die nördlichste Provinz des Imperium Romanum. Sein Ziel ist die Weser. Er wird dort bei Freunden sein, bei dem Germanenstamm der Cherusker. Gleichwohl verfolgt er auch eine strategische Absicht: Er will Stärke zeigen. Denn vermutlich fürchtet er, dass Marbod - einer der letzten unabhängigen Germanenherrscher - von Osten aus die von den Römern unterworfenen Gebiete östlich des Rheins angreifen könnte.



Ein Lager auf unsicherem Terrain

Nach etwa zehn Tagesmärschen befiehlt Varus seinen Männern, ein Lager zu errichten. Sie stehen jetzt kurz vor oder direkt an der Weser. Binnen Kurzem erbauen die 10000 Soldaten eine Stadt, größer als jede germanische Siedlung östlich des Rheins. Denn obwohl die drei Legionen nicht in voller Kampfstärke angetreten sind - einige Einheiten sind am Rhein zurückgeblieben oder wurden zur Sicherung von Straßen in andere Gegenden Germaniens kommandiert -, ist dies eine gewaltige Menschenmenge in einem Land, dessen Dörfer kaum mehr als 200 Einwohner haben. Das Schauspiel der Macht wirkt: Marbods Männer wagen sich nicht vor, kein Scharmützel stört das Leben in der Lagerstadt.

Mehrere Monate lang spricht Varus von hier aus Recht, vermittelt zwischen den umliegenden Stämmen, ehrt besonders romtreue Stammesfürsten mit Einladungen. Und er zieht Abgaben ein: wahrscheinlich Pelze und Tierhäute, vielleicht auch Vieh und Getreide. Schließlich, im September, befiehlt der Statthalter Roms, die Zelte wieder abzubrechen. Ehe der Herbst einsetzt, will er zurück sein in den Winterquartieren der Legionen am Rhein. Auch fast alle germanischen Hilfstruppen schickt er zurück in ihre Heimat. Hunderte Cherusker verlassen mit ihren Waffen das Lager und reiten in ihre Dörfer

hr Anführer aber bleibt zurück: ein Fürst namens Arminius. Die römischen Soldaten sind noch mit den Vorbereitungen für den Abmarsch beschäftigt, als sich Arminius bei Varus melden lässt: Etwas weiter nordwestlich, nicht allzu weit vom Lager entfernt, hätten sich mehrere kleinere Stämme gegen Rom erhoben. Arminius schlägt dem Statthalter vor, die Rebellion auf dem Rückmarsch zum Rhein niederzuwerfen, wobei schon das Erscheinen der schwer bewaffneten Legionen den Sieg garantieren dürfte. Kein Risiko also.

Ein verräterischer Rat

Arminius, seit einem halben Jahrzehnt in römischen Diensten und als Offizier bewährt, schlägt eine Route vor, die Roms Legionäre von ihren Zügen durch das Germanenland bereits kennen: eine alte Handelsverbindung. Sie führt von der Weser am nördlichen Rand des Wiehengebirges entlang in die Gegend um das heutige Osnabrück und dann an den Niederrhein. Zudem versichert Arminius seinem Befehlshaber, dass er die bereits von dannen gezogenen cheruskischen Reiter ohne Probleme wieder zusammenrufen könne: Noch ehe Varus das Gebiet der Rebellen erreiche, werde er mit seinen Männern wieder dazustoßen. Der Römer willigt ein. Am Abend gibt Varus ein Abschiedsmahl. Geladen sind einheimische Fürsten, die er zuvor reich beschenkt hat.

Einer der Gäste, der Cheruskerfürst Segestes, nimmt den Statthalter plötzlich beiseite. Unter vier Augen berichtet er ihm von einer Verschwörung: Arminius plane, das römische Heer zu vernichten. Es gebe gar keine Rebellion in Germanien; vielmehr hätten die von Arminius angeführten Hilfstruppen beschlossen, abtrünnig zu werden.

Quelle: Geo.de / Text von Ralf-Peter Märtin