Auf dem Meeresgrund vor der griechischen Halbinsel Peleponnes liegen die Überreste von Pavlopetri, die schon seit Jahrzehnten als älteste versunkene Stadt der Welt gilt. Doch ihre Anfänge liegen nicht in der Bronzezeit, wie Archäologen bisher annahmen, sondern schon in der späten Steinzeit. Das beweisen Keramikstücke, die Archäologen nun auf dem Gebiet fanden und die zwischen 5000 und 6000 Jahre alt sind.
Pavlopetri war einst 100 000 Quadratmeter groß, etwa die Hälfte der Fläche haben Nic Flemming vom National Oceanography Centre in Southampton und sein Team mittlerweile kartiert. Da viele Straßen und Häuser noch immer erkennbar sind, konnte sie den Plan der Hafenstadt fast vollständig rekonstruieren. Ganz in der Nähe machten die Forscher außerdem Schiffwracks und ihre verlorene Ladung aus. Demnächst wollen sie die Funde weiter untersuchen, um mehr über die Anfänge des Seehandels am Mittelmeer zu erfahren.
Flemming hatte Pavlopetri 1967 entdeckt, die Überreste wurden zunächst auf ein Alter von 4000 Jahren geschätzt. Die Stadt existierte noch bis etwa 1000 v. Chr., warum sie danach im Meer versank, ist unklar. Laut Geologen könnte ihr Untergang mit einem Anstieg des Meeresspiegels oder einem Erdbeben zusammenhängen.
National Oceanography Centre
Quelle: spektrumdirekt.de
28.10.09
Unterwasser-Stadt ist fast 6000 Jahre alt
26.10.09
Gladiatoren gesucht
Regensburger Althistoriker starten experimentelles Projekt zu Ernährung und Training römischer Gladiatoren
Unter den Studenten der Uni Regensburg werden noch Freiwillige gesucht, die bereit sind sich einem intensiven Training zu unterziehen und einen strikten Ernährungsplan einzuhalten.
Mit dem originalgetreuen Nachbau einer antiken römischen Galeere und zwei Fußmärschen in Legionärsausrüstung - 2004 über die Alpen und 2008 an der Donau entlang von Carnuntum (Niederösterreich) nach Regensburg - konnten Historiker der Universität Regensburg schon bundesweit auf sich aufmerksam machen. Am Dienstag, den 20. Oktober 2009, fiel auf dem Regensburger Campus der Startschuss für ein weiteres Projekt aus dem Bereich der Experimentellen Archäologie. Organisiert wird es abermals von Mitarbeitern des Lehrstuhls für Alte Geschichte der Universität Regensburg. Im Rahmen des Forschungszentrums "Region im Umbruch" (RIU) nehmen die Organisatoren dabei ein weiteres bekanntes Thema der antiken Welt näher unter die Lupe: die Gladiatoren. Gleich zwanzig originalgetreu nachgebildete Gladiatorenausrüstungen wurden der Universität Regensburg in diesem Zusammenhang durch einen großzügigen Spender, den Unternehmer Hans Schaller aus Pfaffenhofen an der Ilm, überreicht.
Historischer Hintergrund:
Wie kaum ein anderes Thema der Altertumswissenschaften ist die Geschichte der römischen Gladiatoren mit Klischees behaftet, welche die historische Realität in vielerlei Hinsicht verfälschen. Zwar waren die munera, also die Veranstaltungen, in deren Rahmen Gladiatorenkämpfe ausgetragen wurden, eine Form der Massen-Unterhaltung. Oftmals wird aber außer Acht gelassen, dass diese Form des Spektakels auf religiösen Ritualen der Etrusker fußt, die ursprünglich außergewöhnliche Ehrerbietungen für Verstorbene darstellten. Zudem ist die Geschichte der Gladiatur mit einem außergewöhnlichen Prozess der Professionalisierung verbunden, der wiederum eng mit der politischen Entwicklung Roms zusammenhängt.
Die einstige Begräbnissitte wandelte sich erst im Laufe der Zeit zu einem Bestandteil der PR-Kampagnen römischer Staatsmänner wie Caesar. In der Kaiserzeit wurden Gladiatorenkämpfe dann in nahezu allen Teilen des expandierenden Imperium Romanum eingeführt. Gladiatorenkämpfe wurden zu einem festen Bestandteil der antiken römischen Zivilisation. Während zunächst Kriegsgefangene und Sklaven zu solchen Kämpfen gezwungen wurden, zog das Leben als Gladiator in der Folge auch Angehörige der römischen Oberschicht an. Etliche vornehme Römer gaben ihren sozialen Rang auf, um dem Kreis derjenigen anzugehören, die in den Arenen des Reiches die munera austrugen. Mit brutalen und ohne jegliche Regeln ausgefochtenen Kämpfen, wie es die modernen Medien unserer Zeit suggerieren, hatten die munera darüber hinaus nur selten etwas gemein.
Obwohl sie eigentlich auf der untersten sozialen Ebene angesiedelt waren, genossen die hervorragend ausgebildeten und medizinisch bestens versorgten Gladiatoren in der römischen Gesellschaft mitunter den Status von Idolen; durchaus vergleichbar mit modernen "Super-Stars". Verbunden mit der aufwendigen medizinischen Versorgung dieser "Super-Stars" war ein abgestimmter Ernährungsplan, der genauso wie die Behandlung der Gladiatoren streng wissenschaftlichen Kriterien folgte. Beides fand Eingang in die Ausbildung des antiken römischen Heeres und leistete so einen wichtigen Beitrag für die Entwicklung der Medizin des Abendlandes bis in die Frühe Neuzeit hinein.
Zielsetzung und Zeitplan des Projekts:
Genau diese wissenschaftlichen Entwicklungen werden im Zentrum des neuen Projekts der Regensburger Wissenschaftler stehen. Ausgehend von der Frage, ob es möglich ist, aus einem Menschen des 21. Jahrhunderts einen Gladiator nach antikem Vorbild zu machen, sollen diese medizinischen, ernährungswissenschaftlichen und sportwissenschaftlichen Aspekte vor dem Hintergrund antiker Quellen untersucht werden.
Nach der Übergabe der Gladiatorenausrüstungen durch den Unternehmer Hans Schaller wird es in den nächsten Wochen darum gehen, Probanden für das geplante Projekt zu finden. Gesucht werden männliche Studierende der Universität Regensburg zwischen 20 und 30 Jahren, die sich zunächst einem intensiven Kraft- und Bewegungstraining stellen müssen und im Umgang mit der schweren Ausrüstung geschult werden. Darüber hinaus wird auf der Grundlage antiker Quellen - allen voran den Ausführungen des antiken Arztes Galen - ein detaillierter Ernährungsplan aufgestellt, der den Probanden ein hohes Maß an Disziplin abverlangen wird. Zielpunkt des Projekts, dessen Ausgang zum jetzigen Zeitpunkt aufgrund der hohen Anforderungen an die Beteiligten völlig offen scheint, ist ein längerer Aufenthalt im Amphitheater in Carnuntum. In diesem Zusammenhang werden die Probanden einen Monat lang leben und trainieren wie antike Gladiatoren.
Das Projekt könnte neben einem tieferen Verständnis für die Lebensumstände der Gladiatoren auch weitere Erkenntnisse für die Ernährungswissenschaft, die Sportwissenschaft und die Sportmedizin liefern. Gerade deshalb werden die verschiedenen Phasen des Projekts auch von Mitarbeitern des Instituts für Sportwissenschaft der Universität Regensburg begleitet.
Quelle: archaeologie-online.de
Römermarsch: Leiden für die Wissenschaft
Römermarsch: Leiden für die Wissenschaft,Heldenhaft, todesmutig und vor allem sehr zäh - die Soldaten der alten Römer mussten ganz schön viel aushalten. Und der Respekt vor den Leistungen der Legionäre wächst noch mehr, wenn man für ein paar hundert Kilometer in ihre Rolle schlüpft.
Tags: Antike, Dokumentation, Forschung, Roemer, Waffen
11.06.09
Petition zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser
Deutschland hat UNESCO Konvention von 2001 bisher nicht ratifiziert
Eine Petition soll nun den Schutz des maritimen kulturellen Erbes auf der Tagesordnung der Politik weiter nach oben rücken.
Bereits 2001 hat die UNESCO eine Konvention beschlossen, durch die das Kulturerbe auf dem Grund des Meeres, von Seen und Flüssen vor Plünderung und Zerstörung geschützt werden soll. Nach der Ratifizierung durch 20 Staaten trat die Konvention Anfang des Jahres in Kraft. Deutschland allerdings ist nicht dabei - acht Jahre nach dem Beschluss hat Deutschland die Konvention noch immer nicht ratifiziert.
Die UNESCO-Konvention soll sicherstellen, dass es keine private und kommerzielle Ausbeutung von Unterwasserfundstellen gibt. Das vermindert das Interesse der Schatztaucher, da weltweit die Grauzonen verschwinden, in denen sie operieren können.
Durch den Artikel 11 der Konvention wird geregelt, daß Schiffskapitäne ihren Flaggenstaaten von unterwasserarchäologischen Aktivitäten berichten müssen. Das bedeutet in nationaler Konsequenz, dass kein Schiff unter deutscher Flagge irgendwo auf den Weltmeeren an illegalen Ausgrabungen teilnehmen darf. Dies ist ein wirksames Mittel im Kampf gegen Schatzsucher. Das ist durchaus einschlägig, denn man kann nicht die Augen davor verschließen, daß es etliche Unternehmen und Privatleute gibt, die von deutschen Schiffen aus an der Plünderung der Weltmeere teilnehmen.
Schon seit geraumer Zeit hat die Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie (DEGUWA)versucht, Politiker dazu zu bewegen, das Thema auf die politische Tagesordnung zu bringen - bislang allerdings ohne großen Erfolg. Nun will die DEGUWA eine Petition beim Bundestag einreichen mit dem Ziel, dass Deutschland als Kulturnation endlich seine Rolle zum Schutz des kulturellen Erbes in den Weltmeeren wahrnimmt.
Nachdem zunächst Unterschriften in fachwissenschaftlichen und Tauchsportkreisen gesammelt wurden, soll seit Anfang des Jahres eine breitere Öffentlichkeit für das Thema gewonnen werden. Bis Ende Juni hat man noch Gelegenheit, die Petition durch eine Unterschrift zu unterstützen. Unterschriftenmappen liegen in den unten angegebenen Institutionen* aus. Sie können auch die Unterschriftenmappe (PDF) herunterladen, ausdrucken und mit möglichst vielen Unterschriften rechtzeitig an die DEGUWA übergeben. Weitere Informationen erhalten Sie unter info(at)deguwa.org
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* Arbeitskreis Historischer Schiffbau, Deutsches Binnenschifffahrtsmuseum in Duisburg, Deutsches Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven, Institut für Altertumswissenschaften in Frankfurt, Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte Bremen, Institut für Ur- und Frühgeschichte in Kiel, Institut für Geschichtswissenschaften Berlin, Institut für Ur- und Frühgeschichte in Mainz, Institut für Ur- und Frühgeschichte in Greifswald, Römisch-Germanische Kommission in Frankfurt, Verband Deutscher Sporttaucher
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ExterneLinks und Dateien:
petition_kulturerbe-uw_unterschriftenmappe.pdf
Text der UNESCO Konvention
UNESCO-Video über die Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser
Hamburger Erklärung zum Schutze kulturellen Erbes unter Wasser
Die UNESCO und der ungleiche Kampf für den Schutz des Unterwasserkulturerbes. Artikel von Dr. Ulrike Koschtial (UNESCO), die für die Konvention veranwortlich zeichnet
Deutsche Gesellschaft zur Förderung der Unterwasserarchäologie
24.05.09
Mit Wasser und Feuer Keramik datieren
Britische Forscher haben eine neue Methode der Keramikdatierung vorgestellt
Wissenschaftler der Universitäten von Manchester und Edinburgh haben einen neue Methode entwickelt, um das Alter keramischer Artefakte direkt zu bestimmen. Mit Hilfe der sogenannten "Rehydroxylationsdatierung" soll Keramik mit einem Alter bis zu 2000 Jahre datiert werden können. Das Wissenschaftlerteam geht allerdings davon aus, dass die Methode bis zu 10.000 Jahre zurückreichen kann.
Keramik hat sich bisher erfolgreich einer direkten naturwissenschaftlichen Altersbetimmung gewehrt, bis auf die Thermolumineszenzanalyse, die allerdings sehr aufwendig und nicht sehr präzise ist. Die neue Methode basiert auf der Eigenschaft von gebrannter Keramik nach ihrer letzten starken Erhitzung sofort wieder Feuchtigkeit aus der Umgebung aufzunehmen. Aus diesem Prozess resultiert somit eine ständige Gewichtszunahme der Keramik. Und diese Gewichtszunahme macht sich die Analysemethode zu Nutze. Die Scherbe wird mit einer hochpräzisen Waage gewogen und danach auf 500 °C erhitzt - bei dieser Temperatur wird dem keramischen Artefakt alle Feuchtigkeit entzogen. Danach wird die Scherbe erneut gewogen und die Differenz berechnet. Unter Laborbedingungen wird im Anschluß das Verhältnis Zeit/Feuchtigkeitsaufnahme ermittelt, um somit bis zur letzten starken Erhitzung zurück rechnen zu können.
Die bisherigen Messungen von Material, dessen Alter man kannte, ergab eine Genauigkeit von etwa ± 20 Jahren. Die Umgebung der Keramikfunde soll, so die Forscher, das Messergebniss nicht beeinflussen. Das Verfahren wurde am 20. Mai in der Onlineausgabe der Proceedings of the Royal Society veröffentlicht.
Abstract des Artikels in der Onlineausgabe der Proceedings of the Royal Society
Vollständige PDF-Version des Artikels
Artikel in der Wikipedia über die Thermolumineszensanalyse, die bisher einzige direkte Datierungsmethode für Keramik
Tags: Forschung
18.05.09
"Nippes" aus dem alten Rom
Neutronen im Dienst der Archäologie
Einen Blick in eine römische Gottheit hinein warfen jetzt Physiker an der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz (FRM II) der Technischen Universität München (TUM). Sie untersuchten für die Archäologische Staatssammlung München mittels Neutronen-Tomographie eine Merkur-Statuette und stellten fest: Die Bronzefigur ist hohl und ihre Beine wurden nachträglich angesetzt. Indizien für eine antike Massenproduktion.
Das Geheimnis der 28 Zentimeter hohen Merkur-Statuette wurde am Instrument ANTARES an der Forschungs-Neutronenquelle Heinz Maier-Leibnitz der TUM gelüftet. ANTARES steht für Advanced Neutron Tomography and Radiography Experimental System. "Mit Neutronen können wir die meisten Metalle besser durchleuchten als mit Röntgenstrahlen", erklärt der Diplom-Physiker Martin Mühlbauer die Vorteile der Neutronen-Tomographie. Röntgenstrahlen werden bereits durch wenige Millimeter Blei völlig absorbiert. Doch ein Strahl langsamer Neutronen wird von zehn Zentimeter Blei nur um 60 Prozent abgeschwächt.
Die meisten Neutronen, die durch ein zwölf Meter langes Flugrohr von der Neutronenquelle zum untersuchten Objekt auf dem Probentisch gelangen, durchdringen das Metall. Abhängig vom Material und von dessen Dicke werden jedoch einige der Neutronen von den Atomkernen im Gegenstand gestreut oder absorbiert. So entsteht im Detektor von ANTARES hinter dem Objekt ein Schattenbild (Radiographie) desselben. Während der Untersuchung dreht sich der Probentisch um 360 Grad, sodass unter verschiedenen Winkeln Radiographien des Gegenstands aufgenommen werden können. Bei dem hierfür verwendeten Detektor treffen die Neutronen, die nicht im Objekt gestreut oder absorbiert werden, auf einen Szintillator und werden in sichtbares Licht umwandelt. Eine hochpräzise Kamera nimmt das Licht auf und speichert sie als digitale Fotodatei. Die etwa 200 bis 800 Projektionen werden nach einem Rekonstruktionsprozess schließlich zur 3-D-Ansicht des Objekts, der Tomographie, zusammengesetzt
Die untersuchte Merkur-Statuette stammt aus einer Ausgrabung der Archäologischen Staatssammlung in Obernburg am Main im Landkreis Miltenberg unter der Leitung von Dr. Bernd Steidl. Die Bronzefigur entstand wohl im zweiten Jahrhundert nach Christus. Der zuständige Landeskonservator von der Archäologischen Staatssammlung München, Professor Rupert Gebhard, hat die Figur nun an der Neutronenquelle in Garching untersuchen lassen, um herauszufinden, wie sie hergestellt wurde.
Die Tomographie-Aufnahmen vom FRM II interpretiert der Regensburger Vorgeschichtsprofessor Gebhard so: In der Statuette befindet sich ein Hohlraum und ein loses Kügelchen, das vom ursprünglichen Gusskern stammen könnte. Dieser ist durch ein Türchen entfernt worden, das nach dem Gießen in den Rücken des Merkurs gestemmt wurde und mit Blech abgedeckt ist. Das Blech ist bei Schnitten durch die Neutronen-Aufnahme deutlich zu erkennen. An der Figur außen ist sie jedoch gut versteckt. Außerdem wird in der Tomographie der TUM-Wissenschaftler sichtbar, dass die Beine des Merkur getrennt gefertigt und nur im Überfangguss mit dem Körper verbunden sind. "All das lässt auf eine antike Serienproduktion schließen", sagt Gebhard. Denn der Hohlraum half Kupfer sparen, und die angestückelten Beine waren weniger zerbrechlich als bei aus einem Stück gegossenen Figuren.
Quelle: archaeologie-online.de
19.03.09
Forscher wollen 3.500 Jahre altes Parfum wieder auferstehen lassen
Auch die alten Ägypter begeisterten sich schon für wohlriechende Düfte. Das beweisen Parfumfläschchen aus dieser Zeit. Das Ägyptische Museum der Universität Bonn zeigt in seiner Dauerausstellung ein besonders gut erhaltenes Exemplar. Bonner Wissenschaftler haben den 3.500 Jahre alten Flakon nun im Computertomographen durchleuchtet. Dabei wurden die eingetrockneten Reste einer Flüssigkeit sichtbar, die die Forscher jetzt weiter analysieren wollen. Vielleicht gelingt es ihnen sogar, den Duft zu rekonstruieren - eine Weltsensation.
Die Pharaonin Hatschepsut war eine machtbewusste Frau: Sie übernahm um 1479 vor Christus die ägyptischen Regierungsgeschäfte. Eigentlich sollte sie nur ihren damals dreijährigen Stiefsohn Thutmosis III. vertreten, bis dieser alt genug gewesen wäre, das Amt zu übernehmen. Doch aus der Interims-Regentschaft wurden 20 Jahre. "Sie hat Thutmosis systematisch von der Macht fern gehalten", erklärt der Kurator des Ägyptischen Museums der Uni Bonn Michael Höveler-Müller.
Auch Hatschepsuts Parfüm ist vermutlich eine Demonstration ihrer Macht. "Wir halten es für wahrscheinlich, dass es als einen Bestandteil Weihrauch enthielt - den Duft der Götter", sagt Michael Höveler-Müller. Diese Idee kommt nicht von ungefähr: Man weiß, dass Hatschepsut während ihrer Regentschaft eine Expedition nach Punt unternahm - das heutige Eritrea. Die Ägypter importierten aus Punt schon seit dem dritten Jahrtausend vor Christus Kostbarkeiten wie Ebenholz, Elfenbein, Gold und eben Weihrauch. Die Expedition brachte von der Reise anscheinend ganze Weihrauchpflanzen mit, die Hatschepsut in der Nähe ihres Totentempels anpflanzen ließ.
Der filigrane Flakon, den die Bonner Forscher nun untersuchen, trägt eine Aufschrift mit dem Namen der Pharaonin. Er stammt also wahrscheinlich aus ihrem Besitz. Der Behälter ist ungewöhnlich gut erhalten. "Daher erschien es uns lohnend, ihn in der Radiologie des Uniklinikums durchleuchten zu lassen", erklärt Höveler-Müller. "Das hat vor uns meines Wissens noch niemand gemacht."
Auf diese Weltpremiere wird nun wohl noch eine weitere folgen: "In den Röntgenaufnahmen kann man eindeutig die eingetrockneten Reste einer Flüssigkeit erkennen", erläutert der Museums-Kurator. "Unsere Pharmazeuten werden diesen Bodensatz nun chemisch analysieren." In gut einem Jahr könnten die Ergebnisse vorliegen. Im Erfolgsfalle wollen die Bonner Forscher das Parfum dann sogar "nachbauen". 3.500 Jahre nach dem Tode der Frau, aus deren Besitz es stammt, könnte der Duft also wieder auferstehen.
Hatschepsut starb im Jahr 1457 vor Christus. Nach Analyse der ihr zugeschriebenen Mumie scheint die Herrscherin am Ende ihres Lebens zwischen 45- und 60-jährig, übergewichtig, zucker- und krebskrank gewesen zu sein. Außerdem litt sie an Osteoporose und Arthritis. Sie wurde offensichtlich aus Sicherheitsgründen im Grab ihrer Amme beigesetzt. Im Jahr 1903, mehr als 3.300 Jahre später, stieß der berühmte Ägyptologe Howard Carter auf die beiden Mumien. Es sollte aber noch einmal über 100 Jahre dauern, bis der Leichnam der Pharaonin mittels DNA- und Zahnanalysen 2007 identifiziert werden konnte. Thutmosis III. scheint seiner Stiefmutter übrigens kaum eine Träne nachgeweint zu haben: Er ließ während seiner Regierungszeit alle Abbildungen zerstören, die sie als Herrscherin zeigten und derer er habhaft werden konnte.
Quelle: archaeologie-online.de
13.03.09
Der Peking-Mensch ist viel älter als gedacht
Die Überreste des in einer Höhle in China gefundenen Peking-Menschen sind rund 200.000 Jahre älter als bisher gedacht. Forscher konnten die Funde aus den 1920er Jahren mit Hilfe moderner Methoden jetzt neu datieren. Die neuen Erkenntnisse liefern Hinweise auf eine parallele Wanderungsbewegung durch Eurasien.
Der so genannten Peking-Menschen ist einer neuen Studie zufolge 780.000 Jahre alt und damit 200.000 Jahre älter als Forscher ursprünglich vermutet hatten. Ein Team von amerikanischen und chinesischen Wissenschaftlern untersuchte die Funde aus den 1920er Jahren jetzt mit neuen Methoden, woraus sich eine Neubewertung des Alters ergab, wie die Forscher in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins „Nature“ berichten.
Die Fossilien des als Peking-Menschen bezeichneten Hominiden waren in den 1920er Jahren in Zhoukoudian in der Nähe der chinesischen Hauptstadt gefunden worden. In Verbindung mit anderen aktuellen Studien lasse sich damit die Theorie über die Wanderungsbewegungen der Vorfahren des Menschen präzisieren, hieß es.
Bisher ging die Mehrzahl der Wissenschaftler davon aus, dass Angehörige der Hominiden-Art Homo erectus, zu der Peking-Menschen gezählt werden, vor etwa zwei Millionen Jahren von Afrika über die arabische Halbinsel in Richtung des indischen Subkontinents und entlang der asiatischen Küsten wanderten. Auf der indonesischen Insel Java wurden 1892 zum ersten Mal Überreste des Homo erectus gefunden, der so genannte Java-Mensch. Diese werden auf ein Alter von 1,6 Millionen Jahre datiert. Eine andere Gruppe sei in nördlicher Richtung nach Peking gewandert.
Die nun veröffentlichten Erkenntnisse deuten laut dem „Nature“-Bericht darauf hin, dass es eine parallele Wanderungsbewegung durch den eurasischen Kontinent etwa über das Gebiet des heutigen Georgien gegeben habe, wo der Homo erectus schon vor 1,8 Millionen Jahren angekommen sei.
Quelle: welt.de
28.01.09
Keine fünf Zentimeter groß: Die älteste Kunst der Menschheit
Stuttgart - Ihr Fund war eine Sensation - im Herbst will Baden-Württemberg die ältesten Kunstwerke der Menschheit richtig würdigen: Vom 18. September an werden die gut 35.000 Jahre alten Zeugnisse der Eiszeit in einer Großen Landesausstellung in Stuttgart präsentiert, teilte Kunst-Staatssekretär Dietrich Birk (CDU) gestern stolz mit.
Im Zentrum der Ausstellung von „Eiszeit. Kunst und Kultur“ stehen ein Mammut, ein Löwenmensch und ein Wildpferd - im Grunde nur kleine Figuren, die in den Höhlen auf der Schwäbischen Alb gefunden wurden.
Rund 800 Objekte
Das keine fünf Zentimeter große Mammut gilt als älteste vollständig erhaltene Elfenbeinfigur der Welt. Insgesamt aber werden im Kunstgebäude am Stuttgarter Schlossplatz auf 2500 Quadratmetern rund 800 Objekte der Altsteinzeit aus 14 Ländern präsentiert. Das Kunstgebäude soll zu einer begehbaren Welt der Eiszeit werden.
Von Afrika nach Europa
Vor etwa 40.000 Jahren kam der moderne Mensch, der Homo sapiens sapiens, aus Afrika nach Europa, besiedelte den Südwesten und verdrängte allmählich den Neandertaler. Aus dieser Zeit stammen die ersten Belege für Kunst und die Musik mit geschnitzten Figuren und Knochenflöten von der Alb.
Doch: Wie lebten die Menschen dmals? Welche Tiere gab es? Welche Pflanzen? Das Leben in einer Jäger- und Sammler-Gesellschaft will die Ausstellung ebenso darstellen wie die Forschungsgeschichte.
Das Land fördert die 2,6 Millionen Euro teure Ausstellung mit 1,7 Millionen Euro. Erwartet werden rund 100 000 Besucher. Langfristig ist angestrebt, die urzeitliche Höhlenlandschaft auf der Schwäbischen Alb in die Liste des Weltkulturerbes eintragen zu lassen.
Wann der Antrag gestellt werden kann, steht aber noch nicht fest. Die Ausstellung versteht sich auf dem Weg dahin als ein wichtiger Beitrag. Darüber hinaus gilt es zudem, die Präsentation der Funde in der Region zu verbessern, etwa mit einer eigenen Schauhöhle.
Quelle: stimme.de
24.01.09
Neue Version der Arachne-Datenbank online
Am Montag ging die zentrale Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts in einer neuen Version online. Das neue Arachne-Portal wurde auf Basis das Open Source CMS Drupal realisiert.
ARACHNE, die zentrale Objektdatenbank des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) und des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln, ist am 19.01.2009, 16:00 Uhr in einer neuen Version online gegangen. ARACHNE ist ein kostenloses Werkzeug der Internetrecherche, das in großem Umfang Objektinformationen, Bilddaten und bibliographische Metadaten für die Archäologie und die Klassischen Altertumswissenschaften zur Verfügung stellt. In der neuen Version wurde nun die Bedienung durch die Integration neuer Tools und die Neustrukturierung der Benutzeroberfläche erheblich vereinfacht.
In der Datenbank befinden sich zum heutigen Zeitpunkt bereits etwa 400 000 Datensätze. Ein wichtiger Gesichtspunkt der Datenbank ist die Sicherung von analogen Bildinformationen, die teilweise zerfallsbedroht bzw. weitestgehend unerschlossenen sind, um sie in digitaler Form der wissenschaftlichen Öffentlichkeit dauerhaft zur Verfügung stellen zu können. Mit umfangreichen Materialkomplexen aus den Fototheken der DAI-Abteilungen in Kairo, Istanbul, Athen, Rom und in Berlin hat sich inzwischen auch inhaltlich der Horizont von ARACHNE weit über ihre Qualitäten als rein kunstwissenschaftliche Datenbank zur antiken Plastik hin zu einer archäologisch-altertumswissenschaftlichen Informationsplattform geweitet. Ein weiterer Aspekt der Datenbank ist darüber hinaus in der digitalen Erschließung von Grabungsinformationen der aktuellen Forschungsprojekte des DAI zu sehen.
Über die ARACHNE-Datenbank sind vielfältige Bestandsgruppen archäologischen Bildmaterials integriert - u. a. historische Glasnegative des DAI oder auch die Bildbestände des Forschungsarchivs Antike Plastik und alte Stichwerkpublikationen. Als neues Werkzeug ermöglicht ein graphischer Kontextbrowser eine intuitive Navigation durch einen großen Teil der erfassten Bestände über die Verwendung inhaltlicher Beziehungen. Über den neuen DAI-Buchbrowser ist es nun möglich, auch rare Buchbestände einzusehen und zugehörige Metadaten aus dem DAI-Onlinekatalog ZENON zur Verfügung zu stellen. Neben den inhaltlichen Veränderungen wurde auch das gesamte Layout von ARACHNE modernisiert und dafür notwendige technische Verbesserungen implementiert. Durch die übersichtlichere Gestaltung sind nun auch die vielfältigen erschlossenen Materialkomplexe leichter - aufzufinden. An die Datenbank angeschlossene Publikationen, wie etwa die Basilica Aemilia, der Corpus der Minoischen und Mykenischen Siegel oder andere Corpuswerke, sind nun stärker aufgegliedert, wodurch ihre Handhabung ergonomisiert wurde. Schließlich wird die Recherche durch Verbesserungen im Session-Handling erleichtert und das neue integrierte Bestellsystem bietet nun ein zeitgemäßes Instrument um Reproduktionsanfragen schnell bearbeiten zu können.
Die ARACHNE stellt somit in der neuen Version ein modernes Instrument der wissenschaftlichen Recherche dar, das den Strategien des Semantic Web (Web 2.0) entspricht und folglich den modernsten Anforderungen genügen kann. Die technische Realisierung des gesamten Projektes wurde vom Archäologischen Institut der Universität zu Köln in enger Absprache mit dem DAI koordiniert und durchgeführt. Die Datenbank ist zu erreichen unter http://arachne.uni-koeln.de/
Arachne
Deutsches Archäologisches Institut
Archäologisches Institut der Universität Köln, Forschungsarchiv für Antike Plastik
Quelle: archaeologie-online.de
Tags: Forschung
10.01.09
Dem Geheimnis von Troja auf der Spur
Die finanziell gefährdeten Ausgrabungen in der antiken Stadt gehen weiter
Die finanziell gefährdeten Ausgrabungen in der antiken Stadt Troja werden voraussichtlich doch fortgesetzt. Der Grabungsleiter, der Tübinger Professor Ernst Pernicka, sagte in Mannheim, dank einer großzügigen Privatspende könnten die Archäologen im kommenden Jahr weiterarbeiten.
Im vergangenen Sommer hatte es noch geheißen, die Ausgrabungen in der heutigen Westtürkei müssten nach gut 20 Jahren aufgrund der auslaufenden Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beendet werden.
Pernicka kündigte an, den Verlauf eines Wehrgrabens durch Bohrungen und einen neuen Grabungsschnitt weiter zu untersuchen. Außerdem wollen die Forscher die Geländeoberfläche in und um Troja mit einem speziellen Laser-Messgerät aus der Luft genauer als bisher aufzeichnen. Das «Airborn Laserscanning» ermöglicht es, auch kleinste Erhebungen und Vertiefungen zu erfassen, die oft durch die Vegetation verdeckt werden.
Mit den Messdaten hofft Pernicka auch ein detailliertes virtuelles Modell Trojas zu bekommen. Dieses könnte den Besuchern in dem geplanten Museum die Lage und den Aufbau der Stadt plastisch zeigen. Voraussetzung für die Lasermessung ist allerdings, dass die Volkswagenstiftung die dafür beantragten Mittel genehmigt.
Das weltberühmte Epos «Ilias» des Dichters Homer über die Eroberung Trojas durch die Griechen gilt als älteste Dichtung des Abendlandes. Seit der Wiederentdeckung der alten Stätte im 19. Jahrhundert versuchten Hunderte Forscher, die Geheimnisse der legendären Stadt zu lüften.
Der Graben aus der Bronzezeit, der die Unterstadt der Festung umgibt, ist bisher auf 1,4 Kilometer Länge nachgewiesen. Sein Verlauf lässt Rückschlüsse auf die Ausdehnung Trojas vor rund 3500 Jahren zu. In dieser Epoche etwa spielt auch die «Ilias». Allerdings ist die Deutung des Grabens als militärisches Bollwerk in der Wissenschaft umstritten. Pernicka ist überzeugt, dass die Lage des Grabens mit einer Tiefe von zwei Metern und einer Breite von vier Metern die These untermauert, dass Troja in der späten Bronzezeit (1750 bis 1300 v. Chr.) eine Fläche von 35 Hektar und bis zu 10 000 Einwohner hatte.
Im vergangenen August hatten die Archäologen nach langer Suche die Fortsetzung des Grabens in östlicher Richtung entdeckt. Sie waren zudem auf eine Unterbrechung gestoßen und hatten damit eine weitere Toranlage freigelegt, die den Trojanern den Übergang über den Graben ermöglichte.
Allerdings werden die weiteren Ausgrabungen nach Pernickas Worten durch die Reste früherer wissenschaftlicher Arbeit behindert. Denn sein Vorgänger, der vor drei Jahren verstorbene Tübinger Archäologe Manfred Korfmann und sein Team, hatten Erdaushub und Schutt genau in diesem Gelände abgeladen, wo die Forscher nun den Spaten ansetzen wollen. «Man überlegt sich in der Archäologie zwar vorher immer genau, wo man den Schutt lagert. Trotzdem passiert es immer wieder, dass man später genau dort weitergraben will», erklärte Pernicka.
Korfmann hatte 1988 die jüngste Grabungskampagne in Troja begonnen. Er und sein Team hatten mit vielen Funden dazu beigetragen, das Wissen um die antike Stadt zu erweitern.
Quelle: mz-web.de
Tags: Antike, Ausgrabungen, Bauwerke, Forschung, Griechenland, Städte
Pompeji - Rette es, wer kann
„Es ist viel Unheil in der Welt geschehen, aber wenig, das den Nachkommen so viel Freude gemacht hätte“, bemerkte Goethe nach seinem Besuch in Pompeji. Heute wird hier allerdings niemand mehr so recht froh. 2,5 Millionen Besucher kommen alljährlich in die Ruinenstadt. Sie entwenden Mosaiksteinchen und kleine Freskenreste und hinterlassen Berge von Abfall. Das Aufsichtspersonal ist ungenügend. Die dreihundert Wächter sind in sieben verschiedenen Gewerkschaften eingeschrieben und können Pompeji jederzeit lahmlegen. Ein großer Teil der ausgegrabenen Bauten verfällt. „Dramatisch“ sei der Zustand von Pompeji, erklärte Kulturminister Sandro Bondi im Juli, und auf sein Drängen verhängte die italienische Regierung den Notstand über die antike Stadt. Der ehemalige Präfekt von Neapel, Renato Profili, wurde als Sonderkommissar eingesetzt.
Für den in der Fachwelt geschätzten Archäologen Pietro Giovanni Guzzo, seit fünfzehn Jahren Pompejis oberster Denkmalpfleger, war dies ein wenig kränkend: „Wir brauchen die Ausrufung eines Notstands nicht“, sagt er, „den gibt es in Pompeji seit 1738. Wir brauchen eine kontinuierliche Pflege. Aber der italienische Staat hat nicht das Geld dafür.“ Die Einnahmen von 20 Millionen Euro jährlich reichen nicht. „Wir benötigen 275 Millionen Euro“, sagt Guzzo. Nur durch eine internationale Kooperation könnte Pompeji gerettet werden.
Mafios verursachte Missstände
Seit fünf Monaten ist der Sonderkommissar im Amt. Er verfügt über kein eigenes Budget und schöpft aus den kargen Mitteln der Denkmalschutzbehörde. Eine Satellitenüberwachung des 44 Hektar großen Geländes ist geplant. Sie wird die Kontrolle erleichtern, und es ist auch gut, dass der ehemalige Präfekt aus Neapel dem Archäologieprofessor Probleme abnimmt, die beispielsweise das Funktionieren von Toiletten, aufsässiges Wachpersonal, fehlende Restaurants und zudringliche Souvenirverkäufer betreffen. Lauter mafios verursachte Missstände.
Und das Problem der streunenden Hunde, denen Helmut Krausser 2004 in seinem bezaubernden Roman „Die wilden Hunde von Pompeji“ ein Denkmal setzte? „Das ist unlösbar“, sagt Guzzo, „wir können kein Tierheim bauen, da der gesetzlich vorgeschriebene Abstand von 500 Metern zum nächsten Wohnhaus in dieser dichtbesiedelten Region nicht eingehalten werden kann.“
Ein natürlicher Tod
Neben Pompeji und Herculaneum ist der Superintendent Guzzo auch für die römischen Villen in Oplontis, Stabia und Boscoreale zuständig, für das Archäologische Museum in Neapel und für alles, was Griechen und Römer auf den Phlegräischen Feldern und der Halbinsel Sorrent hinterlassen haben. Der italienische Denkmalschutz leidet unter Personalmangel. Seit mehr als fünfzehn Jahren werden keine Stellen mehr ausgeschrieben: „Offensichtlich will man den Denkmalschutz eines natürlichen Todes sterben lassen“, sagt Guzzo. Die gesamte Altertumswissenschaft werde langsam ins Abseits gedrängt. Auch der Fall des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, das vor zwei Jahren auf unabsehbare Zeit geschlossen wurde, sei dafür ein Beweis. „Für uns Archäologen ist das Institut lebenswichtig.“ In keinem Sektor der öffentlichen Verwaltung findet man heute in Italien so viele entmutigte Beamte wie im Denkmalschutz.
Doch gibt es eine glückliche Insel: Herculaneum. Weder Herkules, den die Bewohner als Stadtgründer verehrten und nach dem sie ihr kleines Paradies am Meer benannt hatten, noch der vergöttlichte Augustus, dem sie eine zwei Meter hohe Bronzestatue errichteten, halfen der Stadt an jenem Augustmorgen 79 nach Christus, als sich der kochende Vulkanschlamm heranwälzte. Aber heute hat Herculaneum einen Schutzgott, der aktiv wird, sobald Not am Mann ist: David Woodley Packard.
Entschluss zur Hilfe
Der Sohn des Mitbegründers von Hewlett Packard kam vor acht Jahren zum ersten Mal nach Herculaneum. Er sah den Verfall, die vielen Bauten kurz vor dem Einsturz, und entschloss sich zu helfen. Gemeinsam mit Andrew Wallace-Hadrill, dem Archäologen und Leiter der British School in Rom, wurde das „Herculaneum Conservation Project“ erarbeitet. Aber erst nachdem 2004 in Italien neue Denkmalschutznormen in Kraft traten, war die Zusammenarbeit zwischen Staat und privaten Sponsoren möglich. Der Gesetzgeber hatte sich bemüht, den in der italienischen Geschichte verankerten hohen Begriff von Denkmalschutz mit einer modernen Auffassung vom Kulturgut als Wirtschaftsfaktor zu verbinden. Die Schutzfunktion blieb beim Staat. Die Erschließung und Vermarktung von Kulturgütern aber konnte jetzt von Privatunternehmen übernommen werden.
Die Grabungsleiterin von Herculaneum, Maria Paola Guidobaldi, ist mit Begeisterung am Werk, seit Packard seine schützende Hand über die Ruinenstadt hält: „Er will auf dem Laufenden gehalten werden. Alle zwei Wochen schicken wir einen detaillierten Bericht über die ausgeführten Arbeiten nach Kalifornien.“ Ein großer Teil der Straßen und Häuser ist wieder zugänglich. Die antike Kanalisation nimmt wieder das Regenwasser auf. Die Tauben wurden durch den Einsatz von Falken verjagt. Packard hat bisher 12 Millionen Euro zur Verfügung gestellt und weitere 9 Millionen für die nächsten drei Jahre versprochen.
Sehr mühselige Grabungen
Während Pompeji im Aschenregen versank, raste auf Herculaneum eine Glutlawine aus Gas, Magma und Gesteinsbrocken zu. Sie füllte Straßen, Häuser und den Strand, erhärtete sich und bildete eine Plattform. Tief unten blieb das gesamte antike Stadtwesen perfekt konserviert. Obendrauf entstand eine neue Siedlung, das heutige Ercolano.
Daher sind Grabungen in Herculaneum sehr mühselig. Nur ein Viertel der Stadt konnte aus dem harten Verschüttungsmaterial herausgeschält werden. An den hohen, bemoosten Tuffwänden rieselt das Wasser herunter. Rund um die Uhr sind Pumpen in Gang. Vor den Bootshäusern, wo einst der Strand lag, hat sich ein fauliger Sumpf gebildet. „In den nächsten Tagen fangen wir hier mit der Trockenlegung an“, sagt die Grabungsleiterin Guidobaldi und deutet dann hinüber zu einer vierzig Meter hohen Wand, der bisherigen Grabungsgrenze. „Dank Packard konnten wir der Gemeinde 12 Meter Terrain abkaufen. Da wollen wir jetzt einen Schacht bohren. Genau da, wo schon der Bourbonenkönig durch unterirdische Abbaustollen Statuen ans Licht befördert hat. Wir werden mitten auf der Theaterbühne landen. Wir wollen endlich wissen, wie das Theater von Herculaneum im Detail aussieht.“ Packard unterstützt den Plan begeistert.
Feucht und schwül
Auch die Papyrusvilla, jene palastartige Villa, in der man 1750 80 Skulpturen sowie rund 2000 Schriftrollen einer griechischen Privatbibliothek entdeckte, beflügelt die Phantasie. Zumal das Ensemble 1750 nur mittels Tunneln erforscht wurde und erst seit den neunziger Jahren ein kleiner Teil freigelegt werden konnte. Jetzt wurde der zugeschüttete Gang einer älteren Grabung freigeräumt und von dort aus ein Erkundungsstollen in den Tuff gegraben. Man stieß auf eine bemalte Wand und legte einen 8 mal 4 Meter großen Raum frei. Die Decke, ein Tonnengewölbe, ist mit Stuckreliefs verziert. Entlang der oberen Wandzonen läuft ein Fries aus Stuck mit Waffendarstellungen: Helme, Schilde, Schwerter. An den Wänden gemalte Girlanden, bärtige Gesichter, fliegende Eroten. Auf dem Boden liegt noch eine meterhohe Schicht von Verschüttungsmaterial. Sie soll vorerst nicht abgetragen werden. Was auch immer man darin finden würde - Gebrauchsgegenstände, Mobiliar, Gebeine -, die Bergung und Konservierung wäre zu kostspielig.
Es ist feucht und schwül im Raum. Die Wandbemalung in verschiedenen Rottönen ist seltsam kontrastlos. Nur in einer Ecke schimmert ein heller Ockerton. Und plötzlich wird einem schaudernd klar, was für ein Inferno hier einmal tobte: Helle Ockersorten lassen sich nur in Rot überführen, indem man sie auf Temperaturen über 300 Grad erhitzt.
Quelle: .faz.net
22.11.08
Weitere Teile von Herodes Mausoleum entdeckt
Israelische Archäologen haben in der vermeintlichen Grabstätte König Herodes zwei Sarkophage und Hinweise auf ein zweistöckiges Mausoleum gefunden. Nach Ansicht der Wissenschaftler von der Hebräischen Universität in Jerusalem handelt es sich um ein repräsentatives Familiengrab.
"Was wir überall verstreut gefunden haben, sind architektonische Bruchstücke, die es uns erleichtern, das 25 Meter hohe Monument zusammenzusetzen. Es ist sehr elegant und entspricht Herodes Geschmack und Status", sagte Ehud Netzer von der Hebräischen Universität, der vor rund einem Jahr den mutmaßlichen Sarkophag Herodes ausgegraben hat. König Herodes sei bekannt gewesen als ein Liebhaber pompöser Gebäude, berichtet die Tageszeitung "Jerusalem Post".
Auf Grund der Größe gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es ein Familiengrab gewesen ist. "Ein Mausoleum wie dieses war für Könige bestimmt, aber nicht unbedingt nur für ihn selbst. Vielmehr sollte es auch für seine Kinder und seine Familie sein", so Netzer weiter. Bisher ist es noch unklar, ob es wirklich das Grab von König Herodes ist. Die Wissenschaftler sehen in den aufwendigen Wandmalereien allerdings Hinweise auf die Grabstätte Herodes, der von 73 bis 4 vor der Zeitrechnung lebte.
Der mutmaßliche Sarkophag Herodes wurde im Jahr 2007 an der Seite eines Hügels oberhalb von Jerusalem entdeckt, wo einst der Königsfriedhof lag. Der Archäologe sagte, dass Herodes diesen Ort bewusst für das Mausoleum gewählt habe, damit es von ganz Jerusalem zu sehen sei. Zudem habe der König beabsichtigt, es zum "krönenden" Zeichen seiner Bauwerke zu machen.
Quelle: factum-magazin.ch
Tags: Antike, Ausgrabungen, Bauwerke, Forschung
31.10.08
Neue Forschungsallianz zur Erhaltung des kulturellen Erbes
Zur Gründung der "Forschungsallianz Kulturerbe" haben die Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) am Dienstag, den 28.10.2008 im Alten Museum (Museumsinsel Berlin) ein "Memorandum of Understanding" unterzeichnet.
Ziel ist es, die Rahmenbedingungen für den Kulturgüterschutz deutlich zu verbessern, den Aufbau des wissenschaftlichen Nachwuchses zu stärken und die nationalen und internationalen Netzwerke auszubauen. Anknüpfend an die führende Rolle der Konservierungswissenschaften in Deutschland vor dem Zweiten Weltkrieg, gilt es nun, für die Stärkung und Weiterentwicklung dieses Forschungszweigs ein zukunftsweisendes Fundament zu legen. Den nationalen status quo zu erfassen, ist ein erster Schritt, um gezielt den Bedarf feststellen zu können. Voraussetzung für die Stärkung der Disziplin ist allerdings auch, in der Öffentlichkeit und in der Politik ein Bewusstsein für die Bedeutung dieser Fachrichtung zu schaffen.
Mit der Gründung dieser Allianz wird Neuland betreten. Zum ersten Mal kooperieren eine der weltweit größten Sammlungen von Kulturgütern und ihrer wissenschaftlichen Betreuung (Stiftung Preußischer Kulturbesitz), eine der führenden anwenderorientierten technologischen Forschungsinstitutionen in Deutschland (Fraunhofer-Gesellschaft) und eine einzigartige querschnittsorientierte Wissenschaftsorganisation (Leibniz-Gemeinschaft). Auf der Basis der neuen Zusammenarbeit sollen innovative Restaurierungs- und Konservierungstechniken entwickelt und das kulturelle Erbe besser geschützt werden.
Themen der Forschungsbemühungen sind unter anderem:
* Entwicklung zerstörungsfreier Test- und Prüfverfahren
* Dekontaminierung von mit Pestiziden belastetem Kunst- und Kulturgut
* Alterungsverhalten und Beständigkeit der Materialien des Kunst- und Kulturguts des 20. JahrhundertsWeiterentwicklung der Plasmatechnologie für Reinigung und Konservierung von Kunst- und Archivgut
* Weiterentwicklung mikroskopischer, oberflächentopographischer und multispektraler Authentifizierungsverfahren (Illegaler Kunsthandel, Kunstfälschung)
* Auswirkung des Klimawandels auf Kulturgüter
* Entwicklung von Konzepten zu Klimatechnik und Energieeffizienz in Museen und Archiven
* Entwicklung moderner Verfahren für Dokumentation und Erhaltung von Baudenkmalen und archäologischen Stätten.
Quelle: archaeologie-online.de
Fraunhofer-Gesellschaft
Leibniz-Gemeinschaft
Stiftung Preußischer Kulturbesitz
30.10.08
Cyber-Teppich ermöglicht Spaziergang durch virtuelles Pompeji
Antike Stadt dient der Demonstration von beweglicher Cyber-Plattform
Wissenschaftler haben im Rahmen des EU-Projekts Cyberwalk http://www.cyberwalk-project.org ein System entwickelt, mit dem sich Nutzer auf ganz alltägliche Weise durch virtuelle Welten bewegen können. Dazu gehen sie einfach auf der Laufplattform "Cybercarpet". Damit User trotz der Bewegungsfreiheit nicht von der Plattform stürzen, kommt ein Tracking-System mit mehreren Kameras zum Einsatz. Zunächst ist es möglich, ein virtuelles Abbild des antiken Pompeji zu erkunden. Das unter Leitung von Marcus Ernst vom Max-Planck-Institut (MPI) für biologische Kybernetik http://www.kyb.tuebingen.mpg.de entwickelte System soll heute, Donnerstag, anlässlich eines Workshops erstmals vorgestellt werden.
Der Cybercarpet ist im Prinzip ein großes Laufband, auf dem quer zu dessen Laufrichtung kleinere Laufbänder aufgebracht sind. Dadurch ergibt sich eine omnidirektionale Plattform, auf der Nutzer ungehindert in jede Richtung laufen können. Die Größe der Lauffläche von vier mal vier Metern ist eine absolute Notwendigkeit. "Damit der Mensch Kräfte auf den Boden übertragen kann, muss er sich ein oder zwei Schritte bewegen können", erklärt Ernst im Gespräch mit pressetext. Wäre der aktive Bereich der Plattform noch kleiner, müssten Bewegungen immer sofort ausgeglichen werden, das Gefühl wäre dann wie Laufen auf Eis, so Ernst.
Auf der Plattform bewegen sich Nutzer durch die virtuelle Welt, die im VR-Darstellungssystem, einem Head Mounted Display, zu sehen ist. Damit Anwender dabei nicht unbeabsichtigt den Laufbereich der Plattform verlassen, steuert ein Kontrollalgorithmus die Bänder nach dem Verhalten der Person. Sie wird von einem Tracking-System aus mehreren Kameras beobachtet, dass zusätzliche Information an den Kontrollalgorithmus liefert. Die Kameras dienen gleichzeitig einem zweiten Zweck. Ein Analyseprogramm wertet Gesten und Körperhaltung aus, um eine Interaktion mit virtuellen Gegenständen wie beispielsweise ein Betätigen virtueller Türklinken zu ermöglich.
Derzeit erlaubt das System ein Erkunden der antiken Stadt Pompeji vor dem Ausbruch des Vesuvs im Jahr 79 vor Christus. Sie wurde mithilfe von Archäologen, Zeichnungen und Fotos virtuell rekonstruiert. Das ist aber nur ein Beispiel. Die Software von Forschern der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ) http://www.ethz.ch, mit der die virtuelle Stadt erstellt wurde, könnte aber auch zur Visualisierung anderer Umgebungen genutzt werden. Ein möglicher Einsatzbereich wären etwa virtuelle Begehungen von geplanten Bauten. Dies käme Personen entgegen, die nicht tagtäglich mit Plänen zu tun haben, meint Ernst. Andere denkbare Anwendungen umfassen beispielsweise die medizinische Rehabilitation, die Ausbildung unter anderem im militärischen Bereich oder auch Sport und Fitness.
An der Entwicklung des Cybercarpet waren neben Forschern des MPI für biologische Kybernetik und der ETHZ auch Wissenschaftler des Technischen Universität München und der Universität Rom beteiligt. Anlässlich des Workshops wird das System nun erstmals dem Fachpublikum vorgestellt. Ein breiteres Publikum bekommt voraussichtlich im Oktober anlässlich eines Tags der offenen Tür erstmals die Chance, das System live zu sehen.
Quelle: pressetext.de
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17.10.08
Hieroglyphen in Hamburg
Prof. Dr. Dieter Kurth, emeritierter Leiter des Faches Ägyptologie an der Universität Hamburg, hat den zweiten, abschließenden Teil einer neuen und umfassenden Einführung in die Grammatik des Ptolemäischen fertig gestellt.
Diese Grammatik, deren didaktisch motivierter Aufbau sowohl für das Selbststudium als auch für den akademischen Unterricht geeignet ist, löst nun eine mehr als 100 Jahre alte ptolemäische Grammatik ab.
Das Ptolemäische ist die heilige Sprache der gelehrten Ägypter gewesen, in der vornehmlich die zahlreichen Tempelinschriften der griechisch-römischen Zeit verfasst sind. Dazu der Autor Prof. Kurth: "Das Ptolemäische ist ein künstliches Idiom priesterlicher Gelehrsamkeit und hebt sich von allen Sprachstufen des Ägyptischen durch beträchtliche Besonderheiten ab. Das zugehörige Schriftsystem ist in seiner Komplexität geradezu ein Musterbeispiel menschlicher Kreativität und Assoziationsfreude." Das Material für diese Grammatik stammt mehrheitlich aus den Inschriften des Tempels von Edfu. Diese zählen nach Umfang und Inhalt zu den wichtigsten Quellen aus der Zeit der Ptolemäerherrschaft in Ägypten (ab 305 v. Chr.). Sie geben eine überaus reiche Vielfalt von Informationen, unter denen diejenigen zur Religion dominieren, die aber auch die politische Geschichte, die Verwaltung und vieles andere mehr betreffen. Außerdem haben die Inschriften nicht nur für die Zeit eine Bedeutung, in der sie niedergeschrieben wurden, denn in ihnen wird u. a. auch Gedankengut tradiert, das bis in die ältesten Zeiten pharaonischer Geschichte hinabreicht.
Entstanden ist die neue Grammatik im Rahmen des bereits 1986 von Prof. Kurth gegründeten EDFU-Projektes. Hauptziel des Projektes ist es, eine in sich geschlossene, verlässliche Gesamtübersetzung aller Inschriften des Tempels von Edfu anzufertigen. Bis zum Ende des Jahres 2001 konnten für dieses Vorhaben erhebliche Drittmittel von der Deutschen Forschungsgemeinschaft eingeworben werden. Seit Anfang 2002 gehört das Projekt zum Programm der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen mit einer Laufzeit bis 2016.
Quelle: archaeologie-online.de
Informationen zum Edfu-Projekt
14.10.08
Fund weckt den Pyramiden-Mythos
Kiel – Die Pyramide ist so etwas wie der Fluch der Archäologen. Zahlreiche Geschichten ranken sich um sie und inspirieren Filmemacher. Seit kurzem gibt es eine Geschichte mehr. Der Kieler Archäologe Prof. Johannes Müller machte vor zwei Wochen einen Grabungsfund, der Vertretern der These um bosnische Pyramiden neuen Aufwind gibt.
Ende September fanden Archäologen der Christian-Albrechts-Universität einen ciretwa 4000 Jahre alten pyramidenförmigen Tonsockel im Grabungsgebiet im bosnischen Visoko, 25 Kilometer nordwestlich von Sarajevo. Per Handyfoto fand die Mini-Pyramide zunächst ungewollt ihren Weg aus der Grabungsstätte in die Öffentlichkeit. Seitdem hat der Fund in Bosnien viele Gemüter erhitzt. Denn Hobbyarchäologen sehen in dem Tonsockel einen weiteren Hinweis darauf, dass es in Europa Pyramiden gibt.
Die These, dass der kegelförmige Berg am Fuße der Stadt Visoko eine Pyramide ist, ist nicht neu. Vertreten wird sie vor allem von dem Hobbyarchäologen Semir Osmanagic, einem in Amerika lebenden Bosnier. Er glaubt, dass eine intelligente Zivilisation die Pyramiden vor rund 15000 Jahren erbaut habe.
„Das ist aus wissenschaftlicher Sicht Unfug“, sagt Johannes Müller, Professor für Archäologie an der CAU. Er ist gerade vor ein paar Tagen mit seinen Kollegen und Studenten von der Grabung zurückgekehrt, um die Funde nun auszuwerten. „Unser Fund hat zwar die Form einer Pyramide. Weitere Rückschlüsse kann man aber nicht ziehen“, so Müller. Es handele sich schlicht um einen Sockel, dessen Aufsatz abgebrochen sei. Die Forscher vermuten, dass es sich um ein Räuchergefäß handelt, das kultischen Zwecken diente. Wahrscheinlich nutzten die Menschen den Tonsockel dazu, Glut zu halten oder Duftaromen zu verbreiten.
Für die Kieler Wissenschaftler, die gemeinsam mit dem Bosnisch-Herzegovinischen Landesmuseum und der Römisch-Germanischen Kommission Frankfurt des Deutschen Archäologischen Instituts die Siedlungsstrukturen am Übergang von der Stein- zur Metallzeit (circa 5500 bis 4000 v. Chr.) erforschen, ist der Fund zwar etwas Besonderes. Denn als bislang einzigartiges Fundstück in der Grabungssiedlung Okolište weist es auf soziale Unterschiede innerhalb der Siedlung hin. „Allerdings sehen wir jetzt auch ganz konkret die Gefahr, durch unseren Fund in den sogenannten Pyramiden-Sog hineingezogen zu werden“, sagt Müller. Das behindere die Arbeit der Archäologen.
Dass das Kieler Grabungsteam je auf eine Pyramide stoßen wird, schließt Müller aus: „Es gibt keine Pyramiden in Bosnien.“
Quelle: kn-online.de
30.09.08
Schriftrollen vom Toten Meer bald im Internet einzusehen
Jerusalem - Die Schriftrollen vom Toten Meer sollen digitalisiert und ins Internet gestellt werden. Unter Einsatz amerikanischer Weltraumtechnologie hätten Wissenschaftler am Mittwoch mit der Umsetzung eines entsprechenden Pilotprojekts begonnen, erklärte eine Sprecherin der israelischen Behörde für Altertümer. Ziel sei, die 2.000 Jahre alten Schriftrollen - die älteste bekannte Version der Hebräischen Bibel - Forschern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Experten beklagen seit langem, dass bislang nur eine kleine Zahl Wissenschaftler Zugang zu den Schriftrollen und den Tausenden Fragmenten erhielt, die vor 60 Jahren in Höhlen in der Nähe des Toten Meers bei Qumran gefunden wurden. «Erstmals werden die Schriftrollen nur einen Computerclick entfernt sein», sagte eine Abteilungsleiterin der Behörde, Pnina Schor. «Dies wird sicherstellen, dass die Schriftrollen weitere 2.000 Jahre erhalten bleiben.» Mit Hilfe von Infrarotfotografie werde außerdem erreicht, dass die Rollen besser zu entziffern seien. Insgesamt würden für das Projekt etwa fünf Jahre veranschlagt.
Quelle: net-tribune.de
27.09.08
Starb Jesu Vater an der Nahe? - Diskussion um Stein aus Bingerbrück
Vom 20.11.2007
BINGERBRÜCK/BAD KREUZNACH Ein Grabstein, der im 19. Jahrhundert in Bingerbrück gefunden wurde, gibt Anlass für Spekulationen von Wissenschaftlern. Der römische Soldat, der dort begraben wurde, könnte der Vater Jesu gewesen sein, so die These.
"Tiberius Julius Abdes Pantera aus Sidon, 62 Jahre, 40 Dienstjahre, Soldat der ersten Kohorte der Bogenschützen, liegt hier begraben." So steht es auf dem Grabstein des Pantera, der 1859 in Bingerbrück gefunden wurde - und glaubt man dem US-Religionswissenschaftler James Tabor, könnte es sich bei Pantera um den Vater von Jesus Christus gehandelt haben. Oder auch nicht.
Tabor, dessen Buch "Die Jesus-Dynastie" vor einem Jahr für reichlich Furore sorgte, besuchte selbst die Kreuznacher Römervilla, in der der Bingerbrücker Grabstein zu sehen ist, und seit Erscheinen seines Buches kommen fortwährend Besucher nur wegen des ominösen Grabsteins in die Kurstadt. Dr. Angela Nestler-Zapp, Leiterin des Museums in Bad Kreuznach, hat nun die Geschichte der römischen Grabsteine in der Römerhalle in einer neuen Broschüre beschrieben, ohne sich durch das Tamtam um Pantera blenden zu lassen.
Die im Jahr 1859 beim Bau der Rhein-Nahe-Bahn am Bingerbrücker Rupertsberg gefundenen Grabsteine brachten bis zum Jahr 1925, als sie vom Antiquarisch-Historischen Verein auf die Stadt übergingen, eine lange Odyssee hinter sich. Der 1856 gegründete Verein hatte sich nach der Entdeckung der Grabmäler um die weitere Sicherstellung der Funde gekümmert.
Wer aber war nun Pantera, der vermeintliche Vater Jesu, tatsächlich? Es handelte sich um einen Auxiliarsoldaten, also keinen Legionär, sondern einen Angehörigen der Hilfstruppen. Er stammte aus Sidon, nur wenige Kilometer von der Stadt Nazareth in Galiläa entfernt, wo Jesus aufwuchs. Ein griechischer Kritiker des Christentums, Celsus, soll im Jahr 178 nach Christi Geburt behauptet haben, Jesus sei nicht Sohn des Josef, sondern eines Soldaten Pantera gewesen. Und der "Kreuznacher" Pantera, das belegt der Grabstein, hat exakt in der passenden Zeit gelebt...
Quelle: allgemeine-zeitung.de
07.09.08
Mäusezahn gibt Hinweis auf letzten Zwischenstopp des Uluburun-Schiffes
Das berühmte bronzezeitliche Schiffswrack vor der türkischen Südküste lichtete wohl zum letzten Mal in Ugarit seinen Anker. Darauf deuten Ergebnisse von Untersuchungen am Unterkiefer einer Maus, der bei Grabungen zwischen der Schiffsladung gefunden worden war.
Wie der Archäobiologe Thomas Cucchi von der Durham University bei vergleichenden Untersuchungen herausfand, handelte es sich bei dem Nager um eine Hausmaus (Mus musculus domesticus). Die größte Ähnlichkeit weisen syrische Hausmäuse auf.
Das Kieferstück aus der Bronzezeit deutet daraufhin, dass es zu einem eher zierlichen Tier gehörte. Daher vermutet Cucchi, dass der Nager erst kurz vor dem Untergang des Schiffes an Bord kam. Mäuse, die schon seit Generationen auf Schiffen leben, seien normalerweise deutlich größer.
Eine der letzten Stationen des »Schiffes von Uluburun« könnte also mit einiger Wahrscheinlichkeit der nordsyrische Stadtstaat Ugarit (dem heutigen Ra's Schamra) gewesen sein - damals ein wichtiges Handelszentrum.
Quelle: Archaeologie-Online.de
Das Schiff von Uluburun - Welthandel vor 3000 Jahren (Internetseiten zur Ausstellung im Deutschen Bergbau-Museum Bochum)
Wikipedia: Das Schiff von Uluburun