Es ist der Traum eines jeden Goldjägers: Ein Hobby-Schatzsucher hat in England den bisher größten Goldschatz aus der Zeit der Angelsachsen entdeckt. Auf dem Acker eines benachbarten Bauern in der Grafschaft Staffordshire fand der arbeitslose Mann mit seinem Metalldetektor bis zu 1.500 Stücke, darunter vor allem Kriegsausrüstung.
Der Schatz stammt vermutlich aus dem siebten Jahrhundert und soll Millionen wert sein. Archäologen halten den Fund für den größten und bedeutendsten aus der Zeit des germanischen Stammes. Der Finder Terry Herbert sagte, der Schatz sei so groß, dass er nur noch von Gold geträumt habe. "Stell dir vor, du bist zu Hause und jemand hört nicht auf, Geld durch deinen Briefschlitz zu stecken - so war das."
Für Archäologen hat der Fund in Mittelengland jedoch noch eine ganz andere Dimension: Der Schatz sei vermutlich bedeutender als der von Sutton Hoo in Ostengland. Dort fanden Archäologen vor 70 Jahren eine Grabstätte mit 1,6 Kilogramm Gold. "Dies wird unsere Ansichten über das angelsächsische England radikal verändern", sagte Leslie Webster, Expertin beim British Museum. Ein Richter in Staffordshire deklarierte den Fund am Donnerstag offiziell als Schatz - das bedeutet, dass er zur Krone gehört und von Museen erworben werden kann.
Der Fund besteht aus 5 Kilo Gold und 1,3 Kilo Silber. Dazu gehören aufwendig dekorierte Schwertgriffe und Helm-Teile. Experten gehen davon aus, dass sie aus höchstem Adelshaus stammen. Auch ein Goldband mit biblischer Inschrift aus dem Alten Testament und bis zu drei Kreuze gehören zu den Fundstücken.
Die Archäologen rätseln nun über die Herkunft des Schatzes. "Reichtum von solchem Ausmaß muss wohl einem König gehört haben", sagte Roger Bland, der beim British Museum für Schätze verantwortlich ist. Es könnte sein, dass die Besitzer die Stücke in gefährlichen Zeiten versteckt hätten, um sie später wieder auszugraben. Der Fundort liegt im einstigen angelsächsischen Königreich Mercia. Bland sagte, der Wert des Schatzes belaufe sich auf eine siebenstellige Summe.
"Es sieht wie eine Sammlung von Trophäen aus", sagte Kevin Leahy von der Organisation Portable Antiquities Scheme. Es gebe jedoch noch unzählige offene Fragen, "das wird noch für Jahrzehnte diskutiert werden". Derzeit liegt der Fund im Birmingham Museum and Art Gallery. Teile davon sollen von Freitag an rund zwei Wochen ausgestellt werden.
Herbert hatte den Schatz im Juli in der Nähe seines Hauses entdeckt. Anschließend buddelte er fünf Tage lang nach den Stücken und informierte Archäologen. "Ich habe mir ständig vorgestellt, was ich am nächsten Tag finden werde", sagte der 55-Jährige. Seinen Detektor habe er vor 18 Jahren auf einem Flohmarkt für ein paar Pfund gekauft.
Zwar wird es noch einige Zeit dauern, bis der genaue Wert der Entdeckung feststeht. Aber ist der Schatz einmal verkauft, geht das Geld an Herbert und den Bauern, unter dessen Feld das Gold schlummerte. "Das ist mehr Spaß, als im Lotto zu gewinnen", sagte Herbert. Er wolle sich für den Erlös einen Bungalow kaufen. Und auch auf ein besseres Image hofft er: "Die Leute lachen über Sondengänger. Sie sagen 'piep, piep, der sucht nach Pennies'. Aber wir sind da, um solche Sachen zu finden - und sie liegen da draußen."
Wer waren die Angelsachsen?
Aus den Küstenländern der Nordsee wanderten im 5. und 6. Jahrhundert germanische Stämme auf die Britischen Inseln aus. Die Angeln, von denen der Name England abgeleitet ist (Altenglisch 'engla land' - "Land der Angeln"), kamen aus dem Gebiet des heutigen Schleswig-Holstein und von der dänischen Insel Fyn (Fünen), die Sachsen aus dem Gebiet zwischen den Unterläufen von Weser und Elbe. Die Angelsachsen eroberten das britische Tiefland und verdrängten die dort siedelnden Kelten.
Die Einwanderer verehrten germanische Götter wie Tiu (Tyr), Wotan und Donar (Thor). Die englischen Wochentage Tuesday (Dienstag), Wednesday (Mittwoch) und Thursday (Donnerstag) erinnern noch heute daran.
Erst mit Augustinus von Canterbury begann 597 in Kent allmählich die Christianisierung durch Missionare aus Frankenreich, Irland und Rom. Die Namen angelsächsischer Königreiche sind bis heute in den Namen englischer Grafschaften oder Regionen erhalten - wie Essex, Middlesex, Sussex oder Wessex.
Quelle: rtl.de
Birmingham Museum and Art Gallery
26.09.09
Arbeitsloser findet riesigen Goldschatz in England
Tags: Antike, Ausgrabungen, England, Europa, Völker
21.05.09
Babylon – Mythos und Wirklichkeit
Alexander der Große wollte sie zur Hauptstadt seines Riesenreiches machen. In der Bibel gilt sie als Inbegriff des Bösen, und ihr immenser Reichtum war bereits in der Antike sagenumwoben: Babylon, Hauptstadt eines Imperiums, das bis heute ein denkbar schlechtes Image hat: Zügellosigkeit, Brutalität, Verrohung der Sitten und Größenwahn – so lauteten lange die klischeehaften Vorwürfe gegen die kulturelle und militärische Großmacht des Altertums.
Doch das ehrgeizige Babylon schuf nicht nur den berühmten Turm zu Babel und die hängenden Gärten der Semiramis – eines der Sieben Weltwunder. Dort entstanden auch die ersten aufgeschriebenen Gesetze der Menschheit, eine ausgeklügelte Astronomie und Mathematik sowie eine Architektur, die wegweisend ein sollte.
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30.04.09
Die Germanen
Die Dokumentationsreihe „Die Germanen“ erzählt den Aufstieg des „Volkes vieler Völker“ von ihrer „Erfindung“ durch Julius Cäsar bis zur Taufe des Frankenkönigs Chlodwig, die die Ablösung Roms als vorherrschende Macht einläutet.
In vier Folgen werden Meilensteine der Germanengeschichte behandelt: Repräsentative Figuren wie die Priesterin und der Krieger geben der Geschichte ein Gesicht und machen die Ereignisse lebendig.
Auf den folgenden Links könnt ihr die Dokumentationsreihe online anschauen und sie downloaden (mP4 Format).
Barbaren gegen Rom
Die Varusschlacht
Entscheidung am Limes
Im Zeichen des Kreuzes
DownloadQuelle: planet-schule.de
Tags: Antike, Dokumentation, Germanen, Völker
18.04.09
Im Zeichen des Goldenen Greifen -Königsgräber der Skythen
Der podcast zur Ausstellung von 06. Juli bis 01. Oktober im Martin Gropius Bau in Berlin
Folge 01 | Skythen, Saken, Sauromaten
Hermann Parzinger, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts und Initiator der Ausstellung "Im Zeichen des Goldenen Greifen. Königssgräber der Skythen", gibt eine Einführung zu den Reitervölkern der Eurasischen Steppe und erläutert den kulturhistorischen Wandlungsprozess, der an der Wende vom 9. zum 8. vorchristlichen Jahrhundert im Süden Sibiriens einsetzte.
(10:45 min)
Folge 02 | Die Anfänge der Archäologie in Russland
Es war Zar Peter der Große, der dem Raubgräbertum im frühen 18. Jahrhundert Einhalt gebot und sich für den Schutz von Bodendenkmälern einsetzte. Ihm verdanken wir beeindruckende Fundstücke, die in seine "Sibirische Sammlung" eingingen.
(12:20 min)
Folge 03 | Das "Tal der Könige". Die frühe Skythenzeit in Tuva
"Dolina Zarej" - das "Tal der Könige" ist eine 30 Kilometer lange und etwa 10 Kilometer breite Talebene in der Nähe des Dorfes Arzan in Tuva. Hier bestatteten skythenzeitliche Reiternomaden über 500 Jahre lang ihre Verstorbenen.
(9:26 min)
Folge 04 | Das Fürstengrab von Arzan
Im Sommer 2001 machten Hermann Parzinger, Anatoli Nagler und Konstantin Cugunov in der Nähe des Dorfs Arzan eine der bedeutendsten Entdeckungen der Skythen-Forschung. Obwohl die Archäologen nicht auf der Suche nach Kostbarkeiten waren, nimmt der Goldschatz von Arzan natürlich auch in der Ausstellung "Im Zeichen des Goldenen Greifen. Königsgräber der Skythen" eine zentrale Rolle ein.
(12:53 min)
Folge 05 | Die Tagar-Kultur im Minusinsker Becken
Das Minusinsker Becken war seit jeher wegen seines milden Klimas ein beliebter Siedlungsort. Tausende sogenannter Ecksteinkurgane zeugen von der hohen Bevölkerungsdichte auch zu Zeiten der Skythen - und überliefern ein geheimnisvolles Totenritual...
(8:40 min)
Folge 06 | Die Pazyryk-Kultur im Altai-Gebirge
In der eisigen Kälte des Altai-Gebirges konserviert der Boden organische Materialien, die andernorts vergehen. Hermann Parzinger erklärt, dass sich die unter Steinhügeln befindlichen Grabkammern bald nach der Bestattung der Reiternomaden mit Wasser gefüllt haben, das durch die Kälte gefror. Da es im Altai auch im Sommer nie so warm wird, dass der Boden wieder auftauen könnte, scheint es fast als stünde die Zeit still.
(11:15 min)
Folge 07 | Im Eis konserviert. Die Mumien des Altai-Gebirges
Es sind besonders die Tätowierungen, die an den Mumien des Altai-Gebirges faszinieren. Hermann Parzinger beschreibt die Mumie, die in der Ausstellung zu sehen ist. Außerdem berichtet der renommierte Paläopathologe Michael Schultz, der am Medizinischen Institut der Universität Göttingen zur Zeit eine Mumie untersucht, die Hermann Parzinger im letzten Jahr im Altai geborgen hat, von seiner täglichen Arbeit am toten Körper.
(14:35 min)
Folge 08 | Die Saken Kasachstans
Im Jahr 1970 wurde im Rahmen einer Notgrabung das Grab des "Goldenen Mannes von Issyk" gefunden. Aufgrund des Goldreichtums handelte es sich um eine archäologische Sensation. Dem jugendlichen Sakenfürsten wurde eine geheimnisvolle Silberschale mit ins Grab gegeben, in die eine bis heute nicht entschlüsselte Runenschrift eingeritzt ist. Hermann Parzinger berichtet darüberhinaus vom Großen Kurgan von Bajkara, der nördlich der sakischen Gebiete liegt, und der nicht weniger geheimnisvoll ist.
(15:00 min)
Folge 09 | Die Sauromaten zwischen Ural und unterer Wolga
Die Sauromaten sollen von den sagenumwobenen Amazonen abstammen. So berichtet es Herodot im 5. Jahrhundert vor Christus. Ob der Mythos eine wissenschaftlich belegbare Grundlage hat, wird Hermann Parzinger in dieser Folge des podcasts erläutern. Außerdem werden die weitreichenden Handelsbeziehungen der Sauromaten thematisiert und an Exponaten der Ausstellung belegt.
(11:12 min)
Folge 10 | Die Skythen im Umfeld des Kaukasus
Luxuriöse Grabbeigaben, die zum Teil aus Vorderasien stammen, und riesige Kurgane sprechen dafür, dass im Kaukasus, Mitte des 7. Jahrhunderts vor Christus, skythische Fürsten bestattet wurden, die an Kriegszügen nach Vorderasien teilnahmen. Ihre Feinde, darunter Assyrer, Meder und Ägypter, müssen sie sehr gefürchtet haben, denn es sind grausame Sitten, die Herodot den Skythen bei kriegerischen Handlungen nachsagt.
(11:11 min)
Folge 11 | Die ?Königsgräber der Skythen?
Im Gebiet nördlich des Schwarzen Meeres, der heutigen Ukraine, trafen die Skythen auf die Hochkultur der Alten Griechen. Die griechischen Einflüsse auf die skythische Kunst sind deutlich zu spüren. Verwunderlich bleibt, weshalb die Skythen nie eine Schrift entwickelt haben.
(11:15 min)
Folge 12 | Die Skythen vor den Toren Mitteleuropas
Der ?Goldschatz von Vettersfelde?, etwa 100 Kilometer südöstlich von Berlin, im heutigen Polen gelegen, war eine archäologische Sensation. Nicht allein wegen der goldglänzenden Artefakte. Kamen die Skythen bis nach Polen? Wo endete das Reich der Skythen? Hermann Parzinger beschreibt in dieser letzten Folge unseres podcasts das Verschwinden der skythischen Kultur aus der Geschichte.
(12:58 min)
Link zum Podcast und Download
14.04.09
Forscher in Kaliningrad bergen Prussia-Schätze
Baggerfahrer achten in Kaliningrad mit Forscherblick auf alles, was sie so aus der Erde schaufeln. Unter der Topographie der sowjetischen Nachkriegszeit liegt das alte Königsberg begraben. Doch Archäologen haben ein Problem.
In Kaliningrad haben russische Archäologen verschollene Exponate der Königsberger Prussia-Sammlung geborgen. Nun fehlt ihnen das Geld zur Restaurierung der Objekte, die einst zu einer der berühmtesten archäologischen Sammlungen Europas gehörten. Die Frühgeschichtler hoffen auf Hilfe aus Deutschland.
Selbst Baggerfahrer achten in Kaliningrad mit Forscherblick auf alles, was sie so aus der Erde schaufeln, denn die Stadt hat einen doppelten Boden. Unter der Topographie der sowjetischen Nachkriegszeit mit ihren autobahnbreiten Straßenschneisen und tristen Wohnblocks liegt das alte Königsberg begraben. Jahrzehntelang führten dessen verschüttete Keller ein Geisterleben. Offiziell waren sie tabu, doch dadurch lieferten sie nur umso lebhafter Stoff für Legenden aus der versunkenen Hauptstadt Ostpreußens.
Auch in der Sergejew-Straße, wo vor ein paar Wochen mit dem Bau eines Hotels begonnen wurde, gab die Erde Schätze frei. Am Westufer des Schlossteiches logierten einst die Freimaurer in prachtvollen Backsteinbauten aus dem 18. Jahrhundert. Deren zerbombte Ruinen ebnete man in den 1950er Jahren ein, doch die Keller blieben unversehrt. Unter den Gewölberesten der einstigen Loge «Zu den drei Kronen» stieß man auf mehr als 2000 Keramikfragmente, Bronzeschmuck, prähistorische Pfeilspitzen und Streitäxte aus der Prussia-Sammlung.
«Keinen Zweifel mehr»
«Als wir die alten deutschen Signaturen sahen, gab es keinen Zweifel mehr», sagt Konstantin Skworzow. Der Archäologe am Kaliningrader Gebietsmuseum setzt die Scherben daheim zusammen, weil das Museum dafür kein Geld hat. Der ohnehin knappe Etat wurde wegen der Finanzkrise noch um die Hälfte gekürzt. «Eigentlich können wir nur auf Hilfe aus dem Ausland hoffen», meint Skworzow.
Derweil hat er seine winzige Küche zur Archäologie-Werkstatt umfunktioniert und kittet nun zwischen Kühlschrank, Spüle und Stapeln von Fachbüchern ein frühgeschichtliches Puzzle zusammen. Ein paar Gefäße nehmen schon Gestalt an. Es sind Grabbeigaben aus bronzezeitlichen Siedlungen, einst ergraben von deutschen Archäologen, die die Funddaten auf den Ton schrieben. «Langendorf, Nr. 46» ist auf dem Rand einer Schüssel zu entziffern. «Jedes wiederentdeckte Prussia-Exponat ist für uns ein Schatz. Diese aber sind ein kleines Wunder, denn von den Keramiken blieb so gut wie nichts erhalten», sagt Skworzow.
Sensationsfund
Dem Fachmann in Sachen Prussia-Sammlung gelang zusammen mit einem Kollegen vor zehn Jahren im sogenannten Königsberger Fort Nr. 3 der Sensationsfund: Tief unten in den Kasematten der Bastion am nördlichen Stadtrand bargen die Archäologen 28 000 Prussia-Exponate.
Es war der bislang größte Fund der seit 1945 nahezu komplett verschollenen Kollektion. Sie umfasste 240.000 Exponate von der Steinzeit bis in das Hochmittelalter: Waffen, Bernsteinschmuck und Gold der Wikinger. Das zur Ausstellung geschaffene Prussia-Museum residierte im prächtigen Südflügel des Königsberger Schlosses.
Der Krieg hat dieses grandiose Panorama der Frühgeschichte Altpreußens in alle Winde zerstreut. Nach den Luftangriffen auf Königsberg 1944 brachte man Teile des berühmten Fundus an bombensichere Orte. Die kostbarsten Stücke aber blieben in Königsberg. In Kisten verstaut, lagerte man sie in den Kasematten des «Fort Nr.3» ein, der größten Bastion des städtischen Festungsrings.
Juwelen
Nach Kriegsende durfte der Museumsschatz der Deutschen jahrzehntelang ungestraft geplündert werden. Soldaten und Offiziere der Sowjetarmee griffen zu. Sie ließen sich aus Römermünzen Schmuck anfertigen oder nahmen masurische Goldfibeln als Souvenirs mit nach Hause. In der Kantine des Forts wurden mit einem bronzezeitlichen Schwert, von dem die europäische Archäologie nur zwei Exemplare kennt, Fleischportionen zurechtgehackt. Später holten sich Raubgräber das, was die Soldaten übrig gelassen hatten. Exponate tauchten auf dem Schwarzmarkt auf. Dort entdeckte Kostja Skworzow die signierten Stücke. Die Spur führte in das Fort und zur Sensation Ende 1999.
Mit deutscher Hilfe gelang es, die geborgenen Exponate fachgerecht zu restaurieren - finanziert von der Hamburger Zeit-Stiftung. Die zur 750-Jahrfeier Königsberg im Sommer 2005 eröffnete «neue» Prussia- Sammlung zählt zu den Juwelen der Ausstellung im Kunsthistorischen Museum. Auf ein ähnliches deutsch-russisches Gemeinschaftswerk hofft Archäologe Skworzow nun wieder
Quelle: netzeitung.de
Tags: Antike, Ausgrabungen, Völker
17.01.09
Bevor die Römer kamen
Eine Sonderausstellung zu den späten Kelten im Bodenseeraum zeigt das Schweizer Museum für Archäologie Thurgau in Frauenfeld noch bis zum 29. März 2009. An der länderübergreifenden Ausstellung sind auch das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg, das Landesmuseum Liechtenstein und das Landesmuseum Vorarlberg beteiligt.
Im Bodenseeraum zeugte bisher vor allem das Doppel-Oppidum Altenburg-Rheinau unterhalb des Rheinfalls bei Schaffhausen von keltischer Besiedelung. Die dortige Siedlung umfasste zwei beiderseits des Rheins gelegene Halbinseln, die durch Abschnittswälle zu einem über drei Quadratkilometer großen Areal verbunden waren. Zahlreiche Funde, die als Importe aus dem Mittelmeerraum identifiziert wurden, sowie Funde aus den germanischen Gebieten im Norden belegen die Bedeutung der Nord-Süd-Route, die bei dem Oppidum den Rhein überquerte. Von hier stammt die in der Ausstellung gezeigte Statuette eines Ebers, das sogenannte Altenburger „Säule“ – eine kleine (Wild-)Sau aus Bronze.
In den letzten Jahren wurden im Bodenseeraum vermehrt Siedlungsspuren aus der letzten Phase der jüngeren Eisenzeit (La Tène: 150 bis 15 v. Chr.) gefunden. Erwähnenswert sind auf deutschem Gebiet die Gehöfte – sogenannte Viereckschanzen – von Riedlingen und Mengen-Ennetach an der oberen Donau oder die ländliche Großsiedlung von Anselfingen/Welschingen. Ebenso lieferten die stadtarchäologischen Untersuchungen in Konstanz Funde, die auf eine bedeutende Siedlung im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. schließen lassen. Die Ausstellung umfasst Themengebiete rund um die Siedlungen, wie Wirtschaft, Religion, Tod und Bestattung, die dank des umfangreichen Fundmaterials veranschaulicht werden. Zu sehen sind zahlreiche Kultgegenstände, etwa die Bronzekrieger von Balzers (Liechtenstein) oder der als Weihegabe an eine Gottheit im Moor versenkte Hortfund von Bad Buchau. Geborgen wurden dort 127 Fundstücke aus dem 2. oder 1. Jahrhundert v. Chr., von denen das Museum einige Waffenteile und Gefäße aus Eisen und Bronze zeigt.
Anhand von Funden aus Gräbern des 3. und 2. Jahrhunderts v. Chr. auf dem Gebiet des Kantons Thurgau erfahren die Besucher Näheres über die Bestattungsformen der Kelten. Aus einem Männergrab bei Schlatt/Basadingen-Dickihof stammen ein Schwert mit Scheide sowie eine Lanzenspitze aus Eisen. Eine keltische Goldmünze mit Lockenkopf und ein reich verzierter Glasarmring zeugen von den prunkvollen Grabbeigaben der Frauengräber.
Die frühen Handelsbeziehungen der Kelten zum Römischen Reich sind durch wertvolle Importfunde aus dem Mittelmeerraum wie Trinkgefäße, Siegelkapseln und Griffel aus Elfenbein und Weinamphoren belegt. Im keltischen Oppidum Rheinau wurden außerdem kleine blaue Klümpchen des mineralischen Farbstoffs „Ägyptisch-Blau“ gefunden, der im 1. Jahrhundert v. Chr. aus dem südlichen Mittelmeerraum importiert wurde. Verwendet wurde er von den Kelten wohl als Schminke. In der Ausstellung zu sehen ist auch der im Moor von Lauterach (Österreich) gefundene Silberschatz, der 23 römische Silberdenare aus der Zeit der römischen Republik sowie keltische Münzen und Ringe umfasst.
Mit weiteren Objekten thematisiert die Ausstellung das Ende keltischer Eigenständigkeit nach der Eroberung durch die Römer. So stammen die Funde aus dem Gebiet des Septimerpasses im heutigen Kanton Graubünden eindeutig vom Räterfeldzug unter Tiberius und Drusus um 16/15 v. Chr.: Die in den Schleuderbleien eingestempelten Zahlen weisen auf die von den Adoptivsöhnen des Augustus geführte 3. und 12. römische Legion hin. Ausgestellt werden auch Lanzenspitzen, Zeltheringe und Schuhnägel der römischen Soldaten. Einzelne Metallfunde zeigen das Ende der eisenzeitlichen Epoche im Bodenseeraum.
Nach der Eroberung durch die Römer übernahm die einheimische Bevölkerung zwar relativ schnell zahlreiche Techniken und Bräuche: Mauerwerk wurde nach römischem Vorbild errichtet und man benannte die keltischen Götter in Anlehnung an die römischen um. Einzelne Ausstellungsstücke zeigen jedoch, dass keltische Traditionen auch nach der Eroberung durch die Römer weiterlebten. Die hölzerne Stifterstatue von Eschenz (Schweiz) etwa zeigt einen Kelten mit langen Haaren und Mantel, wird aber in die Kaiserzeit datiert. Auch weisen Namen in Graffiti und die Formen reich bemalter Gefäße keltische Einflüsse auf.
Von Januar bis März gibt es begleitend zur Sonderausstellung Themenführungen, Lesungen zu keltischen Sagen sowie eine Filmvorführung zur Archäologie und ihren Nachbardisziplinen. Ein reich bebilderter Katalog mit Hintergrundtexten zum Thema: „Bevor die Römer kamen – Späte Kelten am Bodensee“ ist erhältlich im Museum für Archäologie Thurgau.
Quelle: damals.de
weitere Informationen im Internet:
archaeologie.tg.ch
Tags: Kelten, Veranstalltungen, Völker
28.11.08
Die Barbaren bleiben länger
Die Ausstellung «Rom und die Barbaren – Europa zur Zeit der Völkerwanderung» in der Bundeskunsthalle Bonn wird bis zum 11. Januar verlängert. Die Schau sollte zunächst am 7. Dezember zu Ende gehen. Fast 60 000 Besucher hätten sie bisher gesehen, teilte die Bundeskunsthalle mit. Die Schau dokumentiert die Völkerwanderung zwischen dem 2. und 6. Jahrhundert nach Christus. Rund 1000 Ausstellungsstücke, darunter Waffen, Helme, Schmuck, Münzen und Büsten von fast 70 europäischen Leihgebern sind zu sehen.
Bundeskunsthalle, Friedrich-Ebert-Allee 4, Bonn. Bis 11. Januar 2009, Di, Mi 10–21 Uhr, Do bis So 10–19 Uhr. Eintritt 8 Euro.
Telefon (0228) 91 71-0.
Quelle: fnp.de
Kunst- und Ausstellungshalle Bonn
Tags: Antike, Roemer, Veranstalltungen, Völker
22.11.08
Antiker Streitwagen in Bulgarien entdeckt
Sofia (AP) Archäologen haben in Bulgarien einen 1.800 Jahre alten Streitwagen aus Bronze ausgegraben. Sie entdeckten das gut erhaltene Stück in einem thrakischen Grabhügel im Südosten des Landes, wie der Ausgrabungsleiter am Freitag mitteilte. Der reich verzierte vierrädrige Wagen stamme aus dem zweiten Jahrhundert, erklärte Weselin Ignatow. Das Grab habe vermutlich einem wohlhabenden thrakischen Adligen gehört, da der Tote mit seinen Besitztümern bestattet worden sei. Diesen Artikel weiter lesen
Mit dem Streitwagen, der mit Szenen aus der Mythologie verziert ist, wurden Gegenstände aus Holz und Leder geborgen. Dabei handelt es sich vermutlich unter anderem um Pferdegeschirre. In Bulgarien gibt es rund 10.000 thrakische Grabhügel. Die Thraker lebten von 4.000 vor Christus bis zum sechsten Jahrhundert nach Christus in Bulgarien und Teilen des heutigen Griechenlands, der Türkei, Mazedoniens und Rumäniens.
Quelle: de.news.yahoo.com
Tags: Antike, Ausgrabungen, Völker
11.10.08
Einmalige Gefäßfunde in der Hauptstadt der Hethiter
Bei der aktuellen Grabungskampagne des Deutschen Archäologischen Instituts in Bogazköy/Hattuscha kamen u.a. zwei außergewöhnliche Vasen ans Licht, für die es bisher keine vergleichbaren Funde der hethitischen Kultur gibt. Sie dienten im 14. Jh. v. Chr. wohl zeremoniellen Zwecken.
Zwischen Juni und September fand die 69. Grabungskampagne des DAI in Hattuscha, der Hauptstadt des hethitischen Großreichs (ca. 1600-1200 v.Chr.) statt. Durch die Kombination moderner geistes- und naturwissenschaftlicher Forschungsmethoden soll die Lebenswirklichkeit einer der größten Städte des Alten Orients erhellt werden, die zudem als zentrale Metropole eines der wichtigsten Gegenparte zu Ägypten im 14. und 13. Jh. v. Chr. eine große weltpolitische Rolle spielte. Die Ausgrabungen konzentrierten sich auf die westliche Oberstadt, wo an zwei Stellen seit mehreren Jahren gearbeitet wird.
Hier wurde in einem großen Gebäude, das an der Schnittstelle zwischen zwei Stadtbereichen liegt, ein besonderer Fund gemacht. Das sorgfältig geplante Gebäude entstand wahrscheinlich um 1400 v. Chr., brannte einmal ab und wurde im späten 14. Jh. v. Chr. erneut aufgebaut. Dieser zweiten Nutzungsphase kann der seltene Fund eines vollständigen Gefäßensembles zugewiesen werden. Neben über 70 Schalen und Tellern sind vor allem zwei Vasen von größter Bedeutung, da es bislang keine vergleichbaren Objekte in der hethitischen Kultur gibt.
Zum einen handelt es sich um ein großes Gefäß mit geschwungener Wandung und vier Henkeln, dessen Rand in Form von Zinnen gestaltet ist. Zwar sind kleine Fragmente entsprechender Gefäße bereits des öfteren in den Ausgrabungen in Hattuscha gefunden worden, jedoch ist es das erste Mal, dass ein vollständiges Gefäß dieses Typs rekonstruiert werden konnte. Bisher völlig einmalig hingegen ist das zweite Gefäß, das unmittelbar mit dem ersten zusammengefunden wurde. Es hat eine hohe schlanke Form, mit langem Hals, auf dem ein Stierkopf als Ausguß sitzt. Beide Gefäße bilden zusammen mit den genannten Schalen und Tellern ein beispielloses Ensemble, das vermutlich im Rahmen von Zeremonien genutzt wurde. Diese Funde ermöglichen ungekannte Einblicke in die Nutzung eines Gebäudes, das mit großer Wahrscheinlichkeit einer sehr hoch gestellten Persönlichkeit der hethitischen Gesellschaft zu zuweisen ist.
Quelle: archaeologie-online.de
Informationen des DAI zum Forschungsprojekt Hattusa/Boğazköy
Hattuscha.de - weitere Informationen zur Erforschung der Hauptstadt der Hethiter
Tags: Antike, Ausgrabungen, Funde u. Befunde, Völker
05.09.08
UpDate:::Die spinnen wirklich, die Multi-Kulti-Römer
Hier ist ein Kleines Video zur Austellung: Rom und die Barbaren
Zum Bericht:
Die spinnen wirklich, die Multi-Kulti-Römer (Intern)
Tags: Antike, Germanen, Roemer, Veranstalltungen, Völker
Ein Volk wie ein Schatten
Bei Gießen wird ein Kelten-Museum gebaut. Aber was wissen wir wirklich über diese Vorfahren?
Seit fünf Jahren bewegt "Das Rätsel der Kelten" die kunstinteressierte Öffentlichkeit im Bundesland Hessen. Damals wurden erstmals öffentlich die sensationellen Funde eines 2500 Jahre alten Fürstengrabes, einer Gruppe von Statuen und einer Prozessionsstraße am Glauberg bei Gießen in einer großen Ausstellung der staunenden Öffentlichkeit gezeigt. Inzwischen sind die Grabungen weitergegangen. In immer mehr Regionen des mittleren und südlichen Deutschland kommen Reste erstaunlich großer Siedlungen ans Licht.
Schon spricht die Archäologie, wie am Beispiel der Heuneburg im südlichen Baden-Württemberg, von regelrechten Städten mit Tausenden Einwohnern. Dass dort griechische Erfahrungen, Waren und Erfindungen gehandelt wurden, lässt die Kelten als ferne Partner einer Hochkultur erscheinen, zu denen ihre eigene Kunstfertigkeit, aber auch die Fremdheit, Düsternis und bisweilen sogar Unheimlichkeit ihrer monumentalen Menschenbildnisse mit den riesigen segelartig ausgespreizten "Ohren" in eine spannungsreiche, schwer zu deutende Wechselbeziehung rückt.
Nun soll das neueste Wissen über dieses Volk mit den staunenswerten Funden aus den Fürstengräbern vom Glauberg in einem neuen Museum am Fundort im östlichen Wetteraukreis kaleidoskopartig ausgebreitet werden. Soeben hat das Büro KadaWittfeldArchitektur in Aachen zusammen mit club L94 Landschaftsarchitekten in Köln unter 27 Konkurrenten den Wettbewerb für den Neubau und einen eigenen "Archäologischen Park" gewonnen. Das aufgeständerte Bauwerk mit der weit aufgesperrten gläsernen Linse an der Stirnseite ragt wie ein Riesenfernrohr aus dem bewaldeten Berg hervor und setzt, so der hessische Kultusminister Udo Corts, ein "klares, fast elegantes Zeichen in dieser uralten Kulturlandschaft, ohne zum architektonischen Selbstzweck zu werden".
Bis in die architektonische Ausformung hinein ähnelt das Projekt dem Museum für die Himmelsscheibe von Nebra und dem ebenfalls rekonstruierten "Observatorium von Goseck" in Sachsen-Anhalt. Erst am 1. September hatte Corts an gleicher Stelle die - wie er formulierte - "europaweit einzigartige Rekonstruktion eines keltischen Kalenderbauwerks" eröffnet. Die durchaus noch zu hinterfragende Interpretation geht auf den Frankfurter Astrophysiker Prof. Bruno Deiss zurück, der in hier aufgefundenen 16 acht Meter hohen Eichenpfählen und Visierpunkten einen "präzisen und generationenübergreifenden Kalender" erkennen will. Mit diesem "astronomischen Bauwerk", dessen Deutung allerdings auffällig an die 7000 Jahre alte Anlage in Goseck erinnert, ließen sich laut Deiss bestimmte Punkte am Horizont genau anpeilen. Dadurch seien die Kelten in der Lage gewesen, die tägliche Verschiebung des Mondaufgangspunkts zu messen, was ihnen wiederum ermöglicht habe, wichtige Termine wie die Zeiträume für Aussaat und Ernte sowie Festtage wie die Wintersonnenwende vorauszuberechnen.
Weit über den Fundort am Glauberg hinaus hat sich die Erkenntnis der Archäologen immer mehr verfestigt: Deutschland ist nicht nur ein Germanenland, sondern auch ein Keltenland. Doch anders als bei anderen Zweifelsfragen scheint die Archäologie hier an Grenzen zu stoßen: je mehr Erkenntnisse, desto mehr Fragen. Wo kam dieses rätselhafte Volk, das einmal halb Europa besiedelt, vielleicht gar beherrscht hat, her? Und wohin und warum ist es verschwunden?
Erst vor wenigen Jahren haben Klimaforscher auf dem Deutschen Archäologentag in Heidelberg Klimastürze für die Flucht der Kelten verantwortlich gemacht - ihren Verbleib freilich konnten sie damit nicht erklären. Eine andere Hypothese ist erst jüngst in sich zusammengebrochen: Die "gälische" Bevölkerung Irlands kann nach gentechnischem Befund mit den Festlandskelten nicht blutsverwandt sein. In Mainz wurde bei Ausgrabungen in der Innenstadt eine weitere Standardmeinung ins Wanken gebracht: Kelten legten "heilige Haine" nicht nur auf Bergrücken und Geländekuppen an, sondern auch in Flussniederungen. Je mehr Funde zutage gefördert werden, desto mehr scheint sich das Wissen über das Rätselvolk zu verdunkeln.
Wie lässt sich zum Beispiel erklären, dass keine einzige der neu entdeckten Keltenstädte ("Oppida") von den Römern oder den Germanen weitergeführt worden ist? Von Köln bis Augsburg, von Trier bis Regensburg leiten die ältesten deutschen Städte ihren Stammbaum von den Römern ab - keine einzige heute noch bestehende Stadt aber von den Kelten. Die Menschen mit den rotblonden Haaren, den von römischen Schriftstellern geschilderten furchterregenden Blicken, der unerschrockenen und fairen Kampfesweise scheinen vom Himmel gefallen und eines Tages ebenso sang- und klanglos wieder in ihn entrückt worden zu sein.
In der Spanne von 500 bis 1000 Jahren, in der es nachweisbar ist, hat das Volk, das sich jeglicher Schriftsprache verweigerte, verblüffend vollkommene Kunstwerke geschaffen. Aber auch hier klafft ein merkwürdiger Widerspruch. Während die Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände eine staunenerregende Eleganz und Formsicherheit zeigen, wirken die Skulpturen eher ungeschlacht und plump. Gerade das, was jene zu Werken höchsten Ranges erhebt - der Reichtum an Ornamentik, das scheinbar am Goldenen Schnitt geschulte Ebenmaß, die nur mit der Lupe zu erfassende Präzision des Details - fehlt jenen ganz, ja scheint ihnen bewusst vorenthalten.
Die Kelten, so muss man schließen, haben unter den bekannten Kulturtechniken ihres Zeitalters sehr bewusst ausgewählt und sich ihrer in selbstbewusster Anverwandlung und Umdeutung bedient. Handelslinien und Kulturkreise zu identifizieren, die sich dabei verflochten haben, war gewiss des Schweißes vieler Generationen von Archäologen wert. Aufschluss über die Gründe des Eigensinns, der diese "Barbaren" geleitet hat, hat es kaum gebracht.
Die hessischen Forschungen münden in der alten Annahme, dass es der Kosmos einer eigenen Welterklärungslehre und Religion gewesen sei, der diesem Volk, das offenbar auch Menschenopfer praktizierte, eine solche Handlungsweise auferlegte. Der Glauberg hat dafür bisher keine neuen Beweise erbringen können. Für die Völkerkunde sind die Kelten wie ein Schatten. Ihre Spuren verlieren sich vor 2000 Jahren. In der kollektiven Erinnerung der Deutschen hat sich nicht einmal die Spur einer Sage oder eines Mythos von ihnen erhalten. So wird das neue Museum, wenn es spätestens 2009 seine Pforten öffnet, vielleicht wirklich weniger die Eigenschaft eines Fernrohrs in die Vergangenheit als eines Kaleidoskops haben, in dem sich aus bunten Scherben immer neue Bilder zusammenfügen, die ihre Bedeutung für sich behalten.
Quelle: Welt.de
04.09.08
Das Rätsel der Osterinsel
Das karge Eiland mitten im Pazifik war einst voller Palmen. Die Ureinwohner hatten eine eigene Schrift und Kultur und bauten monumentale Steinfiguren. Jetzt gibt es neue Erkenntnisse über den Untergang dieser Hochkultur. Eine Ursache dürften Ratten gewesen sein – diese fanden dort ein ökologisches Schlaraffenland vor.
Eine Mischung aus Staunen, Angst und Neugier befiel den holländischen Kapitän Jacob Roggeveen und seine Männer, als sie um Ostern des Jahres 1722 als erste Europäer die versteinerten, übermannshohen Skulpturen auf der seitdem so benannten Osterinsel im Ostpazifik erkundeten.
Diese Vulkaninsel liegt 3700 Kilometer vor dem chilenischen Festland im Ozean und ist der östlichste Ausläufer der polynesischen Welt. Ein entlegener Ort, der von den Einwohnern zwar Rapa Nui, „große Insel“, genannt wird, der aber nur 170 Quadratkilometer misst. Hier haben Menschen über viele Jahrhunderte hinweg isoliert von anderen ihre eigene Kultur, ja sogar eine eigene Schrift, „Rongorongo“ genannt, entwickelt. Dass diese bis heute nicht entziffert werden konnte, ist eines der vielen Rätsel der Insel.
Rätsel ranken sich auch um die mehr als 900 riesigen Skulpturen aus Vulkangestein, die „Moai“. Diese stummen Zeugen einer großen Vergangenheit sollen vermutlich die Vorfahren von Göttern darstellen und finden sich rund um die Insel verstreut. Die bis zu sechs Meter hohen Statuen ruhen auf riesigen altarähnlichen Steinplattformen, den „Ahu“.
Moai waren umgestürzt
Nur noch wenige Moai stehen heute an ihrem Platz, die meisten lagen bereits bei der Ankunft von Roggeveen und seiner Crew umgestürzt auf der Erde. Archäologen haben rekonstruiert, dass die tonnenschweren Kolosse mit einfachen Meißeln aus dem Gestein gehauen und von den Lavasteinbrüchen bis an die Küste der Osterinsel transportiert wurden, um sie dort aufzustellen. Wie die Bewohner der Osterinsel dies genau bewerkstelligten, ist unbekannt. Vermutlich aber benutzten sie dazu die Stämme jener Palmen, die einst in ausgedehnten Wäldern die Insel bedeckten.
Bereits bei der Ankunft von Roggeveens Schiffen war die Insel allerdings nahezu entwaldet. Und so wunderte sich der Entdecker, „wie Menschen, die weder über dicke Holzbalken zur Herstellung noch über kräftige Seile verfügten, dennoch solche Bildsäulen aufrichten konnten“.
Auch heute wächst auf der Insel nur eine äußerst verarmte Vegetation: rund 50 Pflanzenarten, darunter nur zehn Bäume, von denen keine höher als drei Meter ist. Pollenanalysen zeigen indes, dass es einst mit Jubaea eine über 30 Meter hoch wachsende Palmenart auf der Insel gab. Der Wald, so die These, wurde gerodet, um die Statuen zu transportieren. Als er verschwand, setzte auf dem Eiland eine ökologische Katastrophe ein, die zum Zusammenbruch der Gesellschaft von Rapa Nui führte.
Lehrbeispiel für ökologische Selbstzerstörung
Doch um das Verschwinden der Palmen ist ein wissenschaftlicher Disput entbrannt. Denn die Insel gilt seit Langem als Metapher für eine menschengemachte ökologische Katastrophe, ja als Gleichnis für die moderne globalisierte Welt: Die Osterinsel, das Lehrbeispiel für ökologische Selbstzerstörung, wurde 1994 sogar für Hollywood in Szene gesetzt.
Vor allem aber der amerikanische Geograf und Evolutionsbiologe Jared Diamond hat die These vom Ökodesaster mit seinem 2005 erschienenen Bestseller „Kollaps. Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“ publik gemacht. In „Kollaps“ erklärt Diamond, wie die Wikinger auf Grönland ihre eigene Lebensgrundlage zerstörten. Er erzählt, wie die Maya den Urwald rodeten, um Maisplantagen anzulegen, wie sie dadurch der Erosion Vorschub leisteten und ihre Stadtstaaten Opfer der Dürre wurden.
Diamonds anschaulichstes Beispiel aber liefert die vorkoloniale Geschichte der Bewohner der Osterinsel, die sich mit frevelhaftem Raubbau an den einst ausgedehnten Palmwäldern um ihre eigene Existenzgrundlage brachten. Demnach ging die Kultur auf der Osterinsel unter, weil die Rapa Nui ihre eigenen Ressourcen übermäßig ausbeuteten und sich in Stammeskriegen schließlich selbst dezimierten. Rapa Nui – Menetekel und eindringliche Mahnung, sorgsamer mit den natürlichen Ressourcen umzugehen.
Biesiedelung erst 400 Jahre später
Doch zwei neue Erkenntnisse bringen die These vom menschengemachten Ökokollaps und dem anschließenden Untergang der Gesellschaft ins Wanken. Nachdem bislang vermutet worden war, dass die ersten Polynesier bereits um 800 nach Christus die Osterinsel erreichten, deuten jüngste Radiokarbon-Datierungen darauf hin, dass die Besiedlung erst 400 Jahre später erfolgt.
Innerhalb von 150 Jahren, so zeigen Pollenanalysen in Strandablagerungen, schwanden daraufhin die Palmenwälder. Genaue Analysen der Samen zeigen zudem, dass diese Palmnüsse sämtlich von der Pazifischen Ratte, Rattus exulans, angenagt waren.
Ein Team um Terry L. Hunt von der Universität von Hawaii vermutet daher, dass die unkontrollierte Vermehrung der von den Polynesiern auf der Osterinsel eingeschleppten Ratten zum Schwund der Wälder führte. Um 1200 nach Christus, so hat Hunt hochgerechnet, könnten zwischen zwei und drei Millionen Ratten auf der Insel gelebt haben. Sie fraßen alle Palmensamen auf und verstärkten dadurch die Entwaldung der Insel.
Auch wenn die Rapa Nui auf der Osterinsel ebenfalls Palmen für Bau- und Feuerholz fällten, so gab es demnach keinen direkt durch den Menschen selbst verursachten Zusammenbruch seiner Kultur. Vielmehr schleppten die Polynesier einen anderen Umweltschädling auf die Insel, der für den Kollaps sorgte. War also die Ratte schuld am Untergang der Moai-Kultur und nicht unmittelbar der Mensch?
Polynesier schleppten Ratten ein
Dass die sich übermäßig vermehrende Ratte vielerorts im Pazifik ein Übel gewesen sein dürfte, belegt auch eine jüngst in den „PNAS“ erschienene Studie über die Kolonisierung Neuseelands. Auch hier war bislang umstritten, wann genau die Maori erstmals die Doppelinsel erreichten. Je nach Datierung könnten die Neusiedler entweder mehrere Jahrhunderte friedlich und weitgehend in Einklang mit der Natur wie in einem „Garten Eden“ gelebt haben; oder aber die Kolonisten vernichteten sehr schnell ihre ökologischen Grundlagen und viele der nur auf Neuseeland lebenden Tier- und Pflanzenarten.
Jüngste Datierungen mittels Radiokarbon-Methode von Knochen der Pazifischen Ratte und den von ihr benagten Pflanzensamen ergaben nun, dass Rattus exulans erstmals um 1280 nach Christus Neuseeland im Gefolge des Menschen erreichte. Das ist immerhin etwa ein Jahrtausend später als bisher vermutet; doch es fällt mit den ersten archäologischen Hinweisen auf Entwaldung und Ausrottung vieler Tierarten zusammen.
Wie später auf der Osterinsel haben die Polynesier demnach auch auf Neuseeland die Ratten eingeschleppt. Diese haben sich im ökologischen Schlaraffenland – ohne Feinde und mit einem Überangebot an Nahrung – innerhalb kürzester Zeit übermäßig vermehrt. Unter günstigen Bedingungen können Ratten alle sieben Wochen ihre Population verdoppeln; aus einem Pärchen werden dann in nur drei Jahren rund 17 Millionen Tiere.
Fauna und Flora stark ausgedünnt
Auf Neuseeland hat diese Rattenplage die Fauna und Flora der Insel stark ausgedünnt und teilweise ausgerottet. Auch hier gab es wie auf der Osterinsel mithin keine „Garden Eden“-Phase in der Rousseaus edle Wilde in Harmonie mit der Natur lebten. Der Mensch sorgte mit seinem Erscheinen und mit den Ratten in seinem Gefolge für ökologische Umwälzungen.
Auch Jared Diamond hat mittlerweile seine These vom Menschen als alleinigen Unheilstifter in Ökosystemen relativiert. Er teilt die Schuld am Untergang der Kultur und der massiven Veränderung der Natur allerdings nicht nur auf Ratten und Menschen auf. „Alle Faktoren sprachen gegen die Osterinsel“, schreibt er in „Science“. „Das Desaster der Insel versteht nur, wer ihre fragile ökologische Lage berücksichtigt.“
Denn auf der Osterinsel ist es relativ kalt und trocken. Sie ist klein und liegt isoliert weitab im Meer. Nur wenige Nährstoffe kommen über die Atmosphäre oder durch Vulkanasche zu ihr. Der Boden der Insel ist ausgelaugt. Rodet nun eine Kultur die Bäume, so schreitet die Erosion voran – und wenn Ratten zudem die Baumsamen fressen, ist ein Ökokollaps kaum zu vermeiden
Tags: Völker
03.09.08
Die Wanderung der Germanen
Welche germanischen Stämme nahmen welchen Weg durch die Vorgeschichte Europas? Auf der interaktiven Europakarte können die langen Wanderungen der zehn großen germanischen Völker nachgeschaut und verglichen werden. Man erfährt hier auch, welche Schlachten und Hindernisse die Völker auf ihrem Weg meistern mussten. Die einblendbaren Grenzen des heutigen Europas helfen zudem bei der geografischen Orientierung.
Interaktive Karte [Flash]
Quelle: Planet-Schule.De
Die spinnen wirklich, die Multi-Kulti-Römer
Sie waren die Herrscher der Welt, doch dann zerbrach das Römische Reich. Die Ausstellung "Rom und die Barbaren" in der Kunsthalle Bonn zeigt, wie die Multikulti-Kultur entstand – und Historiker Alexander Demandt erklärt auf WELT ONLINE ihr Scheitern. Am Untergang hatten vor allem die Germanen Schuld.„Rom und die Barbaren – Europa zur Zeit der Völkerwanderung“ in der Kunst- und Ausstellungshalle Bonn bis zum 7.12.2008
Zu allen Zeiten lebten Völker unterschiedlicher Kulturstufen nebeneinander. Wenn heute in Industriestaaten von „Entwicklungsländern“ gesprochen wird, so gleicht dies einer Sichtweise, die schon bei den antiken Griechen üblich war. Sie nannten ihre Nachbarn, die keine Städte, keine Schrift, keine feste Staatsordnung besaßen und ein unverständliches Idiom sprachen „Barbaren“ – Leute die Blabla reden. Zu ihnen zählten zunächst auch die Italiker, bis sich die Römer nach griechischem Muster zivilisiert hatten. Sie übernahmen den Barbarenbegriff und verwandten ihn vornehmlich für die Völker im Norden, für Kelten und Germanen.
Durch die Romanisierung Galliens seit Caesar verlor sich der barbarische Charakter der Kelten, doch blieb er bei den Germanen erhalten, da deren Unterwerfung nicht gelang. Seit dem Kimbernkrieg 105 v. C. wurden die Germanen zweihundert Jahre von den Römern besiegt, ohne dass die Gefahr aus dem Norden gebannt worden wäre. Eine Erklärung dafür suchte der römische Historiker Tacitus in seiner unschätzbaren „Germania“ in der urwüchsigen, naturnahen Lebensweise der Barbaren, in ihrer körperlichen Abhärtung, ihrem kriegerischen Sinn, ihrem Kinderreichtum und ihrer Lernbereitschaft, kurz in jenen Eigenschaften, die den überzivilisierten römischen Großstadtmenschen abhanden gekommen waren.
Zwei Mittel um mit den Germanen umzugehen
Das Germanenproblem geht zurück auf die frühesten Berührungen zwischen den beiden Völkern. Bereits Caesar hat es gesehen und mit jenen beiden Mitteln zu lösen versucht, die mal im Wechsel, mal zugleich für die römische Germanenpolitik bestimmend geblieben sind. Das eine Mittel war kriegerisch: Abwehr, Abschreckung, Abschottung der Grenzen. Das andere Mittel war friedlich: Aufnahme ins Reich, Anwerbung für den Wehrdienst, Öffnung der Grenzen. Welches Mittel, durchgehend angewandt, ein gedeihliches Zusammenleben auf Dauer bewirkt hätte, darüber waren sich die antiken Zeitgenossen ebenso wenig einig wie die modernen Historiker.
Es fragt sich eben, ob in der Politik eher Konsequenz oder eher Flexibilität zum Ziele führt, und wo die Grenze der Zumutbarkeit liegt, wenn es um den Wehrdienst der Bürger oder um die Aufnahme von Fremden geht. Integrieren sich diese, bereichert dies den Staat. Bilden sich Subkulturen, entsteht Sprengstoff. Klar ist Roms Ende: der Einmarsch der Germanen, die Auflösung des Imperiums und ein Niedergang des kulturellen und zivilisatorischen Niveaus.
Die Abschreckungsmaßnahmen begannen mit Caesars zweimaligem Rheinübergang. Es folgten die groß angelegten Versuche unter Augustus, die Elbgrenze zu erreichen. So wie die Gallier, glaubte man auch die Germanen romanisieren und zivilisieren zu können. Das aber scheiterte, keineswegs nur wegen der Heldentat des Arminius im „Teutoburger Wald“. Germanien besaß keine durchgehenden Wasserwege von West nach Ost, die den Verkehr und die Versorgung der Legionen ermöglicht hätten.
Germanien besaß auch keine Bergstädte wie die Kelten, mit deren Erstürmung und Besetzung feste Punkte der Herrschaft geschaffen wären. Germanien besaß schließlich auch keine erkennbaren Metallvorkommen oder andere Bodenqualitäten, die einen vollen Einsatz des römischen Militärs ökonomisch gerechtfertigt hätten. All dieses bewog Augustus, das kostspielige Annexionsprojekt aufzugeben, die Legionen hinter den Rhein zurückzuziehen.
Germanen wurden mit Germanen bekämpft
Unter Marc Aurel um 160 fielen die Markomannen und Quaden beutemachend in Italien ein, die Kämpfe zogen sich über vierzehn Jahre. Wie die Marcus-Säule zeigt, bekämpfte Aurel wiederum Germanen mit Germanen. Aber der Krieg endete unentschieden. Die Grenze blieb die Donau.
Im dritten Jahrhundert bildeten sich mit den Stammesverbänden der Alamannen, Franken und Sachsen neuartige große Kampfgemeinschaften im Westen, die Gallien, Norditalien und Spanien plünderten, während im Osten Goten und Heruler die Donauländer und Kleinasien heimsuchten. Durch den engen Kontakt mit den Römern hatten die Germanen ihre Taktik und ihre Bewaffnung modernisiert: Die Nordmänner trugen nun Eisenschwerter, vielfach aus römischer Produktion.
Sie übernahmen die lange verpönten Fernwaffen, entwickelten Nadelspitzpfeile gegen Kettenhemden, panzerbrechende Streitäxte gegen Schild und Helm, so dass sie nun den Römern auch in offener Feldschlacht erfolgreich begegnen konnten. Die Kämpfe nach Marc Aurel fanden zumeist auf römischem Boden statt, wenn auch einzelne Kaiser jenseits des Rheins Vergeltung übten. „Da nun die Barbaren unser Land durchtoben, herrscht überall Unsicherheit“, so schrieb Hieronymus im Jahre 380.
Schon Caesar warb germanische Reiter ab
Neben den militärischen Abwehrmaßnahmen haben die Kaiser von Anfang an auch eine friedliche Germanenpolitik betrieben. Bereits Caesar hat germanische Reiter angeworben. Sie kämpften bald auf allen Schlachtfeldern, selbst für den Judenkönig Herodes. Augustus und die Kaiser hielten sich eine germanische Leibwache, die „Löwen“ (leones).
Abgesehen von der Einberufung germanischer Krieger haben die Römer Germanen in erheblicher Zahl ins Reich aufgenommen. Unter Nero wurden mehr als 100.000 Anwohner der Donau samt ihren Fürsten, Frauen und Kindern im Reich angesiedelt. Marc Aurel belohnte die Donaubarbaren je nach ihrer Haltung zu Rom mit Geld und Land, mit Steuerfreiheit und Bürgerrecht. „Zahllose Barbaren“ holte er ins Reich.
Im 3. Jahrhundert beginnt die eigenmächtige Landnahme der Alamannen und der Franken links des Rheins. Trotzdem ging die Politik der Ansiedlung und Anwerbung weiter. Rom war allzeit fremdenfreundlich, hatte aber mit den am Schwarzen Meer angesiedelten fränkischen Gefangenen kein Glück. Diese unverschämten Germanen kaperten Schiffe der Donauflotte, entkamen auf hohe See, durchquerten die Meerengen, plünderten Samos und den Piräus, setzten Syrakus und Karthago in Schrecken, segelten durch die Straße von Gibraltar und den Golf von Biskaya und erreichten frohgemut die Heimat in Holland.
Immer mehr Barbaren kamen ins Reich
Unter Diocletian und Constantin um 300 n. Chr. kamen weitere Barbaren ins Reich. Rom gewann damit Söldner, Siedler und Steuerzahler, doch setzte das eine stabile Lage voraus, das heißt eine deutliche Überlegenheit Roms, wie denn überhaupt das multikulturelle Zusammenleben verschiedener Völker klare Machtverhältnisse erfordert, um die Rivalitäten zwischen den Gruppen in Schach zu halten.
Anderenfalls erliegen diese der Versuchung, die Rangordnung festzustellen, und es kommt zu Auseinandersetzungen, die Opfer fordern und einen politischen Umschlag mit sich bringen können. In Rom ist das schließlich geschehen. Die Rheingrenze hielt bis zum Jahresbeginn 407, als Vandalen, Alanen, Sweben und mitziehende Pannonier in Gallien einfielen und nicht mehr zu bezwingen waren.
Die veränderte Machtlage hatte fatale Konsequenzen für die Einbürgerungspolitik. Die zu Abertausenden im Reich lebenden zumeist unfreien Germanen machten gemeinsame Sache mit den Landsleuten von draußen. In hellen Scharen liefen die Bergleute auf dem Balkan, die Sklaven von Rom und die Landarbeiter in Spanien zu den Goten, zu ihren Befreiern, über und halfen beim Plündern.
Weder Abwehr noch Ansiedlung lösten die Probleme
Die römische Germanenpolitik war in beiden Varianten gescheitert: weder die Abwehr noch die Ansiedlung lösten das Problem. Das Imperium Romanum war ein Vielvölkerstaat. Aberdutzende von Stämmen wurden assimiliert und integriert. Dauerprobleme gab es nur mit den Juden und den Germanen. Mit den Juden wurde man fertig, mit den Germanen nicht. Das Verhältnis zwischen den Römern und Germanen ist von Anfang an geprägt durch gegenseitigen Respekt.
Die Römer achteten die naturwüchsigen Sitten der Germanen, das Urteil von Tacitus und 300 Jahre später von Salvianus stimmt wesentlich überein. Auch die Freiheitsliebe der Germanen fand Anerkennung, wenn sie auch chaotische Züge zeigte. Stets bewunderte Rom die robuste Wehrkraft der Nordleute, freilich oft auch ein Grund zur Furcht. Aber man konnte diese Kerle mit den langen Beinen gebrauchen.
Umgekehrt faszinierte die Germanen Roms kultureller Glanz, der Reichtum in den Provinzen und die Größe des Imperiums. Sie dienten den Kaisern ohne Bedenken auch gegen ihre eigenen Landsleute. Trotz ihrer schließlich offenkundigen Überlegenheit im Felde verstanden sich die Germanen ohne Einbuße an Selbstachtung als Schüler der Römer, übernahmen zivilisatorische Errungenschaften, wählten Latein als Schriftsprache. Nur an das Leben in Städten konnten sie sich nicht so recht gewöhnen.
Die eigentlich optimale Ergänzung hätte zu einer für beide Völker fruchtbaren und friedlichen Synthese führen können. Das ist auf der politischen Ebene misslungen. Stattdessen ist die Geschichte ihrer Beziehung eine einzige Folge von Versuchen, eine solche Symbiose zu schaffen. Sie missriet. Die Germanenreiche auf dem Boden des Imperiums sind zugrunde gegangen. Gehalten hat sich nur das Frankenreich in Gallien, das aber die römische Tradition nur in erheblich verkürzter Form fortführen konnte.
Die Translatio Imperii auf die Franken, die Romzüge der deutschen Könige zur Kaiserkrönung durch den Papst, die Idee des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation – all diese Ansätze sind irgendwann gescheitert. Dieses Resultat stimmt trübsinnig; doch beruht das auf der Erwartung, dass es in der Politik Dauerlösungen geben könne oder gar müsse. Dagegen spricht alle historische Erfahrung.
Der Autor ist Historiker und hat mit „Der Fall Roms“ das Standardwerk zum Untergang des Römischen Reichs geschrieben.
Quelle: Welt.de / Alexander Demandt
Tags: Antike, Germanen, Roemer, Veranstalltungen, Völker
31.05.08
Neuer indigener Volksstamm in Brasilien entdeckt
Forscher haben im Amazonas-Regenwald einen bisher völlig unbekannten indigenen Volksstamm entdeckt, der völlig isoliert von der Außenwelt lebt. Als die Wissenschaftler das Siedlungsgebiet überflogen und Bilder machten, wurden sie sogar mit Pfeil und Bogen beschossen.
Eines davon ist jetzt gelüftet: Ein Indianerstamm - noch ohne Namen. Das Naturvolk hatte noch nie Kontakt mit unserer modernen Welt.
Der Kontakt mit den vergessenen Völkern in den Tiefen des Urwaldes ist nicht ungefährlich. So mancher Indianerstamm sucht bewusst die Isolation, begegnet den Fremden mit Aggressionen, zum eigenen Schutz.
Deshalb will die brasilianische Regierung auch den genauen Standort des neuentdeckten Stammes nicht veröffentlichen.
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Tags: Völker