Berufe - Vom Aussterben bedroht? ARTE stellt eine Reihe altehrwürdiger Handwerke vor, die in Reichtum und Vielfalt ihrer ... Arbeitsweisen ... und Produkte einzigartig sind. Vom Plisseebrenner über den Glasverformer bis zum Steinschneider präsentiert ARTE ungewöhnliche Portraits
18.12.08
Berufe - Vom Aussterben bedroht? Die Blattvergolder
16.12.08
16.12.1773: "Boston Tea Party"
Amerika im 18. Jahrhundert. Viele Gebiete im Nord-Osten des Kontinents sind von England besetzt. Die Einwanderer der Kolonien haben nur wenig Rechte. Ihre Arbeit soll nur einen Zweck erfüllen: den Reichtum Englands mehren. Auf Stoffe, Tee, Zucker, Wein, Papier und Druckerschwärze werden von den Kolonialherren Steuern erhoben.
Der Amerika-Experte Hartmut Keil erzählte, was sich immer mehr Einwanderer damals fragten: "Kann man sich von der englischen Krone so etwas aufzwingen lassen, während man gleichzeitig im englischen Parlament nicht vertreten war?"
No taxation without representation
Viele Einwanderer fordern: "No taxation without representation - Keine Steuern ohne Mitspracherechte". Der Widerstand gegen die Kolonialherren wächst, und John Dickinson schreibt 1768 das erste patriotische Lied Amerikas, den Liberty-Song und eine breite Boykottbewegung entsteht: Frauen beginnen zum Beispiel wieder selbst zu weben und englisches Tuch nicht mehr zu kaufen.
Die Einwanderer meiden auch englischen Tee oder englischen Zucker. Schmuggler machen sehr gute Geschäfte, denn sie verlangen keine Steuern. Die britische Regierung muss handeln, und so nimmt sie 1770 fast alle Sondersteuern für die amerikanischen Kolonien zurück. Nur die Steuer für englischen Tee bleibt.
Dazu Hartmut Keil: "Tee war der wichtigste Konsumartikel der damaligen Zeit. Auch die Elite trank Tee, aber nicht nur die Elite, in allen Schichten hatte sich das durchgesetzt." Deshalb blieb mit der Tee-Steuer auch der Ärger der Einwanderer erhalten - und er wurde noch größer als die britische Regierung im Mai 1773 der East India Company erlaubte, ihren Tee in den Kolonien zu Sonderkonditionen zu verkaufen. Zollfrei, denn die Company war in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und die englische Regierung wollte ihr helfen.
Boston Tea Party
"Da befürchteten andere Kaufleute in den Kolonien ein Monopol dieser East India Company und haben sich aus wirtschaftlichen Gründen sehr stark gemacht gegen die Einfuhr dieses Tees," sagte Hartmut Keil. Als in New York, Philadelphia, Charleston und Boston Schiffe der Company mit englischen Tee einlaufen, haben die lokalen Händler bereits den Widerstand mobilisiert. In zwei Städten müssen die Schiffe umkehren. Nur in Boston besteht der Gouverneur darauf, die Ladung Tee anzunehmen. Am Abend des 16. Dezember 1773 versammeln sich 5.000 Bostoner, um dagegen zu protestieren.
Hartmut Keil dazu: "Eine Gruppe zwischen 50 und 100 jungen Männern, die ganz grob als Indianer verkleidet waren, sind zum Hafen gegangen und haben die drei Schiffe geentert und haben den Tee in den Hafen geworfen, etwa 45 Tonnen."
Der Zeitzeuge George Hewes schreibt: "Am Morgen, nachdem wir den Tee von den Schiffen geworfen hatten, entdeckten wir, dass zahlreiche Mengen noch auf der Wasseroberfläche schwammen. Um zu verhindern, dass irgendwer diesen Tee für sich rettet, wurden einige kleine Boote bemannt. Sie fuhren zu allen Stellen des Hafens, wo noch Teeblätter sichtbar waren. Dort schlugen die Männer mit Rudern und Paddeln derart darauf ein, dass der Tee völlig durchnässte und damit garantiert unbrauchbar wurde."
Für ein unabhängiges Amerika
Das Ereignis wird unter dem Namen "Boston Tea Party" in ganz Amerika bekannt. Die Männer, die den Tee ins Meer warfen, finden in vielen Städten Nachahmer und werden zu den ersten Helden der Unabhängigkeitsbewegung.
"Die meisten waren Handwerker, wir würden sagen Bauarbeiter, Maurer, Zimmerer, Gerber und so weiter. Aber es waren auch ein paar Intellektuelle dabei. Also ein Lehrer war dabei, ein Arzt. Das zeigt so das ganze Spektrum des Protestes." So der Amerika-Experte Hartmut Keil.
Die britische Regierung bestraft die Stadt Boston hart. Der Hafen wird geschlossen, das Militär erhält das Recht, Wohnhäuser zu besetzen. Doch die Unabhängigkeitsbewegung lässt sich nicht mehr unterdrücken. Drei Jahre nach der Boston Tea Party gründen 13 Kolonien die Vereinigten Staaten von Amerika.
Tags: Heute vor...
Für Liebhaber der Antike
Ernst Künzl stellt Sachbuch über römischen Waffenschmuck vor
Ernst Künzl versteht es, die Vergangenheit anschaulich darzustellen. Er hält Geschichte lebendig, und er hat immer interessante Anekdoten parat. So auch bei der Vorstellung von Künzls neuem Buch im Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM), in der Abteilung Römerzeit. Jene Abteilung, deren Direktor Künzl einst gewesen ist.
"Unter den goldenen Adlern" heißt das Sachbuch, es geht darin um den Waffenschmuck des römischen Imperiums. Das Werk ist großzügig illustriert, es ermöglicht einen spannenden und authentischen Einblick in den Alltag der römischen Legionen. "Ich wende mich mit diesem Buch an die vielen Liebhaber der Antike, die mehr über das Thema erfahren möchten", sagte der Autor während der Präsentation.
Vorgestellt wurde das Sachbuch von einem Quartett: von Künzl selbst, von RGZM-Generaldirektor Falko Daim, von Albrecht Weiland, Geschäftsführer des Verlags "Schnell & Steiner", in dem das Buch erschienen ist, und von AZ-Redakteur Bernd Funke. Der Archäologie-Fachmann übernahm zugleich die Moderation der Buchvorstellung. "Das Buch ist kurzweilig, aufklärend, lesenswert", sagte Funke. Für den Fachmann sei es genauso interessant wie für den am römischen Reich interessierten Laien.
Ernst Künzl, Jahrgang 1939, hat in München, Frankfurt am Main und Köln Klassische Archäologie, Klassische Philologie und Alte Geschichte studiert. Von 1971 bis 2004 arbeitete er im RGZM. "Er genießt international ein großes Renommee", sagte RGZM-Generaldirektor Daim. "Das Buch hat er mit großem Engagement geschrieben", so Daim weiter. Außerdem verriet er: "Wir haben mit schon über weitere Buchprojekte gesprochen."
Mit einem Vortrag stimmte Künzl das Publikum auf sein neues Werk ein. Mit viel Witz und Charme verdeutlichte der Autor, dass vieles, was in Unterhaltungsmedien über die Antike verbreitet worden sei, schlicht falsch sei - auch wenn es sich dabei meist um Kleinigkeiten handele. Zum Beispiel habe die Berufsarmee der Römer anders ausgesehen als in einigen populären Filmdarstellungen. "Aber Comics wie Asterix und Filme wie Ben Hur bestimmen nun mal das Geschichtsbild", sagte Künzl.
Darüber beklagen wollte sich der Fachmann nicht. Sondern: "Ich hoffe, dass ich mich mit meinem Buch zumindest als kleiner Gegenpol zur Unterhaltungsindustrie werde behaupten können", sagte Künzl. Auf der einen Seite gebe es die Welt der Unterhaltungsindustrie, auf der anderen die Welt der "harten" Wissenschaft - und in der Mitte, in der "Zwischenwelt", da sehe er sich und sein neues Buch.
Ernst Künzl, Unter den goldenen Adlern. Der Waffenschmuck des römischen Imperiums, 154 Seiten, Farb- und Schwarzweiß-Abbildungen, 24,90 Euro, Verlag Schnell & Steiner.
Quelle: main-rheiner.de
Tags: Antike, Roemer, Veröffentlichungen, Waffen
14.12.08
Baukunst - Die Pariser Opéra Garnier u. Der Bahnhof St. Pancras in London
Die Dokumentationsreihe "Baukunst" präsentiert herausragende Bauwerke aus verschiedenen Jahrhunderten der Architekturgeschichte.
Die Pariser Opéra Garnier
Nach 15-jähriger Bauzeit wurde am 5. Januar 1875 die Opéra Garnier, nach ihrem Erbauer Charles Garnier benannt, eingeweiht. Als Charles Garnier seinen Entwurf beim Architektenwettbewerb einreichte, war er noch ein junger, fast unbekannter Architekt. Den Wettbewerb hatte Napoleon III. im Jahr 1860 im Rahmen der architektonischen Umgestaltung der Stadt Paris durch Baron Haussmann ausgeschrieben. Von den 171 anonym vorgelegten Entwürfen wurde am 29. Dezember 1860 der von Charles Garnier ausgewählt.
Während der Bauzeit war das Projekt den Wechselfällen der französischen Politik ausgesetzt, so dem Fall der Reichsregierung und dem deutsch-französischen Krieg von 1870. Die Geschichte der Pariser Oper reicht bis zur Gründung der "Académie Royale de Musique" durch Ludwig XIV. ins Jahr 1669 zurück. Das Opernhaus ist kugelartig konzipiert, schirmt den Besucher von der Außenwelt ab und gestattet ihm, in die Traumsphäre der Oper einzutauchen.
Der Eingangsbereich stellt den Übergang von der realen in die Traumwelt dar und bildet das architektonische Pendant zur Opernouvertüre. Das Bauwerk verbindet Klassizismus und Rationalismus im Sinne einer funktional ausgerichteten Architektur. Diese Begegnung von Tradition und Moderne zeigt sich auch in der Auswahl der Baustoffe: Der Zuschauerraum besteht aus einer riesigen Konstruktion aus verkleidetem Stahl und bildet somit den ersten Opernbau mit einer stählernen Innenstruktur. Der Zuschauerraum selbst ist nur sparsam ausgeschmückt, damit das Publikum nicht vom Geschehen auf der Bühne abgelenkt wird. Im Jahr 1964 gestaltet Marc Chagall das Deckengemälde, das verschiedene Allegorien zeigt und beim Betrachter Szenen aus dem Opern- und Ballettrepertoire evoziert.
Das Palais Garnier leitete zudem eine kleine Revolution der Sitten ein: Während der Pausen wandelten die Besucher durch die Gänge und das von Paul Baudry in zehnjähriger Arbeit dekorierte Foyer, anstatt in ihren Logen Gäste zu empfangen, wie das zuvor üblich war. Im Foyer ganz nahe an einem Fenster befindet sich übrigens eine Büste des Architekten, deren Blick nach draußen auf die Avenue de l'Opéra gerichtet ist.
Charles Garnier wollte einen Bau errichten, der selbst ein Schauobjekt sein würde, gewissermaßen als Kontrapunkt zu der im Inneren stattfindenden Opernaufführung. Um dieses Ziel zu erreichen, nutzte er alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel. Dabei war es sein großes Anliegen, nicht nur als Erbauer der Oper, sondern auch als ihr Direktor in die Geschichte einzugehen.
Tags: Baukunst, Dokumentation
Forscher entdecken Reste römischer Waffen
In einem Waldstück in Niedersachsen haben Archäologen Hunderte Überreste römischer Waffen gefunden. Sollten sie von einem Kampf zwischen Römern und Germanen stammen, wäre das eine Sensation - denn das blutige Geschehen spielte sich 200 Jahre nach der Varusschlacht ab.
Kalefeld - Schon am Mittwoch berichteten die Forscher über den Fund, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Jetzt wurden erste Einzelheiten über das Schlachtfeld bei Northeim in Niedersachsen bekannt. Es liegt in einem hügeligen Waldstück auf einer Anhöhe in der Nähe des Kalefelder Ortsteils Wiershausen, sagte Bürgermeister Edgar Martin und bestätigte damit einen Bericht der "Northeimer Neuesten Nachrichten". Auf dem mehrere Hektar großen Gelände lieferten sich womöglich Römer und Germanen einen Kampf - rund 200 Jahre nach der vernichtenden Niederlage in der Varusschlacht.
Der "Jahrhundertfund" bringe das bisherige Geschichtsbild ins Wanken, erklärte Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU): Bislang gingen Historiker davon aus, dass sich die Römer nach der Niederlage in der Schlacht am Teutoburger Wald weit zurückzogen. Die Ausgrabung belege, dass sie auch noch zwei Jahrhunderte später mitten im Germanengebiet groß angelegte Militäroperationen durchgeführt haben. Das gilt freilich nur unter der Voraussetzung, dass nicht etwa Germanen mit römischen Waffen gegen andere Germanen gekämpft haben.
Seit dem Sommer haben Archäologen in dem Waldstück abgeschirmt von der Öffentlichkeit bereits 600 Fundstücke geborgen, vor allem Waffen und Waffenteile, erklärte Martin. Unter anderem seien Speerspitzen mit DNA-Anhaftungen und Pfeile aus Hölzern entdeckt worden, die aus Afrika stammen.
Den Sensationsfund hätten die Archäologen wohl einem Zufall zu verdanken, sagte Martin. Vor mehreren Jahren habe ein Bürger auf dem jetzt als Schlachtfeld identifizierten Gelände einen antiken Gegenstand gefunden. Im Sommer dieses Jahres zeigte der Mann das Stück der Kreisarchäologin, die darin einen Fund aus der Römerzeit erkannte. Daraufhin seien die Grabungen eingeleitet worden.
Seitdem wurde ein sechsstelliger Euro-Betrag für die Erforschung des Areals aufgewendet. Um Hinweise auf ein mögliches Lager der Römer in der Nähe des Schlachtfeldes zu finden, hätten Flugzeuge mit Spezialkameras das Gelände überflogen. Bei einer für Montag geplanten Pressekonferenz sollen die Funde präsentiert werden.
Quelle: spiegel.de
Tags: Antike, Ausgrabungen, Germanen, Roemer, Waffen
Baukunst - Die Passage Umberto I. in Neapel
Die Dokumentationsreihe "Baukunst" präsentiert herausragende Bauwerke aus verschiedenen Jahrhunderten der Architekturgeschichte.
Die Passage Umberto I.
Die Galleria Umberto I. ist eine der letzten überdachten Passagen, die in Europa erbaut wurden. Die ersten überdachten Passagen wurden ab 1820 in Frankreich, später auch in anderen europäischen Ländern gebaut und fanden rasche Verbreitung. Mit der Schaffung von geschützten Passagen in den Stadtzentren wurden zwei Ziele verfolgt: Durch die so entstandenen Fußgängerzonen wurde das Straßennetz entlastet und dem Einzelhandel konnten wetterunabhängige Geschäftsräume zur Verfügung gestellt werden.
Die Passage Umberto I. gehört zur letzten Generation von Passagen, die sich durch ihren Monumentalstil auszeichnen. Passagen bescheidenerer Ausmaße gingen häufig auf die Initiative privater Unternehmer zurück, wohingegen Monumentalpassagen eindeutig als öffentliche Bauwerke verstanden wurden und fester Bestandteil städtebaulicher Sanierungsprojekte waren. Neben praktischen Beweggründen gab es auch politische und wirtschaftliche Motive, zum Beispiel entstanden bei diesem Vorhaben mitten in der Stadt auf Tausenden von Quadratmetern Raum für Geschäfte, Büros und elegante Wohnungen.
Im Zuge dieser großangelegten Immobilienspekulation fügten sich neue palastähnliche Gebäude zu einem Luxusviertel, das sich bewusst vom alten Stadtbild abheben wollte. Trotz des Monumentalstils handelt es sich aber nicht um ein echtes Architektenbauwerk: Die Passage war vor allem das Projekt von Investoren. Daher drückt sich das mit dem Bau einer überdachten Passage verfolgte Modernitätsideal lediglich in den gigantischen Ausmaßen, nicht aber in einer technisch oder architektonisch kühnen Gestaltung aus. Zum eigentlichen Erfolg der Passage Umberto I. wurde ihre riesige, öffentlich zugängliche Halle, die bei jedem Wetter von allen genutzt werden kann.
Tags: Baukunst, Dokumentation