26.12.08

Berufe - Vom Aussterben bedroht?Kristallglasschleiferei

Berufe - Vom Aussterben bedroht? ARTE stellt eine Reihe altehrwürdiger Handwerke vor, die in Reichtum und Vielfalt ihrer ... Arbeitsweisen ... und Produkte einzigartig sind. Vom Plisseebrenner über den Glasverformer bis zum Steinschneider präsentiert ARTE ungewöhnliche Portraits

23.12.08

Baukunst- Eine gebaute Sozialutopie im 19. Jahrhundert

Die Mauer eines riesigen Industriegeländes, auf der ein Firmenschild mit dem Namen "Godin" angebracht ist. Gegenüber der Eingang zu einem Gelände mit dem Hinweis: "Schritttempo - Privatgrundstück". Eine kleine Brücke überspannt eine Flusskrümmung. Am anderen Ufer steht ein langgezogenes, massiges Gebäude aus rotem Backstein, das sich radikal von seiner Umgebung abhebt: die von Jean-Baptiste André Godin entworfene Familistère in Guise.
Die Familistère stellt zunächst die Verwirklichung eines Projektes dar: das einer gemeinschaftlichen Wohnform - ein Novum in der damaligen Zeit, das so ausgereift war, dass es als Vorläufer des sozialen Wohnungsbaus betrachtet werden kann.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand im Zuge der Industriellen Revolution eine neue Bevölkerungsschicht, das Proletariat, das in den Städten auf engstem Raum zusammenlebte, dort aber unter schlimmsten, teils gesundheitsschädlichen Bedingungen. Zum ersten Mal stellte sich die Frage nach Arbeiterwohnungen: Die ersten Arbeitersiedlungen wurden nach dem Vorbild von Einfamilienhäusern gebaut, denn selbst die aufgeklärtesten Industriellen scheuten vor kollektiven Wohnformen zurück. Denn sie befürchteten, in diesen revolutionären Zeiten durch die Konzentration einer großen Anzahl von Arbeitern in gemeinsamen Unterbringungen einen Unruheherd zu schaffen.
Ganz anders die Familistère in Guise: Die Siedlung besteht aus einem einzigen 450 Meter langen Gebäude mit erhöhtem Erdgeschoss, drei Stockwerken und einem Dachgeschoss; 16 Gemeinschaftstreppen führen zu den Wohnungen, in denen 1.500 Menschen - und damit genauso viele wie in 300 Einfamilienhäusern - untergebracht werden können.
Realisiert hat die Anlage der Industrielle Godin: Um sein utopistisches Bauvorhaben für seine eigenen Arbeiter zu realisieren, wurde Godin vom Besitzer einer Firma für Gusseiserne Öfen zum Architekten. Das Ergebnis ist mehr als Architektur, es ist in die Praxis umgesetztes sozialpolitisches Programm.


21.12.08

Vieles ist verloren-Berliner Babylon-Ausstellung in London

Die Berliner Babylon-Ausstellung ist nun in London zu sehen. Dort wirft man einen genaueren Blick auf den Zustand der archäologischen Stätten.

Empörung wäre angebracht - ein Schrei der Wut und des Zorns über die Zerstörung und den Verlust! Die große Babylon-Ausstellung, die vor einigen Wochen in Berlin zu Ende ging, ist in London neu gestaltet worden und wie angekündigt wurde sie um eine Dokumentation über den Zustand der archäologischen Stätten ergänzt. Leider wirkt der kurze Film über die klägliche Lage im Irak nur wie eine lästige Fußnote. Und sein verhaltener, höflicher Ton, lässt Erregung, geschweige denn Wut, erst gar nicht aufkommen.

Aber zurück zum Anfang: Eine sehr schöne Ausstellung ist den Herren hier in London gelungen. Den großen Bogen über die Geschichte Babylons haben wir in Berlin schon erlebt. Nun kann wirft das British Museum einen genaueren Blick auf die Zeitspanne des 7. und 6. Jahrhunderts, die Zeit Nebukadnezars bis zum Eintreffen der Perser. Die relativ kleine Ausstellung ist ein Beweis, dass weniger mehr sein kann. Von den hundert Exponaten glänzen besonders die Tontafeln mit Keilschrift, kunstvoll beleuchtet im dunkelblauen Raum. Von oben rieselt die klangvolle babylonische Sprache des Textes herunter ins Ohr - und versetzt einen in jene ferne Welt zurück. Anders als in Berlin, erzwingt die neue direkte Konfrontation der babylonischen Exponate mit den moderneren Bildern einen Dialog zwischen den babylonischen, biblischen und europäischen Geschichten.

Selbstverständlich erfährt man auch hier nichts über Frauen, Sklaven oder sonstige Untertanen. Erneut stehen stehen die enorme Bauten, die technische Errungenschaften, die Kriegserfolge und der Frieden im babylonischen Reich im Zentrum. Betont werden besonders die Folgen für das jüdische Volk, das nach der Plünderung Jerusalems unter Nebukadnezar in ein rund sechzigjähriges Exil nach Babylon verschleppt wurde. Erst die Persische Eroberung ermöglichte die Rückkehr.

Dass die Aufklärung über die Zerstörung der letzten Jahre eher gedämpft ausfällt, ist kein Zufall. Aber unter den heutigen Gegebenheiten ist das Vorhaben an sich schon eine verdienstvolle Tat. Tatsächlich hat das British Museums bei der Rettung des irakischen Kulturguts und der Unterstützung ihrer irakischen Kollegen in den letzten Jahren eine führende Rolle eingenommen. Museumsbehörden und Archäologen haben vor dem Angriff im April 2003 dringend über die Gefährdung des kulturellen Erbes gewarnt. Trotz allen Bemühungen mussten sie frustriert und hilflos bei der Plünderung und Zerstörung zusehen.

Im Film sind jetzt die bekannten Stellen der Stadt Babylon zu sehen, an denen die Amerikaner 2003 einen Militärstützpunkt eingerichtet haben: Die uralten Ziegelsteine des Prozessionswegs zum Ischtar-Tor sind von den schweren Fahrzeugen beschädigt, Teile der Mardukfiguren sind zerbrochen (und neun dieser Figuren verschwunden!), die Erde der Stätte ist durch Öl und Chemikalien verunreinigt.

Nicht erwähnt werden die Zerstörungen in unzähligen anderen Stätten wie Umma, Ummal-Hafryat und Addab, um nur einige zu nennen. Sogar in Ur, der sumerischen Stadt aus dem 4. Jahrtausend - hier wurde Abraham geboren, hier ist das Gilgamesch-Epos entstanden - sind in den und um die archäologischen Stätten schwere Schäden durch die militärischen Aktivitäten entstanden. Wände und Mauer, die 5.000 Jahre heil überstanden haben, zeigen nun Risse und Bruchstellen. Der königliche Friedhof ist in Gefahr einzustürzen, die Südseite des Ziggurats, also des Stufentempels, ist durch einen Luftangriff beschädigt. Viele Teile dieser uralten Stadt sind unwiederbringlich verloren. Denn ihre Gemäuer bestehen bloß aus gebranntem oder auch ungebranntem Ton. Versteckt unter dem Sand, sind die Reste äußerst fragil und empfindlich. Unerwähnt bleiben aber auch die verbreiteten Plünderungen, die der Antiquitätenmarkt provoziert.

Eigentlich hatte das rechtswidrige Graben aufgehört. Nach der Revolution 1958 hat der Irak seine Fundstätten streng kontrolliert. Trotzdem beförderten verschiedene Ereignisse den Boom des illegalen Handels mit Kulturgütern. Als Ende der 80er-Jahren in den USA die Kurse an den Aktienmärkten einbrachen, suchten die Investoren infolgedessen nach anderen Investitionsmöglichkeiten und entdeckten die antike Kunst. Gleichzeitig verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage im Irak aufgrund des Krieges mit dem Iran. Nach den Sanktionen gegen den Irak 1990 brachte der Golfkrieg 1991 weiteres Chaos. Unter den Folgen litten die Ärmsten am stärksten, besonders im Südirak, und so fingen sie an, in den abgelegenen Stätten zu graben.

Schon 1994 gab es eine Flut von Fundstücken bei Händlern in London und anderen Handelszentren. Sammlungen in den USA, Japan und den Golfstaaten wuchsen in dieser Zeit beträchtlich. Seither sind weiter tausende von Fundstücken auf dem Markt gekommen; archäologische Schätze ohne Herkunftsangaben, womit die wichtigsten Informationen, die nur aus dem Grabungskontext herzuleiten sind, für immer verloren gingen. Informationen, die ein Schlüssel zu den Ursprüngen der Menschheit, zu Mythologie und Geschichte sind. Die Schuldigen sind nicht die Armen im Irak. Die Schuldigen sitzen in den USA, in Europa und im Nahen Osten. Die Schuldigen sind eine politisch apathische Öffentlichkeit und Wissenschaft, die die Entwicklung und den Erfolg des illegalen Handels befördern.

Wir lassen es zu, dass mit der Vor- und Frühgeschichte des heutigen Irak auch unsere eigene Geschichte verloren geht. Neil MacGregor, der Leiter des British Museums, spricht von den verschiedenen "Narratives" der Pariser, Berliner und Londoner Babylon-Ausstellungen. So verschieden sind diese Erzählungen nicht, sie eint das europäische kulturelle Erbe. Der Irak wird seine eigenen Erzählungen haben, auch die von der Zerstörung seines Kulturerbes, seines Potenzials, die Menschen des Landes zusammenzubinden.

Wenn auch unzulänglich, trägt die Babylon-Ausstellung in London dazu bei, diese Notlage im Irak ins Bewusstsein zu rücken. Es reicht nicht, die Schätze Mesopotamiens hier in Europa zu würdigen. Dass Handeln angesagt ist, zeigt auch das Beispiel eines im April dieses Jahres angekündigten Bauvorhabens in Bagdad. Dort soll ein Entertainmentpark im Disneystil entstehen, angesiedelt ausgerechnet im Al-Zawra-Park, einer funktionierenden Gartenanlage im islamischen Stil, in der sich seit jeher die Familien Bagdads am Wochenende treffen. Das Konzept wird vom Pentagon unterstützt.

Quelle: taz.de

Wie das Wasser nach Xanten kam

Was Archäologen der Außenstelle Xanten des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland vermutet und seit einigen Wochen durch Grabungen untersucht haben, hat sich nun bestätigt: Auch bei der römischen Wasserleitung nach Xanten, wurde das Wasser über eine Brücke geführt.

Die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana wurde durch Quellen am Nordosthang der Sonsbecker Schweiz versorgt, wo die Archäologen bereits Abschnitte der Wasserleitung kannten. Die nächsten Nachweise finden sich erst wieder im Bereich des Meisenweges in Xanten selbst. Der komplette Verlauf der Leitung war bislang nicht bekannt.

Eine erste Ahnung bekamen die Wissenschaftler durch Luftbilder des Luftbildarchäologen Dr. Baoquan Song von der Universität Bochum. Auf den Bildern sind dunkle Punkte - fast parallel zur Gelderner Straße - zu sehen, die sich wie Perlen auf einer Schnur aneinander reihen. Ob es sich wirklich um Fundamente der römischen Wasserleitung handelt, sollte durch geophysikalische Untersuchungen mit Sonden geklärt werden. Auch hier zeichneten sich die vermuteten Fundamente auf einer Strecke von mehreren hundert Metern deutlich ab.

Klarheit konnten aber letztlich nur die Ausgrabungen bringen. In einem Suchschnitt legten Mitarbeiter der Außenstelle Xanten vier Fundamente von Brückenpfeilern frei. Mittelalterlicher Steinraub hatte aber außer den quadratischen Bodenplatten aus Gussbeton von den Pfeilern selbst nichts übrig gelassen. Klar ist aber: Hier hat in römischer Zeit eine Brücke gestanden, um das Wasser über die 2,2 Kilometer breite Talsenke zwischen dem Balberger Wald und der Hees in die antike Stadt zu leiten. Außer in Xanten gab es vergleichbare Bauwerke im nördlichen Rheinland nur noch in Köln und Bonn.

Diese Grabungen sind jetzt wieder verfüllt, aber sie waren nur der Auftakt eines kleinen Forschungsprogramms, das auch insgesamt das Umfeld der römischen Stadt in den Blick nehmen wird: Die Ausgrabungen sollen im Jahr 2009 weiter gehen. So wird noch zu klären sein, ob die vorgefundenen Pfeiler zu einer Aquäduktbrücke - wie bei der großen Eifelleitung nach Köln - gehörten, oder ob die weite Talsenke mittels einer auf Bögen geführten Druckleitung - wie bei der Bonner Leitung - gequert wurde. Auch die Rekonstruktion der Brücke wirft spannende Fragen auf: im Pfeilermauerwerk wurden Steinreste gefunden, deren Herkunft die Geologen des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege im Rheinland derzeit versuchen zu klären.

Quelle: archaeologie-online.de

21.12.1940: Frank Zappa (†4.12.1993)

US-amerikanischer Rockmusiker. Zappa zählte aufgrund seines experimentellen Musikstils, der verschiedenste Richtungen einbezog, zu den einflussreichsten Musikern seiner Generation. Zappas erstes Album "Freak Out!" übte unter anderem einen großen Einfluss auf die Beatles und ihre Platte, "Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band" aus. In seiner 30-jährigen Karriere veröffentlichte Zappa mehr als 60 Aufnahmen, darunter "We´re only in it for the money" (1967) und "Hot Rats" aus dem Jahr 1969. In den 1980er Jahren setzte sich der Musiker gegen eine politische Initiative zur Zensur von Pop- und Rap-Musik ein. 1995 wurde er in die "Rock and Roll Hall of Fame" aufgenommen.


Ausführliche Interpretationen der Musik von Zappa bietet "Zappa-Analysis.com".(Englisch)


Homepage Frank Zappas.(Englisch)

21.12.1192: Richard Löwenherz inhaftiert

Am 21. Dezember 1192 nahm der österreichische Herzog Leopold V. den englischen König Richard I. Löwenherz gefangen, der sich auf dem Rückweg vom Dritten Kreuzzug befand. Zwischen den beiden war während des Kreuzzuges ein Streit entstanden, weshalb Richard I. versucht hatte, unerkannt durch die Herrschaftsgebiete Leopolds zu reisen. Leopold ließ Richard Löwenherz auf der Burg Dürnstein bei Wien inhaftieren, übergab ihn aber später an Kaiser Heinrich VI. Für die Freilassung verlangte Heinrich VI. von Richard I. ein Lösegeld. Erst nach der Zahlung der geforderten Summe wurde Richard Löwenherz 1194 wieder freigelassen.


Biografie Richard I. im "Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon".


Ein Eintrag zu Herzog Leopold V.

Keltisches Kriegergrab in Reinheim entdeckt

Mit Sondermitteln des saarländischen Ministeriums für Umwelt wurden Ende 2008 Ausgrabungen in Reinheim (Saar-Pfalz-Kreis) fortgesetzt. Die Untersuchungen erstreckten sich auf das bereits 2006/07 entdeckte vor- und frühgeschichtliche Friedhofsareal „Furtweg" nördlich am Fuße des Bergsporns „Homerich". Neben zwei einfachen Brandgräbern der frühen Urnenfelderzeit (um 1200 v. Chr.) ließen sich trotz Einebnung durch neuzeitlichen Ackerbau zwei weitere Grabhügel nachweisen.

Im Zentrum des Hügels 6, von dem sich als ehemalige Begrenzung ein Kreisgraben (Dm. 11 m) mit davor liegenden Pfostengruben erhalten hatte, fanden sich zwei Frauengräber der Hallstattzeit (6. Jh. v. Chr.). Während der Frühlatènezeit (um 400 v. Chr.) hatte man im nördlichen Randbereich des Hügels ein weiteres Grab eingebracht. Das Skelett der mit dem Kopf im Norden bestatteten Frau war vollkommen vergangen. Sie trug jeweils zwei Hals-, Arm- und Fußringe. Etwa 2 m nordwestlich des Zentrums von Hügel 7 fand sich das Brandgrab eines keltischen Kriegers aus der Mittellatènezeit (280-150 v. Chr.).

Der Leichenbrand war in der Mitte einer ovalen Grabgrube deponiert mit verbrannten Beigaben am Grubenrand. An seiner westlichen Seite lag die verbogene Lanze, mit der Tülle in Richtung Norden. Im Uhrzeigersinn folgten der ebenfalls rituell unbrauchbar gemachte Schildbuckel mit leicht ausladenden Flügeln und an der östlichen Seite das samt Scheide zusammengefaltete Griffangelschwert. Unter der Lanze war an die eiserne Fibel vom Mittellatèneschema ein Ringgürtel des Schwertgurtes ankorrodiert. Die Waffenkombination mit Schwert, Stoßlanze und Schild gehörte seit den großen Wanderungen und Kriegszügen 4. Jh. v. Chr. zur Standartausrüstung des keltischen Kriegers über einen Zeitraum von 300 Jahre.

Im Gebiet der Mediomatriker mit der Hauptstadt Divodurum (heute Metz) gehörte der keltische Krieger von Reinheim offensichtlich zur Führungsschicht. Sowohl hinsichtlich des quadratischen Umfassungsgrabens als auch der vollständigen Waffenausstattung lässt sich hier bislang für die Mittellatènezeit nur ein Grab aus einem Grabhügel von Mondelange bei Thionville vergleichen. In beiden Gräbern stellen die Beigaben lediglich, als „pars pro toto", eine bewusste Auswahl einer ehemals größeren, sicherlich reichen Grabausstattung dar. Dabei sollte wohl das Zurückbehalten von Beigaben eine Verbindung der Lebenden zum Toten aufrechterhalten. Durch die rituelle Unbrauchbarmachung der Waffen, die in der antiken Opferidee, etwa bei den keltischen Heiligtümern zu wurzeln scheint, glaubte man, den Kriegsgott beeinflussen zu können.

Quelle: archaeologie-online.de