Der Wohlfahrtsausschuß unter dem französischen Revolutionsführer Maximilian de Robespierre erließ ein verschärftes Terrorgesetz. Vorangegangen war ein fehlgeschlagener Anschlag auf Robespierre am 3./4. Juni 1794. In dem Gesetz wurde die Abschaffung der Voruntersuchungen und Verteidigung der Angeklagten vor dem Revolutionstribunal festgelegt und nur Freispruch oder Todesurteil zugelassen. Ferner wurde die Beleidigung der Volksvertretung und die Verweigerung aktiv an der Revolution teilzunehmen mit dem Tode bestraft. "La Grande Terreur" - "Der große Schrecken" begann. Vom 10. Juni 1794 bis zum 27. August 1794 wurden 1376 Menschen hingerichtet.
10.06.08
09.06.08
Museumsbusiness
International renommierte Museen - vom Pariser Louvre bis zum New Yorker Guggenheim - haben in den letzten Jahren verschiedene Dependancen eröffnet. Und dieser Trend setzt sich fort. Vor allem in den Golfstaaten und in China wünscht man sich spektakuläre Ausstellungshallen, errichtet von Stararchitekten, um große Kunst zu beherbergen. Die Dokumentation stellt an Kenner der Kunstszene die Frage, ob hier ein Ausverkauf der Kultur stattfindet oder eine Erweiterung der Museumslandschaft.
Der Louvre in Atlanta und Abu Dhabi, das Guggenheim-Museum in Bilbao, Venedig, Las Vegas, Berlin und bald in Abu Dhabi. Eremitage-Ableger in Amsterdam, Las Vegas sowie London und eines Tages vielleicht Beaubourg in Shanghai, das Rodin-Museum in Brasilien und das British Museum in Peking. Das ist der Trend: Große Museen eröffnen Filialen an fernen Orten.
Sind Museen dabei, sich zu Exportprodukten zu entwickeln? Jedenfalls schrecken sie nicht vor der Anwendung modernster Marketingtechniken zurück, um zu expandieren: Aufwertung einer Marke mit hohem Bekanntheitsgrad durch den Name des Museums, formschöne Verpackung durch ein Gebäude von einem Stararchitekten und attraktive Inhalte durch die ausgestellten Sammlungen.
Handelt es sich hierbei um gefährliche Kommerzialisierung oder Vermarktung der Kultur? Oder ist das Herausbilden eines gewissen Kulturbusiness eher positiv, um die Sammlungen zur Geltung zu bringen, neues Publikum zu gewinnen und kulturelle Einzugsgebiete zu erweitern? Bietet es den Institutionen nicht auch die Möglichkeit, ihre Mittel aufzustocken? Die Dokumentation erhebt nicht den Anspruch, all diese Fragen zu beantworten. Sie ermöglicht jedoch eine Begegnung mit wichtigen Akteuren dieses neuen Marktes und deckt kulturelle und wirtschaftliche Hintergründe auf. Gezeigt werden spektakuläre Museumsgebäude von Bilbao bis Atlanta, von Paris bis Abu Dhabi - beeindruckende Bauprojekte renommierter Architekten, deren raumplanerischer Einfluss auf ihr direktes Umfeld sich messen lässt. Der Film zeigt auch, welche Verhandlungen noch laufen, und die homerischen Schlachten, die sie in der Museumswelt auslösen. Die zentrale Frage ist jedoch: Wie sieht die Zukunft der Kunst aus?
(Frankreich, 2008, 53mn)
ARTE F
Regie: Sylvain Bergère, Stéphane Osmont
08.06.08
Göttinger Wissenschaftler bergen Münzschatz aus dem 12. Jahrhundert
Einen aus dem 12. Jahrhundert stammenden Münzschatz haben Wissenschaftler der Georg-August-Universität geborgen: Bei dem gut erhaltenen, in dieser Form außerordentlich seltenen Fund handelt es sich - mit einer Ausnahme - um Denare Heinrichs des Löwen aus der herzoglich welfischen Münzstätte Bardowick, die von 1141 bis 1180 existierte.
Die insgesamt 178 Silbermünzen geben vor allem Einblicke in die wechselvolle Geschichte einer Grenzregion, aus der nur spärliche Schriftquellen vorliegen. Die Münzen wurden bei Grabungsarbeiten im nordöstlichen Niedersachsen gefunden. In der Gartower Elbtalaue am Höhbeck untersuchen Forscher des Göttinger Seminars für Ur- und Frühgeschichte die Reste einer Handelssiedlung, die ursprünglich unter slawischer Herrschaft gestanden hat. Ihre Arbeiten sind Teil eines in drei Bundesländern angesiedelten Forschungsprojekts zum Thema "Slawen an der unteren Mittelelbe".
Im 7. Jahrhundert begann die Landnahme der Slawen an der Elbe. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Verbundprojekt soll Aufschluss geben über ländliche Besiedlung, Burgenbau, Besiedlungsstrukturen und Landschaftswandel und umfasst einen Untersuchungszeitraum bis zum hochmittelalterlichen Landausbau im 12. Jahrhundert. Im niedersächsischen Teilprojekt mit Wissenschaftlern der Georgia Augusta geht es insbesondere um das Verhältnis der Slawen und ihrer deutschen Nachbarn. "Die Mittelelbe war eine Grenzregion, in der es zu zahlreichen Kontakten und kriegerischen Auseinandersetzungen kam", so Prof. Dr. Karl-Heinz Willroth, Direktor des Seminars für Ur- und Frühgeschichte. Neben dem sogenannten Höhbeck-Kastell Karls des Großen zeugen davon zahlreiche weitere Burganlagen auf engstem Raum. Dazu gehört auch eine Niederungsburg, die einen Flussübergang bewachte. In unmittelbarer Nachbarschaft lag am Fuße des Berges Höhbeck hangaufwärts eine wichtige slawische Handelssiedlung. Nach dem Untergang der Burg bestand sie als deutsches Dorf weiter. Am Rande dieser Siedlung wurde im 12. Jahrhundert der Münzschatz vergraben.
Das einstige Siedlungsgelände ist heute ein großer Acker. Nach Angaben des Göttinger Ur- und Frühgeschichtlers Dr. Jens Schneeweiß wurden hier schon in früheren Zeiten immer wieder Scherben gefunden, darunter auch Teile slawischer Keramik. Nachdem es in diesem Areal bereits vor drei Jahren im Rahmen des DFG-Projekts eine systematische Oberflächenbegehung gegeben hatte, wurden im März 2008 erneut ausgewählte Fundplätze untersucht. Dennoch waren die Experten überrascht, als sie mit Hilfe von Metalldetektoren auf den aufgepflügten Münzhort stießen. Zunächst wurden 73 Münzen aus der Ackerkrume geborgen, weitere 105 Fundstücke kamen in einer Nachuntersuchung im April hinzu. Die Grube, in der der Münzschatz verborgen gewesen sein muss, konnte allerdings nicht mehr aufgefunden werden: Sie wurde offenbar durch den Pflug zerstört. Die Untersuchungen wurden von einer zertifizierten Detektorengruppe aus Schleswig-Holstein unter der Leitung von Dr. Schneeweiß durchgeführt.
Die welfischen Silbermünzen - mit einem Durchmesser von 17 bis 18 Millimeter - tragen auf der Vorderseite ein Kreuz und die Inschrift HEINRIC DVX (Herzog Heinrich). Sie sind Zeugnisse einer politisch höchst unruhigen Epoche. "Die Slawen waren unbeugsam. Etliche Versuche von westlicher Seite, sie zu missionieren und in Abhängigkeit zu bringen, waren im 10. und 11. Jahrhundert gescheitert. Erst unter Heinrich dem Löwen gelang es, vor allem durch geschickte Siedlungspolitik die slawischen Siedlungsgebiete dauerhaft unter deutsche Herrschaft zu bringen. Genau in diesen Zeitraum fällt der Münzschatz", erläutert Dr. Schneeweiß. Die Münzen sind für die Experten ein Beleg dafür, dass in der Fundregion ein gewisser Reichtum enstanden war, der vor Gefahren gesichert werden sollte. Aus den Fundstücken können sie detaillierte Informationen über Münzprägung, Umlaufdauer und Distribution ablesen. Derzeit schätzen Spezialisten den Wert des Münzfundes, der in die Denkmalliste des Landes Niedersachsen aufgenommen wurde. Bis zum Abschluss der wissenschaftlichen Auswertung bleibt er an der Georgia Augusta. Wo er dann aufbewahrt oder ausgestellt wird, ist noch nicht entschieden.
Das DFG-geförderte Verbundprojekt umfasst insgesamt drei archäologische und ein vegetationsgeschichtliches Teilvorhaben. Von Göttinger Seite sind daran neben Prof. Willroth und Dr. Schneeweiß auch Prof. Dr. Hans-Jürgen Beug und Jörg Christiansen vom Albrecht-von-Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften beteiligt. Sie arbeiten an einer Rekonstruktion des Landschaftsbildes, insbesondere des Elbverlaufs und der Wasserstände.
Tags: Ausgrabungen, Mittelalter
5.000 Jahre altes Großsteingrab wiederentdeckt
Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben dank der Aufmerksamkeit eines Bürgers eine 5.000 Jahre alte Grabanlage von frühen Bauern in Büren-Brenken (Kreis Paderborn) wieder entdeckt.
"Das Grab ist vor 150 Jahren erstmals erwähnt worden, doch ist das Wissen um die genaue Fundstelle im Laufe der Zeit verloren gegangen. Wir sind froh, dass wir seine genaue Lage nun kennen", erklärt Dr. Hans-Otto Pollmann, Archäologe der LWL-Außenstelle Bielefeld.
Das sogenannte Galeriegrab ist mindestens 20 Meter lang und zwei Meter breit. Frühe Bauern hatten es vor rund 5.000 Jahren als Sammelgrab für ihre verstorbenen Angehörigen errichtet. Die großen Kalksteinplatten stehen fast einen Meter tief im Lehmboden, die Bestattungen auf den Boden des Grabes sind noch unberührt.
Die Wiederentdeckung des Grabes ist der Aufmerksamkeit von Johannes Happe aus Büren-Brenken zu verdanken. Er wusste von Bauern, die mit ihrem Pflug immer wieder an großen Steinen hängen geblieben waren und hatte dies der LWL-Archäologie für Westfalen gemeldet. Mit einer archäologischen Sondierung konnten die Fachleute das Großsteingrab lokalisieren.
Tags: Ausgrabungen
8.6.1815: Wiener Kongress
Die Welt ist aus den Fugen geraten. Der Aufstand der Völker hat den Revolutionskaiser Napoleon hinweggefegt. Aber die Hoffnungen der Menschen erfüllen sich nicht, denn Selbstbewusstsein und nationaler Freiheitsdrang werden am Ende der Kriege wieder zurückgedrängt.
Auf dem Wiener Kongress am 8. Juni 1815 versuchen die Staatsmänner Europas zwar, die Welt wieder zu ordnen, aber die Zeit gehört dem Großbürgertum, gehört den Perücken, Zöpfen und Staatsröcken, die sich eng an die staatliche Gewalt anlehnen. Das Deutsche Reich existiert seit 1806 nicht mehr.
Anfängliche Hoffnungen auf eine Wiederherstellung, auf ein erneuertes, einiges Deutsches Reich aller Stämme erfüllen sich nicht. Es scheitert am Egoismus der Fürstenhäuser, an der Eifersucht der Mächte. Weder Preußen noch Österreich, für das Klemens Fürst von Metternich führend an der Neuordnung Europas beteiligt ist, billigen dem jeweils anderen die Vorherrschaft zu, und so wird der "Deutsche Bund", ein loser Staatenbund, der sich aus 35 Einzelstaaten und vier freien Reichsstädten zusammensetzt, ins Leben gerufen. Die Historikerin Beatrix Bouvier, Professorin an der Universität Darmstadt:
"Da wurden Grenzen gezogen, nach den ausgehandelten Interessen der Mächte, ohne die Völker zu befragen. Insofern ein alter Zopf. Positiv an dieser Neuordnung oder an den Auswirkungen des Wiener Kongresses sind ohne Zweifel, dass sie Europa in dieser nach-napoleonischen Zeit lange Zeit Frieden beschert hat."
Der Deutsche Bund soll die äußere und innere Sicherheit der einzelnen Staaten garantieren und ihre Unabhängigkeit und Unverletzlichkeit sicherstellen. Kompetenzen und Zuständigkeiten werden in der Bundesakte festgeschrieben, in manchen Fragen bleibt aber alles recht unbestimmt. Es gibt keine gemeinsame Exekutive, kein oberstes Gericht, das politische Leben spielt sich in den Einzelstaaten ab. Einziges Bundesorgan ist die Bundesversammlung, kein Parlament, vielmehr eine ständige Diplomatenkonferenz.
Verbittert reagieren die Freiheitskämpfer, die national und liberal denkenden Patrioten auf den Obrigkeitsstaat, an dessen Spitze Fürst Metternich steht. Ein Mann, der in jeder Veränderung eine Gefahr sieht, ein Mann, der sich eines Polizeistaates, ja, so sieht es die Historikerin Beatrix Bouvier, eines Spitzelstaates bedient:
"Er ist so sehr geprägt vom aristokratischen Denken, dass er jede Form von - was wir später Demokratie nennen - für etwas Absurdes gehalten hat, weil er das für revolutionäre Umtriebe oder Auswüchse der französischen Revolution hielt. Innenpolitisch ist dieses System von einem Beharren und Bewahren geprägt, was dann eben als System Metternich berüchtigt wurde, weil es immer repressiver wurde. Es gab keinerlei Formen von Pressefreiheit, Leute wurden suspendiert von ihren Ämtern, sie wurden aus dem Lande gejagt oder mussten fliehen."
Die Jugend ist es vor allem, die sich mit dem Obrigkeitsstaat nicht abfindet. Die Schüler Johann Gottlieb Fichtes, die Anhänger des Turnvaters Jahn, vorandrängende junge Männer, verzichten nicht auf die hohen Ideale der Kriegsjahre. Universitäten sind Sammelpunkte des studentischen Lebens. In Wien, Berlin und anderen Orten werden Burschenschaften mit Misstrauen und Widerwillen beobachtet. Das Wartburgfest ist dann für den Staat Beweis für die Gefährlichkeit der Bewegung, eine Bewegung, die sich in Trinksprüchen wie diesen erklärt:
"Hol der Teufel den Metternich und sein deutsches Zuchthaussystem, und hol er alle Polizeispitzel, Agenten, bezahlten Zeitungsschmierer und die alleruntertänigsten Hofräte, Beamten und Korporale."
Auch der gereizte Heinrich Heine lässt seiner ungezügelten Lästersucht freien Lauf: "Deutschland hat seinen Staatenbund, die garantierte Ohnmacht. Aber der Arm der Obrigkeit reicht immer noch hin, jede freie Regung zu ersticken."
Der Deutsche Bund zerbricht 1866 wegen des österreichisch-preußischen Konflikts.
Autorin: Monika Lohmülle
Tags: Heute vor...
07.06.08
7.6.1494: Spanien und Portugal teilen die Welt
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum die offizielle Landessprache in ganz Lateinamerika Spanisch, sie aber nur in Brasilien, dem größten Land des Kontinents, Portugiesisch ist? Und hätten Sie gedacht, dass diese scheinbar ureigen-südamerikanische Entscheidung der in Italien residierende Herr über die Christenheit, der Papst, herbeigeführt hat?
Sie ahnen schon: Die Angelegenheit wurde in längst vergangenen Tagen entschieden, als sich die Befugnisse der Päpste mitunter auch auf ganz irdische Umstände bezogen, und als es noch zahlreiche Regionen der Welt gab, von deren Existenz niemand etwas wusste, und zu denen man sich deshalb aufmachte, sie zu entdecken und besetzten.
Es war am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit, als Papst Alexander VI. im Streit zwischen Portugal und Spanien um diese neuentdeckten und noch zu entdeckenden Länder vermittelte.
Am 7. Juni 1494 schlichtete der Papst den Konflikt zwischen den beiden Kolonialmächten im Vertrag von Tordesillas. Mit einer willkürlichen Trennungslinie, die den südamerikanischen Kontinent von Nord nach Süd durchschnitt, legte er die spanischen und portugiesischen Herrschaftsansprüche fest. Eine Folge des päpstlichen Schlichterspruchs von 1494 ist die sprachliche Erscheinung, wie wir sie heute noch sehen.
Aber der Reihe nach: Kolumbus hatte im Auftrag des spanischen Königspaares, Ferdinand von Aragón und Isabella von Kastilien, soeben Amerika entdeckt. Rasch waren die Küstengebiete weiter Teile Mittel- und Südamerikas erschlossen worden.
Wie selbstverständlich erhoben die Spanier Anspruch auf die Beherrschung dieses Teils der Welt, das schließlich ein in ihrem Auftrage und unter spanischer Flagge segelnder Genuese entdeckt hatte. Auch der Entdecker selbst, Kolumbus, sah es so: In seinem Bordbuch schreibt er über seine Ankunft auf den Südamerika vorgelagerten Inseln, er habe nachdem er die königliche Flagge errichtet habe die beiden Kapitäne der anderen Schiffe und die gesamte Besatzung herbeigerufen.
Kolumbus: "Ich habe ihnen gesagt, sie sollen durch ihre persönliche Gegenwart als Augenzeugen davon Kenntnis nehmen, dass ich im Namen des Königs und der Königin, meiner Herren, von der Insel Besitz ergreife."
So einfach schien das: Neu entdeckte Inseln und Länder galten unabhängig davon, ob sie bewohnt waren oder nicht, als herrenlos und gehörten dem, der sie als erster gefunden und besetzt hatte.
Schließlich war auch Portugal jahrelang so verfahren und hatte sich auf diese Weise einen ansehnlichen Herrschaftsbereich in Westafrika gesichert. Die Portugiesen, die bereits seit der ersten Hälfte des 15. Jahrhundert Segler unter ihrer Flagge auf Entdeckungstouren schickten, brauchten jedoch lange keine Konkurrenz zu fürchten - bis Spanien, das bislang mit der Sicherung des eigenen Herrschaft auf der Iberischen Halbinsel beschäftigt war, auf den Plan trat.
Die Konkurrenz war für die Portugiesen ungewohnt, zumal für sie feststand, dass es an ihnen sei, die "Länder der Ungläubigen" zu erobern, die Bewohner zu versklaven und sich ihres Besitzes zu bemächtigen. Das hatten sie sich sogar 1455 vom damaligen Papst Nikolaus V. bestätigen lassen. Natürlich ging es weniger um die christliche Mission, sondern vielmehr um den wirtschaftlichen Profit, um die erwarteten Reichtümer und Schätze fremder Länder. Aber das machte die Sache nicht eben leichter.
Als die Portugiesen den Spaniern dann auch noch mit ihren von Papst Nikolaus autorisierten Ansprüchen kamen, versuchten die Spanier flugs sich der Zustimmung des neuen Papstes Alexander VI. zu versichern.
Der Papst brauchte einige Versuche, ehe sich beide Seiten zur Einigung bereit erklärten und sie seine Trennungslinie akzeptierten. Abgesehen von der östlichen Küstenregion waren allerdings weite Teile des südamerikanischen Kontinents noch unbekannt, so dass die päpstliche Trennungslinie keineswegs in der Mitte des Landes verlief. Wenn das die Portugiesen gewusst hätten! Sicher hätten sie an der Allmacht des Papstes gezweifelt, und gewiss hätten sie die päpstliche Weltherrschaft, die Oberhoheit des Papstes auch über alle Heidenvölker angezweifelt.
So erklärten sich sowohl die Spanier als auch die Portugiesen erst einmal mit der Aufteilung der bekannten Welt einverstanden. Dass mit immer neuen Entdeckungen und immer neuen Entdeckern bald wieder Streit entstand, war am 7. Juni 1494 noch nicht abzusehen.
Aber auch die päpstlichen Zuständigkeit blieb nicht lange unangefochten. Länger dauerte es, bis auch die Herrschaftsallüren der christlichen Kolonialherren über die sogenannten Heidenvölker zweifelhaft wurden.
Autor: Jens Teschke
Tags: Heute vor...
06.06.08
Fatehpur Sikri, Indien - Die Geisterstadt des Großmoguls
Eine alte Legende berichtet von der Entstehung von Fatehpur Sikri, der "Stadt des Sieges", in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts: Der kinderlose Großmogul Akbar betete in der Klause des berühmten Eremiten Salim Christi um die Geburt eines Sohnes. Der Heilige prophezeite ihm drei Söhne. Als ihm wenig später tatsächlich ein gesunder Junge geboren wurde, errichtete Akbar am Wohnsitz des Eremiten aus Dankbarkeit eine ganze Stadt - Fatehpur Sikri. Ganz aus rotem Sandstein erbaut und mit allem Komfort ausgestattet, wurde die Stadt nach kaum zehn Jahren wieder verlassen. Zurück blieb eine Geisterstadt. Noch heute kann man, ganz wie vor 400 Jahren, durch eine intakte, hochherrschaftliche Stadt wandeln. Die untergegangene Metropole vereint zwei Gegensätze: die figurative Architektur der Hindus und die geometrische des Islams.
In Bildern und Erzählungen beschreibt Anja Freyhoff einen Ort, an dem sich - so scheint es - die Inschrift bewahrheitet hat, die Akbar auf dem Höhepunkt seiner Macht am Tor der Großen Moschee hat anbringen lassen: "Die Welt ist eine Brücke. Gehe darüber hinweg, aber baue kein Haus darauf. Was vom Leben bleibt, ist ohne Wert."
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