Durch 15 Durchlässe im Wall stürmen seine Krieger hinunter in die Senke. Aber selbst nach drei Tagen fast pausenlosen Kämpfens sind die Legionäre noch mutig und diszipliniert. Endlich zeigt sich der Gegner, weicht nicht mehr aus, sondern bietet die Möglichkeit zum Gegenschlag. Tief gestaffelt, Schild an Schild, treiben die Römer die Germanen zurück zu deren Verschanzung. Sie attackieren den Wall, überrennen ihn, Teile der improvisierten Konstruktion brechen unter dem Gewicht der kämpfenden Männer zusammen.
Die römischen Soldaten sind geschwächt
Doch die Rebellen tatsächlich zu schlagen, dazu reicht die Kraft der Römer nicht mehr aus. Sobald sich die Legionäre zurückziehen, greifen die Germanen erneut an. Varus, umzingelt von den cheruskischen Angreifern, bereits verwundet und gewiss, seine Legionen ins Verderben geführt zu haben, wählt, getreu der römischen Tradition, den Freitod. Er kniet nieder und stürzt sich in sein Schwert. Die Truppenführer folgen seinem Beispiel. Nach dem Selbstmord des Varus zerbricht die militärische Ordnung vollends. Viele Legionäre stürzen sich wie ihr Kommandeur in ihre Schwerter, andere werfen die Waffen weg und lassen sich niederhauen oder gefangen nehmen. Die letzten, erbittertsten Kämpfe entbrennen um die Feldzeichen. Ein Adler nach dem anderen sinkt zu Boden, jubelnd erbeutet von den Germanen.
Die Germanen plündern die Besiegten
Überall auf dem Schlachtfeld werden die Leichen gefleddert. Die Sieger reißen die Waffen von den Gürteln, ziehen den Toten die Rüstungen aus, die Helme vom Kopf. Sehr begehrt sind die silbernen oder vergoldeten Gesichtsmasken der römischen Reiter, die Äxte der Pioniere, die Lote und Senkbleie zum Vermessen, die Knochenheber, Scheren der Ärzte. Pferdegeschirre werden aufgehoben, Sättel und Zaumzeug, selbst die Radnaben von zerbrochenen Wagen abmontiert. Zerwühlt wird das Gepäck, durchsucht nach Münzen und Schmuck. Zu den plündernden Kriegern gesellen sich die Bewohner der umliegenden Dörfer. Jeder Handwerker sucht Metall. Schon eine einzige römische Sandale enthält Dutzende eiserner Nägel. Aus Eisen sind auch die Schildbuckel und Gürtelbeschläge, die Scharniere der Panzer und die Halsglocken der Maultiere.
Auf Arminius' Befehl tragen Boten das Haupt des Varus zu Marbod. Ihn, den König der Markomannen, sein großes Vorbild, will der Cheruskerfürst für ein Bündnis gewinnen. Doch der Herrscher denkt nicht daran, das Imperium zu provozieren. Pietätvoll sendet er den Kopf weiter nach Rom. Am Ort des Sieges zelebrieren die Germanen ihren Dank an die Götter. Auf rasch errichteten Altären opfern sie die gefangenen römischen Offiziere. Gut möglich, dass sie ihnen - wie einst bei den Kimbern und Teutonen üblich - die Kehlen durchschneiden und das Blut in Behältern auffangen. Je nachdem, welcher Gottheit ihr Opfer gilt, wählen sie für die anderen Gefangenen unterschiedliche Todesarten: den Galgen für all jene, die man den Himmlischen weiht, Martergruben für die den Erdgottheiten Bestimmten. Die Schädel der Toten befestigen die Krieger an den Bäumen - so beschreibt es Tacitus.
"Varus, gib mir meine Legionen wieder!"
Im fernen Rom kann Kaiser Augustus das Geschehene nicht fassen. "Varus, gib mir meine Legionen wieder!", ruft er gemäß seinem Biografen Sueton aus, als er die Nachricht von der Niederlage erhält. Die Schlacht wird als eine der größten militärischen Katastrophen in der Geschichte des Imperiums in die Werke römischer Literaten und Historiker eingehen.
Das Land zwischen Weser und Rhein geht dem Imperium nach der Schlacht fast vollständig verloren. Alle Kastelle und Stützpunkte werden von den Germanen zerstört. Die Sorge der Römer, Arminius könnte über den Rhein vordringen, die nur schwach besetzten Legionslager erobern und den Aufstand bis nach Gallien tragen, erfüllt sich indes nicht. Erst unter Germanicus, dem Neffen des Tiberius, beginnen im Jahr 15 n. Chr. groß angelegte Offensiven, bei denen römische Truppen bis ins Zentrum des Widerstands vordringen: ins Land der Cherusker an der Weser.
Rom zieht sich endgültig zurück
Doch die Verluste der Römer sind so hoch, dass Tiberius - seit 14 n. Chr. Kaiser in Rom - seinem Statthalter befiehlt, alle Operationen in Germanien abzubrechen und sich endgültig hinter die Rheinlinie zurückzuziehen.
Und doch: Nur fünf Jahre nach dem Abzug der Römer trifft ein, was Tiberius bereits lange zuvor prophezeit hat: Wenn man die Germanen sich selbst überlasse, erledige sich das Problem von selbst. Ohne den gemeinsamen Feind versinkt das Land in den alten Zustand dauernder Fehden, innerhalb der Stämme ebenso wie zwischen ihnen. Trotz seiner Erfolge verweigern die Cherusker Arminius die Königswürde. In der Adelsgesellschaft der Gleichen will man keinen, der an Einfluss und Macht die anderen überragt. Und da sie seinen Ehrgeiz fürchten, töten ihn im Jahr 21 n. Chr. die eigenen Verwandten. Hinterrücks.
Quelle: Geo.de / Text von Ralf-Peter Märtin
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Das Museum Kalkriese dokumentiert am historischen Ort der Schlacht die Erforschung der römischen Niederlage im Osnabrücker Land
Interview: Wo siegte Arminius?
Der Historiker Rainer Wiegels über die Lesart archäologischer Funde und die Suche nach dem Schauplatz der legendären Varusschlacht
Alltag: Wie lebten die Germanen?
Um 50 v. Chr. errichteten Bauern im Marschland an der Weser eine Siedlung. Seither konserviert der Boden ihre Spuren und ermöglicht so einen einzigartigen Einblick in den germanischen Alltag
Die Germanen: Buchtipps
Empfehlungen der GEOEPOCHE-Redaktion für eine vertiefende Lektüre
03.01.09
Varusschlacht: Marsch ins Verderben (5v5)
Tags: Antike, Die Varusschlacht:, Germanen, Roemer
Baukunst - Centre Georges Pompidou
Nach siebenjähriger Bauzeit wurde 1977 das "Centre National d'Art et de Culture Georges Pompidou" eingeweiht. Das Kulturzentrum, das nach dem historischen Stadtviertel, in dem es sich befindet, auch Centre Beaubourg genannt wird, beherbergt neben einem neuen Museum für moderne Kunst unter anderem eine öffentliche Bibliothek, mehrere Lesesäle, Ausstellungsräume für wechselnde Ausstellungen zeitgenössischer Kunst sowie ein Kino. Auch Pierre Boulez sollte dort sein Zentrum für zeitgenössische Musik bekommen; außerdem war die Unterbringung eines ohnehin notwendigen Design Centers geplant. Ganz nach Pompidous Motto: "Wir packen sie alle in ein Gebäude, und möglichst viele sollen Zugang haben."
Die beiden Architekten, der Engländer Richard Rogers und der Italiener Renzo Piano, waren damals kaum 30 Jahre alt und noch ganz unbekannt. Zum ersten Mal gewannen sie mit einem gemeinsamen Entwurf einen Wettbewerb. Ihr "Informationszentrum" geht mit der Zeit, denn es ist wandelbar. Des weiteren bestach an dem Entwurf, dass er die Beteiligung der Besucher an Veranstaltungen in den Mittelpunkt stellte.
Die Veranstaltungen auf dem von einer Fußgängerzone umgebenen Vorplatz verweisen bereits auf das Geschehen im Innern des Gebäudes: Man kann sich setzen, mit anderen sprechen oder einfach nur schauen, kurz, das Miteinander auf der Straße verlängert sich bis ins Gebäude hinein: Zum riesigen Eingangsbereich des Kulturzentrums ist der Zutritt frei. Hinter der transparenten Fassade zum Vorplatz gewährleisten Rolltreppen und Fahrstühle die Beförderung der Besucher und führen gleichsam in der Vertikalen die Bewegung der Fußgänger im städtischen Raum weiter. In der Fassade zur Rue du Renard hin sichtbar und durch die Verwendung unterschiedlicher Farben gekennzeichnet, sind alle technischen Funktionen wie Belüftung, Wasser- und Stromversorgung, Transport der Werke und großer Lasten untergebracht.
Das Prinzip, alles zu zeigen und alles als nützlich auszuweisen, war zumindest zur Zeit des Entwurfs eine Provokation. Mittlerweile ist das Centre Beaubourg ein Pariser Wahrzeichen geworden, das tagsüber an seinen bunten und metallfarbenen Röhren erkennbar ist und sich nachts wie ein riesiges, beleuchtetes Schiff im Lichtermeer abzeichnet.
Tags: Baukunst, Dokumentation
Vortragsreihe Byzantinische Archäologie Mainz
Des Kaisers ungeliebte Söhne
Awaren und Byzanz in historisch-kulturwissenschaftlicher Perspektive.
Der zweite Vortrag der neuen Vortragsreihe der Byzantinischen Archäologie Mainz (BAM) findet am 12. Januar um 18.15 Uhr im Hörsaal des Instituts für Kunstgeschichte statt. Es spricht Univ.-Doz. Dr. Falko Daim.
Die vierteilige Vortragsreihe wird veranstaltet von der Byzantinischen Archäologie Mainz in Verbindung mit dem Institut für Kunstgeschichte, AB Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Die zwei folgenden Vorträge finden am 21.1. und am 4.2.2009 jeweils um 18.15 Uhr ebenfalls im Hörsaal des Instituts für Kunstgeschichte statt.
Die Byzantinische Archäologie Mainz ist eine Einrichtung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
Adresse
Binger Straße 26
D - 55122 Mainz
Quelle: web.rgzm.de
Tags: Veranstalltungen
3.1.1521: Bannstrahl für Luther
1514 fängt der 31-jährige Martin Luther als Prediger in der Wittenberger Stadtkirche an. Bei seiner Arbeit stellt er fest, dass viele Wittenberger nicht mehr bei ihm beichten, sondern lieber Ablassbriefe kaufen. Dieser Ablass wird auf Marktplätzen angeboten, und mit diesem Geschäft mit der Sünde verdient die Kirche dringend benötigtes Geld. Wie ein Marktschreier verkauft so zum Beispiel der Dominikanermönch Johann Tetzel seine Ware. "Wenn das Geld im Kasten springt, die Seele in den Himmel springt" soll er gesagt haben.
Dem jungen Prediger Luther ist dies alles zuwider. Er glaubt an die Beichte, daran, dass sich jeder der Gnade Gottes anvertrauen müsse. Im Oktober 1517 schickt Martin Luther 95 Thesen an seinen kirchlichen Vorgesetzten. Dass Luther diese Thesen mit lauten Schlägen an das Tor der Wittenberger Schlosskirche hämmert, gilt heute als Legende. Doch die Thesen werden rasch gedruckt, geraten in Leipzig, Nürnberg und Basel unter die Leute.
Luther wagt die Provokation
1518 eröffnet Rom dann einen Ketzerprozess gegen Luther. Gut zwei Jahre später droht der Papst mit einem Bann, wenn der Rebell seine Thesen nicht widerrufe. Martin Luther protestiert demonstrativ.
Öffentlich verbrennt er im Dezember 1520 die Bulle des Papstes. Er zündet die letzte Mahnung von Leo X. einfach an, ohne seine Lehren zu widerrufen. An diesem Dezembertag in Wittenberg wirft Luther auch ein Kirchengesetzbuch und mehrere Werke seiner Gegner ins Feuer. Der Legende nach ruft er dabei: "Weil du gottloses Buch den Heiligen des Herrn betrübt oder geschändet hast, so betrübe und verzehre dich das ewige Feuer."
Nun hat Martin Luther endgültig und unwiderruflich mit Rom gebrochen. Als die Meldung von diesem skandalösen Schauspiel den Papst erreicht, zögert der nicht lange und verhängt über Martin Luther am 3. Januar 1521 den sogenannten Bannfluch. Der Reformator gilt nun als Ketzer und Ablassprediger.
Unterstützung für Luther
Es gibt aber auch einige Fürsten, die sich für den Protestanten Luther einsetzen. Sie glauben, dass durch ihn die Macht Roms eingedämmt werden könnte. Sie überzeugen den Kaiser, Luther zum Reichstag nach Worms einzuladen. Im April 1521 macht sich Luther auf den Weg.
Doch die Fahrt nach Worms wird nicht zu dem von der Kirche erhofften Bußgang. Unterwegs wird Luther immer wieder begeistert empfangen. Er predigt in Erfurt, Gotha und Eisenach, und auch die Bürger von Worms feiern ihn bei seiner Ankunft.
Im Reichstag sei Luther dem Kaiser sachlich und klug begegnet, so ist es überliefert. Zweimal muss der Reformator vor dem Kaiser erscheinen. Luther wird immer wieder sehr deutlich gesagt, er solle doch nun endlich widerrufen. Alle rechnen damit, dass er seine Thesen für ungültig erklärt, doch Martin Luther sieht dafür keinen Grund.
"Durch die Stellen der heiligen Schrift bin ich gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!"
Martin Luther beruft sich vor dem Kaiser auf die Freiheit seines Gewissens. Nicht vor Fürsten und Päpsten müsse er sich rechtfertigen, das freie Gewissen müsse der Maßstab sein.
Bibelübersetzung auf der Wartburg
"Ich bin hindurch!", soll Martin Luther erleichtert nach seinem Auftritt im Reichstag gerufen haben. Ein Schutzbrief sichert ihm freies Geleit zu und schützt ihn vor einer drohenden Verhaftung. Der Kaiser verhängt über Luther die Reichsacht. Das bedeutet: Martin Luther ist nun vogelfrei, Kerker und die Vernichtung seiner Schriften drohen. Auf der Rückreise lässt der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise Luther entführen. Er will, dass der hoch gefährdete Reformator kurzzeitig von der Bildfläche verschwindet.
Er bringt Luther auf die abgeschiedene Wartburg, wo dieser beginnt, die Bibel zu übersetzen. Was Luther begonnen hat, ist nun nicht mehr aufzuhalten. Kaum einem der Fürsten im Wormser Reichstag ist klar, was sich vor ihren Augen abspielt. Die Reformation ist ins Rollen geraten, das Mittelalter geht zu Ende und die Neuzeit bricht an. Und aus dem Protest des Reformators entsteht die Protestantische Kirche.
Quelle: kalenderblatt.de
Tags: Heute vor...
01.01.09
Varusschlacht: Marsch ins Verderben (4v5)
Am schwersten trifft es die Legionäre in den Wäldern, wo sie "auf engem Raum zusammengepresst, damit Reiter und Fußvolk gemeinsam dem Feind entgegenstürmen könnten, vielfach aufeinander oder gegen die Bäume stießen". Doch nicht der Wald ist fatal für die Römer - sondern die Kampfkunst des Cheruskerfürsten.
Arminus kennt die Strategie seiner Feinde
Als Begleiter und Beobachter römischer Feldzüge hat Arminius gelernt, die Legionen niemals frontal anzugreifen, eine offene Feldschlacht zu vermeiden. Seine Taktik besteht darin, die Römer durch einen Geschosshagel zu Vorstößen zu reizen, sie dann ins Leere laufen zu lassen und schließlich in ihrer ungeschützten Flanke anzugreifen. Sich zu formieren, Schild an Schild zu schließen, kostet Kraft. Den Angriff immer wieder gegen einen Gegner vorzutragen, der einfach wegläuft, sich entzieht - das erschöpft und macht mutlos. Beständig mit Geschossen eingedeckt zu werden, ohne den Feind fassen zu können, zerrt an den Nerven. Alles zusammen zerrüttet die Kampfmoral.
Inzwischen haben die benachbarten Stämme der Cherusker - Brukterer, Marser und Chatten - durch Boten des Arminius von der Not des römischen Heeres erfahren. Die Aussicht auf Beute lässt immer mehr Krieger herbeieilen, die sich Arminius anschließen. Ein Sieg über drei Legionen würde ungeahnte Reichtümer einbringen: Pferde, Maultiere, unzählige Sklaven, dazu Luxuswaren wie Stoffe, Schmuck, Wein, Glasgefäße, Tafelgeschirr. Vor allem aber haben es die germanischen Krieger auf Waffen abgesehen. Zehntausend römische Schwerter, dazu Rüstungen und Helme. Sie selbst kämpfen - anders als die von den Römern ausgerüsteten Hilfstruppen des Arminius - meist mit der frame, einem oft mit einer eisernen Spitze versehenen Holzspeer.
Im Nahkampf hätten die Cherusker keine Chance
Nur Adelige und deren Gefolgsmänner besitzen ein Schwert. Im Nahkampf haben aber auch sie kaum eine Chance gegen die römischen Soldaten, da weder Panzer noch Helme ihre Körper schützen. Dafür sind sie flinker als ihre Feinde: Die Legionäre tragen zehn Kilogramm Eisen am Leib. Immer wieder attackieren die Truppen des Arminius die Legionäre - unterstützt von den leicht bewaffneten germanischen Verbündeten. Am Abend wird die Kraft der Römer gerade noch ausreichen, um ein notdürftiges Lager aufzuschlagen. Mehr als 20 Kilometer weiter nach Westen sind sie nicht gekommen.
Am dritten Tag peitscht starker Regen. Wind frischt auf, wird im Verlauf des Tages zum Sturm. Verbissen kämpfen sich die römischen Verbände weiter voran. Endlich scheint sich vor den Römern die Landschaft zu öffnen. Aber was von ferne wie eine weite Ebene wirkt, ist ein Moor - unpassierbar für die Soldaten. Zwischen dem Sumpf und den Ausläufern des Wiehengebirges verläuft der Weg in einer lang gezogenen Senke. Kaum einen Kilometer breit ist sie und so feucht, dass zum Marschieren nur ein rund 200 Meter breiter, trockener Streifen direkt am Rande des bewaldeten Berges bleibt; an seiner schmalsten Stelle engt er sich gar auf gerade mal 100 Meter ein. Ein Umgehen oder Ausweichen ist unmöglich. Als die römischen Truppen in den Engpass einschwenken, spielt es schon keine Rolle mehr, was ihre Späher melden, es gibt kein Zurück.
Eine unausweichliche Falle
Am Waldrand, an der engsten Stelle zwischen Berg und Niederung, haben die Kundschafter einen von Germanen besetzten Wall parallel zum Weg entdeckt: ein Erdwerk aus Sand und Grassoden mit vorspringenden Bastionen, etwa 400 Meter lang, zwei Meter hoch und teilweise mit einer Brustwehr versehen. Der Cheruskerfürst, der weiß, dass die Römer nur hier passieren können, hat an dieser Stelle einen Hinterhalt geplant. Binnen weniger Tage haben seine Soldaten den Wall errichtet. Und jetzt erst, nachdem in den Gefechten der vorangegangenen zwei Tage bereits zahllose Römer gefallen und die noch lebenden Legionäre vom ewigen Kämpfen erschöpft sind, stellt sich Arminius den Legionen zur Schlacht.
Quelle: Geo.de / Text von Ralf-Peter Märtin
Tags: Antike, Die Varusschlacht:, Germanen, Roemer
1863: USA schaffen Sklaverei ab
"There will be neither rest nor tranquility in America until the negro is granted his citizenship rights... until the bright day of justice emerges." Der Kampf der Schwarzen um Freiheit und Gleichberechtigung ist noch lange nicht vorbei, verkündete Martin Luther King 1963 bei dem legendären Marsch der Bürgerrechtsbewegung auf Washington - 100 Jahre nach der Abschaffung der Sklaverei in der "Emancipation Proclamation", die Präsident Abraham Lincoln am 1. Januar 1863, verkündet hatte.
Seit Beginn der Kolonisation im Jahr 1619, als die ersten schwarzen Sklaven in Jamestown eintrafen, haben die Probleme der Sklaverei und der Freiheitskampf der Schwarzen die Geschichte der USA geprägt - und die Nation oftmals gespalten.
Sklaverei
Unmittelbar vor dem amerikanischen Bürgerkrieg im 19. Jahrhundert lebten im Süden der USA acht Millionen Weiße und vier Millionen Schwarze, etwa eine viertel Million davon frei. Die agrarische Grundstruktur ließ dort die Sklaverei notwendig erscheinen - und der weit verbreitete Glaube an eine angebliche Ungleichheit der Menschen diente zu ihrer Rechtfertigung.
Als der Kongress im Jahr 1808 die Sklaveneinfuhr offiziell untersagte, ahnte kaum jemand, dass sich der Konflikt zwischen Nord- und Südstaaten zunehmend verschärfen und in einem Bürgerkrieg enden sollte. Zwar war die Sklaverei das sine qua non dieses Krieges, doch letztendlich lag die Ursache hierfür in einem komplexen Geflecht von sozio-ökonomischen wie auch politisch-kulturellen Faktoren.
Sklaverei und Bürgerkrieg
Der Kampf des Nordens wurde in der ersten Kriegsphase für die Einheit der Nation, nicht aber für die Abschaffung der Sklaverei geführt. So schrieb Präsident Abraham Lincoln damals an einen Journalisten: "Könnte ich die Union retten, ohne einen einzigen Sklaven zu befreien, ich würde es tun." Erst als entscheidende Siege des Nordens ausblieben, schloss sich Lincoln den Forderungen radikaler Republikaner und der Abolitionisten an und deklarierte den Krieg gegen die "Rebellenstaaten" als Kampf gegen die Sklaverei.
Mit Lincolns Emanzipationserklärung verbanden die Nordstaaten die Umstrukturierung des südlichen Gesellschaftssystems. Zwar wurden nun Schwarze in die Nordstaatenarmee rekrutiert, doch eine institutionalisierte Abschaffung der Sklaverei bedeutete Lincolns Proklamation keineswegs. Darauf mussten die vier Millionen schwarzen Frauen und Männer noch bis Dezember 1865 warten, als der Kongress mit dem 13. Verfassungszusatz die Sklaverei in den Vereinigten Staaten offiziell verbot.
Im 14. Zusatzartikel wurden den Schwarzen 1868 die gleichen Rechte und zwei Jahre später im 15. noch einmal gesondert das gleiche Wahlrecht zugesichert. Doch Staaten wie South Carolina, Mississippi und Louisiana zeigten, wie wenig ernst sie es mit den Rechten der befreiten Sklaven nahmen. Rechtsbeschränkungen, so genannte "black codes", waren an der Tagesordnung.
Versteckte und offene Diskriminierung
Bis ins 21. Jahrhundert haben Einzelstaaten und Gemeinden nicht nur im Süden der USA Mittel und Wege der Diskriminierung. So wurde das Stimmrecht an Klauseln geknüpft, zum Beispiel an Prüfungen oder kaum erfüllbare Mindeststeueraufkommen. Eine Situation, an der sich nach Ansicht von Martin Luther King III., einem Sohn des ermordeten US-amerikanischen Bürgerrechtlers, im übertragenen Sinn auch im 20. und 21. Jahrhundert nichts geändert hat: "We do have certainly freedom of speech, freedom of press, freedom of religion but there are still some other freedoms that do not exist (...) in corporate America for instance. When we look at who is still running the corporations. It's by and large white males. We have to address that issue if we want to be the kind of nation we should be."
Die Erniedrigung der schwarzen Rasse fand mit Lincolns Emanzipationserklärung vom Januar 1863 kein plötzliches Ende. Sie verhinderte auch nicht Terror und Gewalt gegen Schwarze. Vielmehr kam es zur Gründung von Geheimgesellschaften wie dem Ku-Klux-Klan, die es sich zur Aufgabe machten, die Vorherrschaft der Weißen im Süden aufrechtzuerhalten.
Wie erfolgreich sie noch immer sind, zeigt beispielsweise, dass erst 1967 die letzten Gesetze gegen gemischtrassige Ehen in den USA annulliert wurden. Von der Existenz von offenem und zuweilen gewalttätigem Rassismus ganz zu schweigen, wie der Historiker Michael White meinte: "We can clearly see reocurring incidents publicly of racism, of racist cults and groups forming. Some of them very violent. Incidents envolving murder and attacks. We can see that there is a lot of social unrest still and we still have a lot of problems with racism."
A great leap forward?
Was sich gesellschaftlich verändern wird, nachdem im November 2008 Barack Obama zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde, wird sich weisen. Nichtsdestotrotz, für das schwarze Amerika ist es von besonderer Bedeutung, dass Obama "einer von ihnen" ist: 95 Prozent der afroamerikanischen Wähler hatten 2008 Barack Obama ihre Stimme gegeben.
Tags: Heute vor...
Reste der Trajansbrücke vom Zerfall bedroht
Drobeta -Turnu Severin – Die am rumänischen Donauufer befindlichen Pfeiler der zwischen 103 und 105 gebauten Römerbrücke (des Apollodorus von Damaskus), bekannt als Trajansbrücke, sind gefährdet, weil längst fällige Konsolidierungsarbeiten immer noch ausstehen. Zu sehen sind die noch existierenden Brückenpfeiler im Freilichtpark des Museums von Turnu-Severin.
Zum ersten Mal in der Geschichte der Neuzeit waren alle Brückenpfeiler während des extremen Dürrejahrs 1858 sichtbar geworden, als der Donauspiegel so niedrig war, dass der Strom ab dem Eisernen Tor nicht mehr mit Schiffen befahren werden konnte. Damals hat man in aller Eile auch archäologische Grabungen durchgeführt. Im Museum von Turnu-Severin sind allerdings von den damals sichergestellten Artefakten nur noch zwei Eichenbalken vorhanden, während von den meisten anderen Funden, einer Mode der Zeit entsprechend, allerhand Souvenirs angefertigt worden sind.
In jenem Dürrejahr konnte man auch feststellen, dass die Trajansbrücke 28 Pfeiler hatte, von denen heute noch vier am rumänischen Donauufer zu sehen sind. Doch während die Pfeilerreste am serbischen Donauufer restauriert und konserviert wurden, haben die Pfeiler am rumänischen Ufer eine einzige Restaurierung erlebt, wurden mittels Betonwänden in einem Becken vom Donauwasser isoliert und trockengelegt und verwittern seither in aller Ruhe. Die einzige alte Donaubrücke, die heute noch steht, ist die mittelalterliche Donaubrücke in der alten Bischofsstadt Regensburg.
Quelle: adz.ro