"Es ist unmöglich, der Nachwelt zu beschreiben, unter welchen Entbehrungen und in welcher Armut (...) diese deutsche Gemeinde gegründet wurde."
Die Aufzeichnungen von Gründervater Franz Daniel Pastorius geben Aufschluss über die beschwerlichen Anfänge der deutschen Kolonie. Ihren ersten Winter in der Neuen Welt überlebten die Siedler in selbstgebauten Erdhäusern. "Poortown" – "die Armenstadt " nannten sie ihre neue Heimat, bevor sie sie Germantown tauften.
Die ersten Siedler – 13 Familien aus dem Krefelder Raum unter Führung des Frankfurter Rechtsanwaltes Pastorius – waren Quaker und Mennoniten. Sie folgten dem Lockruf von William Penn, der der britischen Krone ein Stück Land abgerungen hatte und in seiner Kolonie freie Religionsausübung versprach.
Bettina Esser von der Deutschen Gesellschaft von Pennsylvania hat die alten Handschriften und Aufzeichnungen von Pastorius studiert. Sie geben Aufschluss über den charismatischen Rechtsanwalt, Dichter und Lehrer.
Bettina Esser: "Noch ein halbes Jahrhundert nach der Besiedlung zählte Germantown ganze 200 Einwohner. Doch die Gründlichkeit und das handwerkliche Geschick der deutschen Siedler hatte sich bereits herumgesprochen."
Mary Dubney: "Sie rodeten ihr Land äußerst gründlich. Sie hackten die Bäume nicht nur ab und ließen sie trocknen, sondern gruben die Wurzeln gleich mit aus. Ihre Höfe galten als die ordentlichsten in ganz Amerika. Viele der Siedler stellten Textilien her und Germantown machte sich schnell einen Namen für die Qualität seiner Stoffe, besonders seiner Strümpfe. Strümpfe aus Germantown wurden zum Synonym für Qualität im 18.Jahrhundert in Amerika – dank des handwerklichen Geschicks der Leute hier in Germantown."
Mary Dubney ist Direktorin der Historischen Gesellschaft von Germantown. In den Vitrinen der Gesellschaft am historischen Marktplatz liegt ein Exemplar der "Heiligen Schrift" von Christopher Sauer, der ersten in Amerika gedruckten Bibel, und die Brieftasche von Gründervater Pastorius.
In den 300 Jahren seines Bestehens hat Germantown amerikanische Geschichte geschrieben: 1688 verfasste Pastorius den ersten schriftlichen Protest gegen die Sklaverei in der Neuen Welt. Im späten 18.Jahrhundert, als Philadelphia Hauptstadt des jungen Amerikas war, verlegte Präsident George Washington seinen Amtssitz zeitweilig nach Germantown, um der Gelbfieberepedemie zu entkommen. Auch war Germantown die erste Gemeinde Philadelphias, die Afro-Amerikanern den Kauf von Grundstücken gestattete.
Heute ist Germantown eine Gemeinde der 1,6 Millionen-Metropole Philadelphia. Über zwölf Kilometer zieht sich die kopfsteingepflasterte Germantown Avenue vom Stadtzentrum bis hinauf zum Vernom Park.
Dort blickt Stadtvater Pastorius von seinem Sockel indigniert auf die Ansammlung billiger Schnellrestaurants, Videoläden und Supermarktketten, die das Stadtbild von Germantown dominieren. In der Oberstadt liegt die Pastoriusstraße. Hier, unter dem 1770 errichteten Gemeindehaus der Mennoniten, verlief der Tunnel, durch den Sklaven mit Unterstützung der Siedler in die Freiheit flohen.
Heute sind es Anwohner wie Carrol Rowe, die das Weite suchen: "Nein, ich bliebe hier nicht wohnen, in dieser Drogenverseuchten Straße. Die Häuser fallen zusammen, die Bewohner kümmern sich nicht. Man weiß nie, wann man das nächste Mal überfallen – oder erschossen wird. Ich suche mir ein nettes Plätzchen in der Vorstadt, mit viel Gras und viel Ruhe."
Jedes Jahr feiert Germantown mit großem Pomp die historische Schlacht von Germantown vom 4. Oktober 1777, als sich General Washington nach erbittertem Kampf den britischen Kolonialtruppen geschlagen geben und in die angrenzenden Wälder fliehen musste.
Die Erinnerung an das deutsche Erbe von Germantown dagegen verblasst mehr und mehr. Noch erinnern die denkmalgeschützten Häuser entlang der Germantown Avenue und deutsche Straßennamen wie Manheim oder Brunner an die ersten Siedler. Doch für viele Bewohner beschränkt sich die deutsche Geschichte auf das alljährliche Oktoberfest.
1999 kamen fast 200 Besucher in das Wycksche-Haus, in dem neun Generationen der Quakerfamilie lebten und das heute ein Museum ist. Bei Krautsalat und Haxen wurde zu den Klängen einer US-amerikanischen Oompah-Band getanzt. Der Hit des Abends: "In München steht ein Hofbräuhaus..."
06.10.08
6.10.1683: Erste deutsche Siedlung in Nordamerika
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02.10.08
Bunte Götter
Sie waren mit lebhaften Farben und reicher Ornamentik versehen, die Skulpturen der Griechen und Römer. Eine Ausstellung in Frankfurt zeigt bemalte Rekonstruktionen antiker Plastiken, die nun eine ungeahnt intensive Wirkung entfalten.
Die vielbeachtete Ausstellung „Bunte Götter“ zeigt die spektakulären Rekonstruktionen antiker Skulpturen in ihrer ursprünglichen Farbenpracht. Nachdem die Schau in Europa und den USA mit großem Erfolg gezeigt wurde, ist sie jetzt in einer wesentlich erweiterten Form im Frankfurter Liebieghaus zu sehen (Schaumainkai 71; 8. Oktober 2008 – 15. Februar 2009). Die Ausstellung räumt mit dem liebgewonnenen, aber grundlegend falschen Bild der marmorweißen Antike auf. Für manchen Liebhaber antiker Kunst ist es ein Schock, für viele Besucher eine neue, aufregende Erfahrung.
Eigentlich war es immer bekannt: Die Griechen und Römer gestalteten ihre Skulpturen mit lebhaften Farben und verzierten sie mit reichen Ornamenten. Als im 19. Jahrhundert zahlreiche Marmorfiguren in Rom und Athen ausgegraben wurden, beobachteten die Forscher bereits viele Farbreste. Diese Spuren der einstigen Bemalung sind in Zeichnungen und Aquarellen festgehalten worden. Gottfried Semper, Leo von Klenze und andere erfolgreiche Architekten des 19. Jahrhunderts stellten auf Reisen nach Süditalien, Sizilien und Griechenland ihre eigenen Untersuchungen an und lieferten farbenprächtige Rekonstruktionen der Tempel und der Tempelskulpturen.
Das 20. Jahrhundert entdeckte dagegen die Schönheit der reinen und reduzierten Form für sich. Nun war eine Erforschung der antiken Ornamente und Farben kaum noch angebracht. Das Thema der Bemalung geriet in Vergessenheit, und die Forschung widmete sich anderen Fragestellungen.
Seit 25 Jahren jedoch werden von einem internationalen Forscherteam die Farbspuren mit Hilfe naturwissenschaftlicher Techniken untersucht und dokumentiert. Dabei konnten unerwartet viele neue Erkenntnisse gewonnen werden. Man fand variationsreiche Ornamente und die Farben von Gewändern, Haaren, Augen und Haut. Dieser Zuwachs an Wissen ermöglicht die farbige Rekonstruktion ausgewählter Objekte anhand maßgenauer Kopien.
Man konnte es immer schon nachlesen: Die großen Schriftsteller der griechischen und römischen Antike berichten in aller Klarheit von den farbigen Figuren. Als der berühmte spätklassische Bildhauer Praxiteles gefragt wurde, welche Statuen aus seinem eigenen Werk ihm am besten gefielen, da antwortete er: „Jene Sta‧tuen, die mein Malerkollege Nikias farbig gefasst hat.“ Und Nikias war der erfolgreichste Kunstmaler seiner Generation!
Der bedeutende Theaterschriftsteller Euripides wählt die farblose Marmorskulptur als ein Bild für außerordentliche Hässlichkeit. Helena sagt zu sich selbst, als sie erkennt, dass allein durch ihre Schönheit das zehn Jahre währende Elend des Troianischen Kriegs ausgelöst wurde: Wäre ich doch immer so hässlich gewesen wie eine Statue, der man die Farbe abgewischt hat, dann wäre dieses Leid nicht entstanden.
Seit 200 Jahren werden Proben von den Farbresten antiker Skulpturen genommen und analysiert. Der Erste war im 19. Jahrhundert der englische Physiker und Chemiker Michael Faraday; er wurde beauftragt, die Farbigkeit der Parthenon-Skulpturen zu untersuchen. Heute werden sehr viele Analysen durch digitale Verfahren erstellt. Dabei ist eine Probenentnahme nicht mehr notwendig. Mit der Raman-Spektroskopie (Identifizierung verschiedener Materialien mit Hilfe von elektromagnetischen Strahlungen, benannt nach dem Physiker Raman) und der UV-VIS-Absorptionsspektroskopie, bei der Informationen im Bereich von ultraviolettem, infrarotem und sichtbarem Licht gewonnen werden, wird schnell eine Vielzahl von Pigmentresten bestimmt, ohne das Original zu berühren. Es lässt sich so eine umfangreiche Farbpalette identifizieren: Es wurden in der Antike neben verschiedenen Erden von hellstem Ocker über Rot bis zu tiefem Braun sehr kostbare, farbige Mineralien in leuchtendem Grün, Blau, Gelb und Rot benutzt. Darüber hin-aus war das technologische Know-how so entwickelt, dass man nicht nur aus Pflanzen und Tieren farbintensive Malmaterialien gewinnen konnte, sondern auch mit Hilfe raffi‧nierter chemischer Prozesse.
Die neuen Forschungen haben sehr von den Möglichkeiten der technischen Fotografie mit ultravioletten Strahlungen (UV-Fluoreszenzfotografie und UV-Reflektografie) profitiert. Aufregend sind die Ergebnisse: Obwohl sich keine Pigmente erhalten haben, werden die einst aufgemalten Ornamente und Muster aufgrund der chemischen und mechanischen Veränderungen der Marmoroberfläche wieder sichtbar.
Im extremen Seitenlicht können darüber hinaus häufig Markierungen oder die feine Vorritzung einzelner Verzierungen durch den Statuenmaler gefunden werden. In vielen Fällen hinterließ die Malerei ein sehr feines Relief in der Steinoberfläche, die das ursprünglich aufgemalte Ornament heute noch erkennen lässt, da die einzelnen Farben abhängig von ihrem Material unterschiedlich auf die Verwitterung reagierten.
Mehr als 30 Rekonstruktionen und etwa 70 Originale legen in aufregender und schockierender Weise Zeugnis von der vibrierenden Sinnlichkeit der farbigen Antike ab. Hunderte fein unterschiedene und ungewöhnlich detailreiche Ornamente schmücken die antiken Gewänder und Waffen. Kunstvolle Muster umspielen die dreidimensionalen Formen der Körper und verstärken die räumliche Wirkung. Gemalte Augen, Hautfarbe und gestaltetes Haar geben den Figuren Ausdruck und Seele zurück. Illusionistische Maltechniken fügen der Skulptur die Errungenschaften der antiken Malerei hinzu. Die antiken Sta‧tuen, unwiederbringlich ihrer „edlen Einfalt und stillen Größe“ (Johann Joachim Winckelmann) beraubt, werden zu vitalen Akteuren auf der ereignisreichen Bühne der Welt der Götter und Helden.
In einem interdisziplinären Forschungsprojekt (Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft) ent‧stehen augenblicklich neue Rekonstruktionen der „dritten Generation“. Im letzten Jahr ist die Statue des sogenannten Perserreiters der Athener Akropolis mit den neuesten naturwissenschaftlichen Techniken vermessen und untersucht worden. In einem sehr aufwendigen Verfahren ist die Marmorskulptur, die Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt und wegen der einzigartig gut erhaltenen Farbigkeit berühmt wurde, dreidimensional elektronisch aufgezeichnet und als maßstabsgetreue Kopie in kristallinem Acrylglas hergestellt worden. Mit Naturpigmenten, die den in der Antike verwendeten Materialien entsprechen, ist das bezaubernd schöne und reichverzierte Gewand der Reiterfigur rekonstruiert worden. Die Naturpigmente, die heute auf dem Weltmarkt erhältlich sind, wurden dafür – wie in der Antike – mit aufwendigen Methoden gesäubert und verfeinert, die antike Maltechnik kopiert. Die Farbwahl der antiken Künstler unterscheidet zwischen den leuchtenden Farben der Texti‧lien und den etwas gedeckteren Farbtönen des Pferdekörpers. Die Wahl der Farben ist aber auch hier erfrischend unkonventionell: Während das Fell, wie es die Natur vorgibt, ockerbraun gefärbt wurde, sind Mähne und Schweif mit roter und grüner Farbe gestaltet!
Quelle: damals.de
Liebieghaus.de
Schaumainkai 71
60596 Frankfurt am Main
Telefon 069-650049-0
Fax 069-650049-150
Öffnungszeiten:
Dienstag, Freitag, Samstag und Sonntag 10.00-17.00 Uhr
Mittwoch und Donnerstag 10.00-21.00 Uhr
Montag geschlossen
Feiertage
03.10.2008 10 - 18 Uhr 10 – 17 Uhr
24.12.2008 geschlossen
25.12.2008 10 - 18 Uhr 10 - 18 Uhr
26.12.2008 10 - 18 Uhr 10 - 18 Uhr
31.12.2008 geschlossen
01.01.2009 11 - 18 Uhr 11 - 18 Uhr
Tags: Antike, Veranstalltungen
Wie alt ist Berlin?
Auf dem Petriplatz in Berlin-Mitte sind bei archäologischen Grabungen spannende Funde ans Licht gekommen, die die Stadtgeschichte neu beleuchten.
Seit April 2007 wurde im Auftrag des Landesdenkmalamtes auf dem Petriplatz gegraben. Wo heute ein Parkplatz ist, befand sich bis zu ihrem Abriss 1964 die Ruine der Kirche St. Petri, die wohl in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts errichtet und seit dem Mittelalter fünfmal vollständig wiederaufgebaut wurde. Als Hauptkirche Cöllns lag sie in der Nähe des Cöllnischen Rathauses gegenüber der Fischerinsel unweit der Spree, die die Siedlungen Cölln und Berlin trennte. Beide Städte waren bis ins frühe 18. Jahrhundert eigenständig und bildeten als Doppelstadt Berlin-Cölln die Residenz der brandenburgischen Kurfürsten und später der preußischen Könige.
Erste Grabungen 1960/61 bezeugten eine lange Besiedlungsgeschichte des Platzes. Durch eine Grabung im Jahr 1967, bei der drei Grabungsschnitte angelegt wurden, ließen sich verschiedene mittelalterliche Bauphasen der St.-Petri-Kirche sowie der dazugehörige Friedhof nachweisen. Friedrich Wilhelm I. hatte 1717 die innerstädtischen Friedhöfe – auch den bei St. Petri – aufheben lassen. Über das neue Straßenpflaster ratterten nun Kutschen – sehr zum Ärger der protestierenden Hinterbliebenen.
Mit den Grabungsschnitten 1967 konnten viele Fragen zur mittelalterlichen Bebauungssituation nicht hinreichend geklärt werden. Bei der jüngsten Kampagne wurde das ganze Areal ausgegraben, alle Schichten wurden komplett abgetragen. So können Archäologen komplexe historische Strukturen besser verstehen, auch wenn damit – trotz Dokumentation – eine Zerstörung der Bodenfundsituation verbunden ist.
Die Archäologen wurden tatsächlich mit neuen Informationen zum Alter Cöllns belohnt: Eine in eine Kellerkonstruktion verbaute Eichenbohle ist laut dendrochrono‧logischer Analyse um 1212 (+/- zehn Jahre) gefällt worden und damit älter als die früheste schriftliche Erwähnung Cöllns in einer Urkunde aus dem Jahr 1237. 1998 hatte man in der angrenzenden Breiten Straße eine Holzbohle gefunden, die sogar auf 1171 datiert wird. Keinerlei Anhaltspunkte fanden sich dagegen für die Vermutung, dass Cölln eine slawische Gründung gewesen sei.
Die Gebeine von Hunderten von Bestatteten wurden nun freigelegt, die ersten in 60 Zentimetern Tiefe. Die frühesten Funde datieren vor den ersten bekannten Kirchenbau, sie werden zur Zeit genau untersucht. Da christliche Bestattungen ohne dazugehörenden Sakralbau undenkbar sind, muss von einem frühen Vorgängerbau, vielleicht einer Holzfachwerkkonstruktion, ausgegangen werden. Keramik, Schmuck und zahlreiche Münzen wurden ebenfalls in den Gräbern gefunden.
Ausgegraben wurden auch die Grundmauern und der Fußboden der ältesten Schule Cöllns. Die Lateinschule, im
13. Jahrhundert gegründet, nannte man im Mittelalter „Schola Coloniensis“ oder „Schola Petrinum“; sie wurde von 1539 an als Gymnasium bezeichnet. Die Schulgrundmauern sollen nun in situ bleiben und die Fundamente der Kirchbauten in die Platzgestaltung einbezogen werden. Die Präsentation der gesamten Funde in einem Museumsneubau ist jedoch bisher ein Traum.
Literatur:
Claudia M. Melisch/Marina Wesner, St. Petri-Kirche. Ein Rundgang durch das historische Cölln in Berlin. Berlin 2008.
Quelle: damals.de
Tags: Ausgrabungen, Europa, Mittelalter
2.10.1926: "Panzerkreuzer Potemkin"
Der Stummfilm "Panzerkreuzer Potemkin" des sowjetischen Regisseurs Sergej Eisenstein wurde erstmals in deutschen Kinos gezeigt. Die Film-Oberprüfstelle in Deutschland gab den Film nach dem zweiten Testverfahren schließlich zur Ausstrahlung frei. Widerstand aus dem deutschen, konservativen Lager hatte die Veröffentlichung anfänglich verhindert. Der Film war 1925 im Bolschoi Theater in Moskau uraugeführt worden. Er gilt als herausragender Film der internationalen Kinogeschichte. “Panzerkreuzer Potemkin” führt ins Jahr 1905. Die Matrosen des zaristischen Panzerkreuzers erheben sich gegen die privilegierten Offiziere. Als ein Offizier den Matrosen Wakulintschuk ermordet, eskaliert die Auseinandersetzung.
Eine Biografie Eisensteins.
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30.09.08
Kelten schmückten Brücken mit Menschenköpfen
Die Kelten – kein zimperliches Volk. Die Ausgrabungsstätte in La Tène am Neuenburgersee diente bizarren kultischen Zwecken: Das zeigt eine neue Ausstellung im Landesmuseum Zürich.
Am Neuenburgersee entdeckte der Fischer Hans Kopp im November 1857 Holzpfähle und Waffen im seichten Wasser neben dem heutigen Zihlkanal. Der Bieler Sammler Friederich Schwab hatte den Fischer beauftragt, nach Altertümern zu suchen. Schwab hatte zunächst geglaubt, er habe eine Pfahlbausiedlung entdeckt. Das stellte sich jedoch bald als Irrtum heraus.
Fischer Kopp war auf die Spuren von Kelten gestossen, die in die Zeit zwischen 250 und 150 vor Christus zurückreichen. Die Fundstätte erlangte rasch internationale Bedeutung; seit 1874 ist der Ort des Fundes, La Tène, ein Synonym für die jüngere Eisenzeit in Europa. Aus dem ehemaligen Flussbett der Zihl wurden über die Jahre mehr als 3000 Gegenstände geborgen, hauptsächlich Waffen, aber auch Fibeln und Werkzeuge aus Eisen sowie tierische und menschliche Knochen. Bei den ersten offiziellen Grabungen (1907-1917) stiessen die Archäologen zudem auf die Überreste zweier keltischer Holzbrücken aus dem 3. und 7. Jahrhundert vor Christus.
Die Funde gaben Forschern während Jahrzehnten Rätsel auf, was sich vor rund 2200 Jahren an der Zihl genau abgespielt hatte. War La Tène eine Militärstation mit Waffenlager? Ein Oppidum, in dem die umliegende Bevölkerung bei Angriffen Zuflucht suchte? Oder eine Grenzstation?
Die neueste Forschung, die 2003 durch eine Notgrabung in La Tène bereichert und im Keltenjahr 2007 durch ein Nationalfondsprojekt verstärkt wurde, hat eine These aus den 50er- und 60er-Jahren weitgehend bestätigt: La Tène war eine Kultstätte, und die Brücken über die Zihl dienten nicht allein dem Verkehr. Die kleine Wanderausstellung «Keltischer Kult am Neuenburgersee - La Tène», die heute im Landesmuseum Zürich eröffnet wird, bringt die neuesten Erkenntnisse der Forschung einem breiten Publikum näher.
Auf rituelle Handlungen weist die kriminaltechnische Untersuchung von Tier- und Menschenschädeln hin, die zwischen den Brücken lagen. Hieb- und Schnittmarken in einer Schädeldecke deuten die Forscher so: Ein Rechtshänder muss von vorn mit einem scharfen Beil, Dolch oder Schwert auf den 25- bis 40-jährigen Mann eingeschlagen haben. «Das Opfer wurde wahrscheinlich festgehalten. Ob der Mann schon tot war oder nicht, als er die Hiebe erhielt, weiss man nicht», sagt der Projektleiter der Ausstellung, Luca Tori.
Kratzspuren von Werkzeugen an der Basis von Pferde- und Menschenschädeln belegen ferner, dass diese Köpfe nach keltischem Brauch auf Pfähle der Brücke gespiesst worden waren. Die in La Tène gefundenen Waffen sind ungebraucht und teils absichtlich verbogen worden. Das ist ein weiteres starkes Indiz für eine Kultstätte.
Quelle: bernerzeitung.ch
Vom 25. September 08 bis 15. Februar 09 zeigt das Schweizerische Landesmuseum in Zürich die Sonderausstellung «La Tène - Keltischer Kult am Neuenburgersee»
Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Beiträgen von Fachleuten aus dem In- und Ausland: La Tène. Die Untersuchung. Die Fragen. Die Antworten/La Tène. La recherche. Les questions. Les réponses (Musée Schwab – Schweizerisches Landesmuseum) 109 S., Abb. ISBN 3-9521892-8-6; CHF 18.-
Schweizerisches Landesmuseum
Museumstrasse 2
CH -8021 Zürich
T: 0041 (0)44 218 65 11
E: kanzlei@slm.admin.ch
W: http://www.landesmuseum.ch
Öffnungszeiten:
Di bis So 10.00 - 17.00 Uhr
Donnerstag 10.00 - 20.00 Uhr
Weihnachten/Neujahr geöffnet
Tags: Antike, Kelten, Veranstalltungen
Nahezu komplettes Pferdegeschirr aus der Bronzezeit entdeckt
Stormdorf (ddp-nrd). Archäologen haben in Mecklenburg-Vorpommern ein fast vollständig erhaltenes Pferdegeschirr aus der späten Bronzezeit entdeckt. Nach Angaben des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege besteht das schätzungsweise 2800 Jahre alte Zaumzeug aus mehr als 50 Einzelteilen. Darunter seien tellerförmige Schmuckplatten, Ringe mit eingehängten Scheiben, Teile von Trensen und Bronzeperlen.
Ein Großteil des Depotfunds war in den vergangenen Monaten bei archäologischen Nachuntersuchungen mit einem Detektor auf einem Acker bei Stormsdorf in Nordvorpommern geborgen worden. An derselben Stelle hatten Kinder bereits vor 34 Jahren beim Spielen gut erhaltene Teile eines Pferdegeschirrs entdeckt.
Über die einstigen Besitzer des Pferdegeschirrs und dessen Verwendung könne nur spekuliert werden, sagte Grabungsleiter Michael Schirren. Möglicherweise sei das prächtige Zaumzeug seinerzeit von einer Kultgemeinschaft bei Prozessionen angelegt worden. Der komplette Fund soll im kommenden Jahr im Kulturhistorischen Museum Stralsund präsentiert werden.
Quelle: freiepresse.de
Mecklenburg-Vorpommern Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege
Tags: Ausgrabungen, Frühzeit
Schriftrollen vom Toten Meer bald im Internet einzusehen
Jerusalem - Die Schriftrollen vom Toten Meer sollen digitalisiert und ins Internet gestellt werden. Unter Einsatz amerikanischer Weltraumtechnologie hätten Wissenschaftler am Mittwoch mit der Umsetzung eines entsprechenden Pilotprojekts begonnen, erklärte eine Sprecherin der israelischen Behörde für Altertümer. Ziel sei, die 2.000 Jahre alten Schriftrollen - die älteste bekannte Version der Hebräischen Bibel - Forschern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Experten beklagen seit langem, dass bislang nur eine kleine Zahl Wissenschaftler Zugang zu den Schriftrollen und den Tausenden Fragmenten erhielt, die vor 60 Jahren in Höhlen in der Nähe des Toten Meers bei Qumran gefunden wurden. «Erstmals werden die Schriftrollen nur einen Computerclick entfernt sein», sagte eine Abteilungsleiterin der Behörde, Pnina Schor. «Dies wird sicherstellen, dass die Schriftrollen weitere 2.000 Jahre erhalten bleiben.» Mit Hilfe von Infrarotfotografie werde außerdem erreicht, dass die Rollen besser zu entziffern seien. Insgesamt würden für das Projekt etwa fünf Jahre veranschlagt.
Quelle: net-tribune.de