Eigentlich Wenzel, ab 1347 König und von 1355 bis 1378 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Am französischen Hof erzogen, wurde Karl 1346 im Einvernehmen mit Papst Klemens VI. zum Gegenkönig von Ludwig IV., dem Bayern, gewählt. Nach Ludwigs Tod 1347 wurde er im gesamten Reich anerkannt und wählte seine Geburtsstadt Prag als Residenz. Er gründete 1348 die Prager Universität und ließ den Veitsdom und die Karlsbrücke bauen. Die Stadt zog bedeutende Künstler und Gelehrte an, und Böhmen wurde zum Mittelpunkt des Reiches. 1355 wurde Karl in Rom zum Kaiser gekrönt. Er erließ 1356 die "Goldene Bulle", das erste Staatsgrundgesetz. In der Bulle ordnete er die Königswahl und legte die Rechte der Kurfürsten und des Reichstages fest. Karl IV. gilt als einer der bedeutendsten frühhumanistischen Herrscher.
14.05.08
12.05.08
Die Katharer
17.05.2008 | 21:50 Uhr| Arte
Um das Jahr 1.000 zu Beginn des feudalistischen Zeitalters, steht der Okzident an einem geschichtlichen Wendepunkt. Die Zeiten sind hart und voller Gewalt, tiefe Verunsicherung ist die Folge. Die Heilige Schrift wird neu interpretiert. Dem Volk der Katharer scheint es unmöglich, dass Gott eine Welt geschaffen habe, in der es so viel Böses gibt, wie in der Welt der Menschen. Für sie ist der menschliche Körper nur eine Hülle, von der sich der Mensch lösen muss. Das "Consolament", ihr einziges Sakrament, macht sie zu "vollkommenen" Menschen, die ein strenges und tugendhaftes Leben führen. Der Katharismus erschüttert die römische Kirche in ihren Grundfesten, doch der Preis, den die Katharer dafür zahlen müssen, ist hoch. Als Ketzer werden sie grausam unterdrückt und so stirbt 1321 der letzte "vollkommene" Katharer auf dem Scheiterhaufen.
Hinter der bemerkenswerten Geschichte dieser in ganz Europa verbreiteten christlichen Bewegung verbergen sich viele andere Geschichten mit weitreichenden Folgen: die Geschichte der von der Kirche eingesetzten Inquisition, die der französischen Monarchie, die gestärkt aus der Inquisition hervorging, und die Geschichte Okzitaniens, das daran zugrunde ging.
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Savonarola - Der schwarze Prophet
17.05.2008 | 21:00 Uhr| Arte
Wiederholung: 18.05.2008 | 14:00 Uhr| Arte
Dieser Mann hätte im Alleingang beinahe das Ende der Renaissance besiegelt. Für Martin Luther war der treue Katholik Savonarola ein "wahrer Heiliger", für Goethe ein "fratzenhaftes, fantastisches Ungeheuer". Savonarola (1452 - 1498) war einer der wortgewaltigsten Prediger, die es je gegeben hat. Zehntausende warteten stundenlang, um ihn im Dom zu Florenz predigen zu hören. Der Mönch zog gegen den sündigen Lebenswandel seiner Zeitgenossen ebenso zu Felde wie gegen die Unmoral der Herrschenden. Unerschrocken ergriff er Partei für die kleinen Leute und schreckte die Mächtigen mit unheimlichen Prophezeiungen. Unheimlich zumal, weil seine Todesankündigungen tatsächlich in Erfüllung gingen. Auf dem Höhepunkt seiner Macht riss Savonarola die Herrschaft über Florenz an sich und errichtete einen "Gottesstaat". Die von ihm gegründete Kinderpolizei durchstreifte die Stadt und terrorisierte Geldwechsler, Liebespaare und aufreizende Frauen. Er geriet mit dem wohl berüchtigtsten Papst in der Geschichte des Vatikans in einen unerbittlichen Zweikampf und wurde zur Gefahr für ihn: Alexander VI. Borgia, der gemeinsam mit seinem Sohn Cesare vor keiner Bluttat zurückschreckte. Mordanschläge auf Savonarola scheiterten; schließlich sollte ein Gottesurteil, die so genannte Feuerprobe, darüber entscheiden, ob Savonarola ein Prophet Gottes oder ein teuflischer Verführer ist.
Die Dokumentation über den "schwarzen Propheten" erzählt Savonarolas Geschichte und nach der Wirkung des Predigers in der Gegenwart. Dem dramatischen Schicksal des Propheten von Florenz wird an den Originalschauplätzen und in den Archiven in Florenz und Rom nachgegangen. Die szenische Umsetzung mit Schauspielern ergänzt die Spurensuche und lässt die Zeit und die Person Savonarolas lebendig werden.
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12.5.1670: August der Starke (†1.2.1733)
Als Friedrich August I. ab 1694 Kurfürst von Sachsen und als August II. ab 1697 König von Polen. Seinen Beinamen erhielt er aufgrund seiner unbändigen Kraft und seines ausschweifenden Lebenswandels: August der Starke hatte viele Mätressen und angeblich mehr als 300 uneheliche Kinder. Um König von Polen zu werden, trat er gegen den Willen des sächsischen Volkes und seiner Ehefrau zum katholischen Glauben über. Nachdem die Schwedenkriege um die polnische Krone 1719 beendet waren, bemühte sich August vor allem um seine absolutistische Machterhaltung in Sachsen und Polen. Er gab nach seinem Vorbild, dem französischen König Ludwig XIV., den Bau des Dresdner Zwingers und der Schlösser Moritzburg und Pillnitz in Auftrag und erschöpfte so den sächsischen Finanzhaushalt.
Biografie Augusts des Starken.
Homepage der Stadt Dresden mit Informationen über August den Starken.
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12.5.1328: Gegenpapst Nikolaus V.
Der römisch-deutsche Kaiser Ludwig IV, genannt Ludwig der Bayer, ließ vom Volk in Rom den Franziskanermönch Pietro von Corvaro zum Papst Nikolaus V. wählen. Nikolaus V. war der letzte kaiserliche Gegenpapst. Hintergrund der Wahl war eine Auseinandersetzung zwischen Ludwig und dem in Avignon residierenden Papst Johannes XXII. um die Frage des päpstlichen Anspruchs auf die Kaiserkrönung. Sie fand 1324 mit der Exkommunikation des Bayern ihren Höhepunkt. Ludwig zog daraufhin 1327 nach Rom und ließ sich von Sciarra Colonna, dem Beauftragten des römischen Volkes, zum Kaiser krönen. Er setzte Johannes XXII. wegen Ketzerei ab. Der Gegenpapst Nikolaus V. besaß keinen größeren Einfluss in Rom. Er verzichtete 1330 auf die Papstwürde und unterwarf sich Johannes XXII.
Biografie des Gegenpastes Nikolaus V.
Artikel über Ludwig den Bayern beim Verlag Traugott Bautz.
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12.5.1588: König Heinrich III. auf der Flucht
Am "Tag der Barrikaden" schlugen die Bürger von Paris unter der Führung des katholischen Herzogs Heinrich von Guise den französischen König Heinrich III. in die Flucht. Heinrich III. war vor seiner Thronbesteigung 1574 Anführer des Kampfes gegen die Hugenotten. Mit seiner Mutter Katharina von Medici hatte er 1572 die Bartholomäusnacht vorbereitet. Als König räumte er im Edikt von Beaulieu den Hugenotten Privilegien ein und rief damit den Widerstand der Katholischen Liga unter dem Herzog von Guise hervor. Nach seiner Flucht aus Paris ließ Heinrich III. den Herzog und dessen Bruder ermorden und verbündete sich mit dem hugenottischen Heinrich von Navarra, um Paris erneut einzunehmen. Er wurde am 1. August 1589 von einem Dominikanermönch ermordet.
Ein Eintrag zu den Hugenottenkriegen auf den Seiten von "Wikipedia".
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12.5.1881: Bardo-Vertrag
Der Wettlauf um den "Platz an der Sonne" beginnt in den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts, genau genommen nach dem Berliner Kongress im Juni/Juli 1878. Der große Krieg droht. Das "Gleichgewicht der Kräfte", das seit dem Wiener Kongress 1815 für relative Stabilität in Europa gesorgt hat, ist nach dem Sieg Preußens über Frankreich ins Wanken geraten. Deutschland, die "verspätete Nation" schickt sich an, Hegemonialmacht zu werden.
Reichskanzler Otto von Bismarck, 1875 noch agent provocateur des auf Revanche zielenden Frankreich, bemüht sich, die Gemüter zu beruhigen. Nach den Einigungskriegen gegen Dänemark, 1864, Österreich, 1866 und Frankreich 1870/1871 erklärt er Deutschland als saturiert.
Bismarck: "Deutschland ist gesättigt. Es hat keine weiteren Eroberungen im Sinn."
In Berlin gibt er sich als "ehrlicher Makler", der "das Geschäft wirklich zustande bringen" will. Das "Geschäft" ist, den europäischen Frieden zu retten, der vor allem nach dem russisch-türkischen Krieg gefährdeter denn je erscheint, und - so ganz nebenbei - die Welt unter sich aufzuteilen.
Der "kranke Mann vom Bosporus" hat nach dem russischen Diktatfrieden von San Stefano seine letzten Besitzungen auf dem Balkan verloren. England und Österreich protestieren gegen den Machtzuwachs Russlands, das pikanterweise seit 1872 in einem Dreikaiser-Bündnis mit Österreich und Deutschland steht.
Der Alptraum Bismarcks: ein Zweifrontenkrieg zwischen dem zum Erzfeind gewordenen Frankreich und Russland, das von den Ergebnissen des Berliner Kongresses enttäuscht ist. Eine Befürchtung, die sich später als berechtigt erweist. Paris soll die Demütigung von 1871 nicht verwinden. 1893 sagt George Clemenceau, der französische Staatschef:
"Wir wollen, dass Russland, nachdem es der Spießgeselle unserer Niederlage war, das Werkzeug unserer vollständigen Wiederaufrichtung, das heißt unserer Revanche, werde."
Über ein Jahrzehnt kann Bismarck dies mit einer bis ins Perfide reichenden Taktik verhindern: Einerseits den "Draht nach St. Petersburg" halten, andererseits Frankreich isolieren; oder alternativ dessen Interessen auf die Kolonialpolitik lenken, und so die Spannungen weit weg von Berlin halten. Wohl wissend, dass es damit zum Gegensatz zwischen Frankreich und der Kolonialmacht Nummer Eins, England, kommen muss.
Das Empire träumt in Afrika - noch in den 1960er Jahren eine "terra incognita" für die europäischen Großmächte - von einer Herrschaft von Kairo bis zum Kap. Gleichwohl akzeptiert der britische Lord Salisbury in Berlin das französische Protektorat über Tunis. Auf Drängen Bismarcks wohlgemerkt, der die französische Revanchestimmung in anderer Kanäle lenken will: In Hinterindien und Nord-Afrika soll sich der ungeliebte Nachbar austoben.
In der französische Öffentlichkeit hält sich das Interesse an Kolonien in engen Grenzen. Überdies misstraut man dem vermeintlichen "ehrlichen Makler". Dies ändert sich, als 1882 Italien auf den Plan tritt, mit Großmachtambitionen, aber auf dem Berliner Kongress ebenfalls zu kurz gekommen. Es verleibt sich Tripolis ein und beansprucht Tunis.
Frankreich sieht sich zum Handeln gezwungen, zumal 1881 berberische Krumir-Stämme von Tunis aus in das von Frankreich beanspruchte Algerien eindringen.
Am 30. April 1881 läuft eine französische Flotte in Bizerta ein, gleichzeitig dringen französische Landstreitkräfte von Algerien aus in Tunis ein. Der Bey von Tunis muss sich geschlagen geben und im Vertrag von Casr el Said Bardo am 12. Mai 1881 das französische Protektorat akzeptieren.
Frankreich ist in den prestigeträchtigen Wettlauf um den "Platz an der Sonne" eingetreten. Er bedeutet für die okkupierten Länder mitunter zwar eine Verbesserung ihrer Infrastruktur (in Tunesien existiert 1914 bereits ein 4150 Kilometer langes Straßennetz), aber auch Ausbeutung und Entmündigung bis in die heutige Zeit.
Bismarcks Kalkül jedoch geht auf: Das französische Protektorat in Nord-Afrika zieht eine Periode französisch-italienischer Spannungen nach sich und beeinträchtigt gleichzeitig die Mittelmeer-Situation zum Nachteil Englands.
Frankreich besetzt zudem ein Jahr später das gesamte Algerien und erwirbt zwischen 1881 und 1911 zehn Millionen Quadratkilometer an Kolonien mit 60 Millionen Einwohnern. Es steigt zur zweitstärksten Kolonialmacht nach England auf und träumt von einem Reich zwischen Westafrika und Indien. Frankreich ist vollauf beschäftigt.
Bismarck wird vorerst nicht vom "cauchemar des coalitions" geplagt und ist als brillanter Jongleur des "Spiels mit den fünf Kugeln" - England, Österreich-Ungarn, Frankreich, Russland und eben Deutschland - auf dem Höhepunkt seiner Macht als Außenpolitiker.
Kolonialpolitik, die zwischen 1881 und 1884 sogar zur Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich geführt hatte, ist für ihn nie mehr als Mittel zum Zweck. Im Dezember 1888 erklärte er:
Bismarck: "Hier liegt Russland und hier liegt Frankreich, und wir sind in der Mitte. Das ist meine Karte von Afrika."
Die Ablenkung Frankreichs auf die Peripherie und nach Übersee hat jedoch nur kurzfristigen Erfolg. Die Annäherung zwischen Frankreich und Russland ist längst im Gang. Statt Frankreich soll wenige Jahre später Deutschland isoliert sein.
Autor: Frank Gerstenberg
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